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nial‐Amt in Berlin für seinen Kampf zu gewinnen ‐ gegen seine
Obern.
In dieser Situation war Vieter 1903 zum Generalkapitel nach Rom
gereist. P. Kugelmann, der bisherige Obere in Deutschland wurde
zum General‐Rektor gewählt. Dieser zeigte ihm seinen großen Irr‐
tum bezüglich der Erlaubnis der Niederlassung in Deutschland an
Hand der Dokumente auf. Sofort sieht Vieter sein ungerechtes
Vorgehen ein und bittet um Verzeihung. Nach dem General‐Kapitel
geht er auf Betteltour nach Deutschland und Österreich. Er muss
damit rechnen, dass er nach seinem harten Vorgehen gegen die
Obern in Deutschland (P. Kugelmann) und Rom als Oberer in Ka‐
merun abgelöst werde. Er selbst hatte dies immer wieder angebo‐
ten. Im August des Jahres 1904 wollte er wieder nach Kamerun
zurückkehren. Sein Gepäck war schon auf dem Dampfer. Da
kommt die Nachricht aus Rom: er soll in Deutschland bleiben.
In dieser Zeit persönlicher Ungewissheit schreibt er ‐ gleichsam als
ein Vermächtnis an seinen Nachfolger ‐ seine Kameruner Missi‐
onserfahrungen in Limburg nieder. Daraus formuliert er Erwartun‐
gen an die Mitbrüder und Ratschläge und Weisungen für den Fort‐
gang der Kameruner Mission. Es ist erstaunlich, mit welchen De‐
tailkenntnissen in allen möglichen Bereichen der Kamerun‐Mission
er seine Gedanken zu Papier bringt. Wenn sich auch manchmal
seine Gedanken und Formulierungen wiederholen und über‐
schneiden, so sind sie doch mit dem jeweiligen Text unlösbar ver‐
bunden, so dass sich eine Kürzung nicht anbietet. In diesen Ver‐
doppelungen zeigen sich die wiederkehrenden Sorgen und Beden‐
ken Vieters zu Missständen, die er erlebte.
Dann geschah das für Vieter Ungeahnte: er wurde am 22. Dezem‐
ber 1904 zum ersten Apostolischen Vikar der Kameruner Mission
ernannt und am 22. Januar 1905 in Limburg zum Bischof geweiht ‐
ein Zeichen der großen inneren Haltung von P. Kugelmann, der
diese Ernennung und Weihe befürwortet hatte, aber auch ein Zei‐
chen für die Hochschätzung, die Vieter ‐ trotz aller Kontroversen ‐
als Oberer der Kameruner Mission insgesamt genoss.
Danach sind einige
Berichte
in diese Dokumenten‐Sammlung auf‐
genommen, die im „
Stern von Afrika
“ veröffentlicht sind. Sie wur‐
den geschrieben, um das Interesse der Wohltäter in der Heimat für
die Kamerun‐Mission wachzuhalten. Von diesem Interesse her sind
sie zu lesen. Das schmälert nicht deren Wahrheitsgehalt, sondern




