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Barcelona gesagt, dass ihnen der Wein nicht munde, dann hätte
[ich] dort
sofort andern an Bord genommen, hier kann ich keinen
anderen verschaffen. Ich verbitte mir in Zukunft jede Kritik an dem
Wein. Sollte trotzdem einer der Herren die Kritik fortsetzen, so
würde ich ihn sofort in Ketten legen lassen. Dixi.“ ‐ Sprach’s und
setzte sich und war freundlich, als ob er der Gesellschaft eben eine
Schmeichelei gesagt habe. Nur Kapitän und Missionare tranken
fortab den Wein, die anderen tranken
extra
Wein, den sie zahlten.
In der II. Klasse waren etwa 85 ‐ 90 Passagiere, III. Klasse war ganz
besetzt. Es waren wohl 700 darin. Sonntags lasen wir oben auf
dem Deck die hl. Messe öffentlich. Die Matrosen machten am
Mastbaum einen Hintergrund [aus] Signalflaggen, in der Mitte ein
Tisch als Altar und hinter demselben prangte in Mitte der Flaggen
die italienische Fahne. Wohl alle Passagiere wohnten dann der
hl. Messe bei, auch Capitain und Offiziere. In Barcelona machten
wir, da der Dampfer hielt, einen Besuch in der Stadt und besuchten
unter anderem auch ein Kaffeehaus, wo aber auch Wein getrunken
wurde. Eine eigene Art Wein zu trinken, lernten wir dort kennen.
Eine Tafelrunde trank Wein. Mitten auf dem Tisch stand eine Kan‐
ne aus Glas, die etwa 1 ‐ 1½ Liter enthielt. Die Kanne hatte ganz die
Form einer Teekanne. Wollte man trinken, dann nahm einer die
Kanne, legte den Kopf zurück, hielt die Kanne etwa 3 Handbreit
über seinen Mund
und ließ dann durch das Rohr der Kanne den
Weinstrahl in seinen Mund laufen. Da das Rohr enge war, kam nur
ein strohhalmdicker Strahl heraus. Hatte der Trinker genug, dann
gab er die Kanne zurück und reichte sie mit graziösem Schwung
seinem Nachbarn, der verfuhr wie der erste usw. ‐ So sparte man
die Weingläser. Von Barcelona fuhr der Dampfer nach Tanger. Wir
lagen ziemlich weit auf der Reede und obschon die meisten Häuser
recht freundlich herüber schimmerten, gingen wir doch nicht an
Land, da der Kapitän es nicht recht erlauben wollte. Hier stiegen
die Herren Türken aus, die von Genua mitgefahren waren. Sie ka‐
men von Berlin, wo sie dem Kaiser Geschenke des Sultans von Ma‐
rokko überbracht hatten. An Bord verkehrten sie nicht mit uns. Sie
aßen im Eßsaal allein, ½ Stunde nachdem wir fertig waren. Ihr An‐
führer, jedenfalls ein hoher Herr, kam nie aus seiner Kabine her‐
aus, die allerdings durch Entfernung von Zwischenwänden sehr
groß und auch sehr schön eingerichtet war.
Eine Wache mit Gewehr lag mit gekreuzten Beinen Tag und Nacht
vor der Tür seiner Kabine. ‐ Gibraltar mit seiner Meeresenge erreg‐




