16
Das Vaterhaus
Es ist eine geschichtlich denkwürdige Stätte, wo Bischof Vieter
seine Jugendjahre verlebt hat; geschichtlich denkwürdig und zu‐
gleich durch die Spuren großer Männer geheiligt.
Nördlich von der Stadt Lünen in Westfalen, auf der von herrlichen
Buchen bestandenen Höhe, wo heute das Schloss und die Pfarrkir‐
che von Cappenberg steht, erhob sich schon vor mehr als elfhun‐
dert Jahren die feste Burg des Sachsenherzogs Widukind (gestor‐
ben 810), der erst nach langem trotzigem Widerstand gegen die
Macht Karls des Großen seinen stolzen Nacken vor dem Kreuze
beugte. Seinen tapferen Nachkommen verblieb die Burg bis zum
Tode des deutschen Kaisers Heinrich I., der, ebenso wie seine zwei‐
te Gemahlin, die hl. Mathilde, dem Geschlechte Widukinds ent‐
sprossen war.
Nach ihm wurden für kaum hundert Jahre die Billunger Herren von
Cappenberg. Dann folgten in der ersten Hälfte des 11. Jahrhun‐
derts die Grafen von Niederlothringen, die den Billungern ver‐
wandt waren. Gottfried, der fünfte und letzte Besitzer Cappen‐
bergs aus dieser Familie, dessen Ehe mit Jutta, der Tochter des
Grafen von Arnsberg, kinderlos war, entsagte der Welt und über‐
gab die Burg dem heiligen Norbert, dem Stifter des Prämonstra‐
tenser Ordens, um sie in ein Kloster umzuwandeln.
Am Feste Mariä Himmelfahrt 1122 wurde das Kloster durch den
Bischof von Münster feierlich eingeweiht. Im folgenden Jahre er‐
hielt die Gründung die Bestätigung des Kaisers. Unter Norberts
Leitung wurde auf dem weiten Burghof, der bis dahin vom Getrap‐
pel der Pferde und den Schritten gepanzerter Ritter widerhallte,
eine prächtige Klosterkirche erbaut (zwischen 1122 und 1130).
Graf Gottfried ist im Kloster Ilbenstadt in der Wetterau, das er
ebenfalls gegründet hatte, im jugendlichen Alter von kaum dreißig
Jahren gestorben (1127). Im Jahre 1149 wurde die Hälfte seiner
Gebeine nach Cappenberg übertragen. Obwohl er nicht ausdrück‐
lich heiliggesprochen ist, wird er doch als Heiliger verehrt.
Fast 700 Jahre lang blieb Cappenberg Kloster der Prämonstraten‐
ser Mönche. Im Jahre 1803 wurde es, wie viele andere Klöster, ein
Opfer der Säkularisation. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen
übergab es 1814, gegen Austausch des Schlosses Birnbaum, dem
Minister vom Stein zur Belohnung für seine dem Staate geleisteten
Dienste.




