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Dies beschreibt er in seiner „Chronik der katholischen Mission Ka‐
merun“ (in dieser Reihe veröffentlicht als 1. Band). Doch vorher
schreibt er seine „
Dreizehnjährigen Erinnerungen aus Kamerun
1890 ‐ 1903
“ nieder. Diese Schrift bringt auch Episoden, die in der
„Chronik“ nicht vorhanden sind oder nur verkürzt erzählt werden.
Vieter selbst äußert zu dieser Schrift seine Vorbehalte. Er hält die‐
se „Erinnerungen“ nur mit Korrekturen veröffentlichbar. Zu unmit‐
telbar lässt er darin teilhaben an seinen schwierigen Erfahrungen,
besonders auch mit seinen Obern in Europa, in Limburg und Rom.
Getrieben von seinem Auftrag, Kamerun zu missionieren, ordnet er
alles diesem Ziel unter. Ungemildert und zornig schreibt er sich
seine Sorgen, seine Leiden, seine Enttäuschungen und seine harten
Forderungen vom Leibe. Denn nach seiner Kameruner Sicht kom‐
men viel zu wenige Missionare. Er äußert auch seine Zweifel dar‐
über, ob bei der Verwendung der Missionsalmosen „für Kamerun“
alles mit rechten Dingen zugeht. Es zeigen sich in diesen „Erinne‐
rungen“ die noch nicht geklärten Fragen einer jungen Pallottiner‐
Missions‐Gemeinschaft: nach seinem heftigen Temperament
kämpft Vieter sie aus. ‐ In diesen Text durch Kürzung oder Umfor‐
mulierung redaktionell einzugreifen, verbietet sich, weil damit ein
Zug in Vieters Wesen verschleiert würde. So sind diese „Erinnerun‐
gen“ ein Blick in die Seele Vieters, 10 Jahre vor seinem Tode.
Die nächsten
Dokumente aus dem Jahre 1904
beginnen mit 2 Vor‐
trägen über Kamerun, die Vieter wohl in dieser Zeit geschrieben
und gehalten hat.
Die darauf folgenden Dokumente haben aber ihren besonderen
Platz in dieser Dokumentation, da sie in einer kritischen Lebenssi‐
tuation Vieters stehen und entstehen. 1901 hatte die Generallei‐
tung der Pallottiner die Mission in Australien übernommen.
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Was
Vieter daran so heftig stört, ist, dass mit dieser Australien‐Mission
die deutschen Pallottiner in Limburg beauftragt wurden. Nach
Vieters Meinung waren die Pallottiner in Deutschland nur zugelas‐
sen worden, um in Kamerun als Missionare zu wirken. Zu sonst
nichts. Heftig kämpft er deshalb gegen diesen neuen Einsatz und
gegen die Obern in Rom und Limburg, da ihm dadurch die perso‐
nellen und finanziellen Mittel für Kamerun beschnitten würden. In
seiner ungebremsten Polemik scheut er sich nicht, sogar das Kolo‐
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Dekret der Kongregation der Propagana Fede vom 12. Januar 1921.




