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die Kirche nicht leer. Sie wussten, was sie ihm zu danken hatten,
und zeigten es in rührender Teilnahme. Beim Requiem am Sonn‐
tagmorgen konnte das Gotteshaus die Scharen der Beter nicht
fassen. Sie ließen heilige Messen für ihn lesen. In den ersten acht
Tagen allein wurden 62 bestellt. Solange die Pallottiner noch in
Kamerun blieben, verging nicht eine Woche, ohne dass für den
verstorbenen Bischof das hl. Opfer dargebracht wurde.
Abends fünf Uhr fand die Beerdigung statt. Der mit Palmen und
Kränzen geschmückte Sarg wurde von sechs Mitgliedern des Jo‐
sefs‐Vereins getragen. Voran zogen die Schulkinder, das Miserere
singend. Der kaiserl. Gouverneur, Exzellenz Ebermaier, der wegen
des Krieges seine Residenz nach Jaunde verlegt hatte, zahlreiche
Beamte und Kaufleute, die Patres, Brüder und Schwestern, und
eine unabsehbare Zahl eingeborener Christen, die zum großen Teil
außerhalb des Friedhofs bleiben mussten, gaben dem hohen Ver‐
storbenen das letzte Geleite.
P. Rosenhuber segnete das Grab und sprach dann über die Worte
aus dem Buche der Weisheit: „Den Gerechten hat der Herr geführt
auf geraden Pfaden, er zeigte ihm auch Gottes Reich und gab ihm
Kenntnis heiliger Dinge; er machte ehrenvoll sein Wirken, und sei‐
nen Mühen gab er Segen.“ Nach einem Liede, vorgetragen von den
Knaben der Regierungsschule, hielt der Gouverneur folgende Re‐
de:
„Ehe wir von diesem offenen Grabe Abschied nehmen, sei es mir
gestattet, dem edlen Verblichenen, den wir hier in kühler Erde zur
letzten Ruhe betten, einen kurzen Nachruf zu widmen. Wir stehen
nicht nur am Grabe des ersten Bischofs von Kamerun, wir beken‐
nen in dem edlen Dahingeschiedenen nicht nur einen treuen Sohn
seiner Kirche, den guten Hirten seiner Herde, den Obern, der sich
bei seinen Untergebenen stets der allseitigen, größten Achtung
und Liebe zu erfreuen hatte, wir verlieren nicht nur den Begründer
einer großen christlichen Gemeinde in Kamerun, sondern wir be‐
klagen auch, dass in dem hohen Verblichenen ein im besten Sinne
des Wortes edler Mensch von uns geschieden ist. Was er seiner
Kirche und seiner Missionsgesellschaft gewesen, ist uns aus beru‐
fenem Munde soeben geschildert worden und bleibt berufener
Feder vorbehalten, eingehend darzulegen. Der hohe Verblichene
war in der Tat ein wahrhaft edler Mensch. Sein goldenes Herz, sein
sonniger Humor, sein liebenswürdiger Charakter, sein echt deut‐
sches Wesen machten ihn bei allen, die ihn kannten, in hohem




