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zeit. Auch in Rio Grande gab es viele Neger. Damals war Rio Gran‐
de sehr zurückgegangen, der Hafen war arg versandet, doch da es
sich bei Erklärung der Republik zur neuen Regierung hielt, sich
darin vor Porto Alegre auszeichnete, soll die neue Regierung gehol‐
fen haben, dass es wieder besser ging. Pelotas machte ihm damals
arge Konkurrenz.
Endlich kam ein Schiff, das uns nach Porto Alegre brachte. Der
Aufenthalt in Rio Grande hatte ziemlich viel gekostet, um zu spa‐
ren, waren wir schon von Montevideo III. Klasse gefahren d.h. ei‐
gentlich II. Klasse. ‐ III. Klasse gibt es dort nicht; die II. Klasse ent‐
spricht aber der europäischen III. Klasse ‐ und taten das jetzt auch
nach Porto Alegre. Wir blieben dann nachts auf Deck. Ich möchte
aber jedem abraten, dasselbe zu tun. ‐ In Porto Alegre kam P. An‐
dreas Walter, der uns erwartete, zum Bistumsverweser führte
(Bischof war gestorben), und mit uns noch einige Einkäufe besorg‐
te. Porto Alegre ist zu ¾ oder mehr deutsch. Die Deutschen haben
fast den ganzen Handel dort. Am folgenden Tage fuhren wir zu‐
sammen einen Fluss herauf, den Rio Cahy bis nach St. Sebastian,
einem hübschen Städtchen. Auf dem kleinen Dampfer, der mit
Holz geheizt wurde, musste man gut acht geben, dass die Funken,
die der Schornstein auswarf, kein Loch in Hut oder Kleidung brann‐
ten. ‐ 2 Jesuiten‐Patres und 2 Brüder hatten dort die Seelsorge und
Schule. Wir wurden freundlich aufgenommen und blieben die
Nacht dort. Am Morgen lasen alle Priester die hl. Messe in der
Hauskapelle, niemand in der ihnen gehörenden Pfarrkirche. Ich
fragte einen Pater, warum sie nicht in der Pfarrkirche eine Messe
lasen (sie lag etwa 5 Minuten entfernt). Er antwortet, weil doch
niemand hineingehe, somit sei es ganz unnütz. Sonntags, bei gu‐
tem Wetter kämen sie zu Messe, regnet es aber etwas stark, dann
dispensiere man sich aber auch von der Anhörung der hl. Messe
am Sonntag.
P. Andreas Walter hatte einen Wagen gemietet (Fruchtkarren), der
unser Gepäck aufnahm, ich bekam auch einen Gaul zum Reiten,
nicht ohne Furcht vertraute ich mich dem Rücken des Tieres an.
Meine Schulter war ja so weit geheilt, aber ich konnte meinen
Sturz vom Pferde in Masio und dessen Folgen so leicht nicht ver‐
gessen. Abends kamen wir bei einem deutschen Wirt (Schwennin‐
ger) an. Sein Haus lag ungefähr an der Grenze der deutschen Kolo‐
nie, die sich um Porto Alegre tagereiseweit erstreckte und fast nur
von Deutschen bewohnt ist, nur wenige Brasilianer (d.h. vor 200




