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Im Mai, Juni, Juli kam oft Reif und dünnes Lufteis auf kleinen Was‐
serbächen vor, das aber bei durchbrechender Sonne gleich ver‐
schwand. Selbst auf Maria Himmelfahrt fror ich mal derart beim
Beichthören, dass ich mir glühende Kohlen in einem Topf für die
kalten Füße bringen ließ. Die Bäume hatten fast alle, einzelne aus‐
genommen, das ganze Jahr ihr Laub (wie in Kamerun). Der kalte
Wind kam dort aus Süden, der warme aus Norden. Schnee habe
ich dort nicht gesehen, doch erzählte mir ein Deutscher, vor
12 Jahren habe es unten bei den Deutschen einmal geschneit, was
große Verwunderung bei den dort geborenen kleinen Deutschen
hervorgerufen habe; doch hätten sie das Schneeballwerfen von
den Alten gleich gelernt. ‐
Die Kinder entwickeln sich schneller als in Deutschland. Mit 18 bis
20 Jahren heiraten nicht selten die jungen Männer, mit 16 bis 17
die Mädchen. Oft sind sie allerdings noch nicht ganz ausgewachsen
und werden als Eheleute dann noch größer. Kinder sind gewöhn‐
lich sehr viele da, 12 bis 15 und mehr von einer Frau ist nichts Sel‐
tenes. Die ältesten sind oft schon lange verheiratet und haben
Kinder, wenn die Mutter auch noch das eine oder andere be‐
kommt. So ist es gar nicht selten, dass der Onkel einige Jahre jün‐
ger ist als sein Neffe. Ich kannte eine Frau, die 14 Kinder hatte, als
ihr Mann starb. Sie kam kurz vor meiner Rückreise zu mir und sag‐
te, sie werde ihren ältesten Sohn, der schon 3 ‐ 4 Kinder hatte, zu
sich zu nehmen. (Außer ihm waren noch 3 ‐ 4 ihrer Kinder verhei‐
ratet.) Wenn’s nun gut und im Frieden gehe, sei es ja recht und
wenn nicht, so schloss sie: „Pater, dann weiß ich noch nicht, was
ich tue.“ Das heißt, sie wollte sich dann wieder verheiraten. Sie
war auch noch nicht zu alt dazu. ‐ Besonders bei den Italienern
blieben oft die Söhne als verheiratete Männer alle bei den Eltern.
Das Haus wird dann bei einer neuen Heirat um ein Zimmer verlän‐
gert, weiter braucht es nichts. Die alte (oft nicht sehr alte) Mutter
behält jede Woche eine andere Schwiegertochter bei sich zum
Kochen, Waschen und Hausarbeit und die anderen arbeiten alle in
der Kolonie. Kindtaufen, die öfter vorkommen, bringen dann etwas
Leben und Abwechslung in das tägliche Einerlei. Wie viele Kinder
dann nach ein paar Jahre in so einem patriarchalischen Hause her‐
umlaufen, ist schwer zu sagen. Man muss sich nur wundern, wie
die Eltern etc. sie auseinander kennen. ‐ Diese patriarchalischen
Familien kommen in Brasilien am besten voran. Leider hält die
Sache oft nicht stand. Wenn der alte Vater stirbt, hat dann der
älteste Sohn eine gewisse Autorität, dann hält sich die Sache noch,




