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wohl ein Jahr oder mehr. Seine Eltern und Verwandten und Lands‐
leute sorgten für seinen Unterhalt, wofür er sich verpflichten
musste, später an ihrer Kapelle zu bleiben, wenn die Suspension
aufgehoben sei. Als dann unser P. General Faá di Bruno nach Brasi‐
lien kam, bat er diesen, doch bei seinem Bischof in Italien ihm die
Papiere zu verschaffen, was er auch tat, und mit gutem Erfolg. So
war dem Armen dann geholfen.
Ungefähr 60 Kapellen gehörten zu Caxias; meist aus Holz erbaut.
Die Italiener fragen meist weder Bischof noch Pfarrer danach, son‐
dern bauten Kapellen nach Gutdünken. Öfters kam dann eine
Kneipe neben dran. Ein Künstler vom Lande machte auch Heiligen‐
figuren aus Pinienstämmen. Meist sahen sie recht dick und feist
aus und regten wenig zur Andacht an. Als P. Andreas Walter mal
wirklich schöne Heiligenfiguren von Europa kommen ließ, war er
sehr böse darüber und meinte, man solle eigentlich den neuen
Brunnen im Hof der Patres mit Öl füllen und einen gewissen italie‐
nischen Geistlichen, den er für den Urheber des Kommens der
Heiligenfiguren hielt, ‐ als Docht hineinstecken und anzünden
(wohl als Lämpchen vor den Heiligenbildern). ‐ Die Landschaft der
Kolonie Caxias war sehr schön, gebirgig, aber meist noch mit Ur‐
wald bedeckt. Pinie war die am meisten hervortretende Holzart.
Doch waren auch andere schöne harte Hölzer da, auch das in Ka‐
merun häufig vorkommende Eisenholz fand sich nicht selten. Pal‐
men gab es dort oben in der Kolonie Caxias nicht mehr. Dagegen
wuchs Wein und Weizen recht gut, die an der Küste unten bei den
Deutschen nicht recht gediehen, Mais wuchs auch recht gut in der
Kolonie. Melonen waren köstlich. Schweinezucht war auch hier mit
Hauptsache und Schweinefutter fast das einzige, was sie mit Vor‐
teil verkaufen konnten. Es fehlten gute Straßen, um Weizen, Wein,
Mais und dergl. mit Vorteil verkaufen zu können. Zu essen und zu
trinken hatten die Kolonisten in Hülle und Fülle, mit der Kleidung
aber, die sehr teuer war, sah es oft nicht gut aus. Manchmal waren
sie so geflickt, dass man nicht mehr erkennen konnte, welches der
ursprüngliche Stoff war. Es fehlten Priester und Lehrer. Meistens
wuchs die Jugend ohne Schulunterricht auf und hatten sie einen
Lehrer, dann bezahlten sie ihn oft nicht, was zur Folge hatte, dass
derselbe wieder weiter zog. Auch fanden sich manche, die für die
Priester nicht gern was gaben und sich daran vorbei zu drücken
suchten. Unsere Gesellschaft hatte mit den Leuten einen Vertrag
abgeschlossen. Jede Familie musste jährlich ein paar Mark an den
Priester zahlen, die näher Wohnenden mehr als die entfernteren.




