Und wenn die Wahrheit mich vernichtet - Lehrerausgabe
- 56 - Keine Umdeutung heiliger Worte und Begriffe 29. Unsterblichkeit im christlichen Sinn ist das Fortleben des Menschen nach dem irdischen Tode als persönliches Einzelwesen – zum ewigen Lohn oder zur ewigen Strafe. Wer mit dem Worte Unsterblichkeit nichts anderes bezeichnen will als das kollektive Mitfortleben im Wei- terbestand seines Volkes für eine unbestimmt lange Zukunft im Diesseits, der verkehrt und verfälscht eine der Grundwahrheiten des christlichen Glaubens, rührt an die Fundamente jeder religiösen, eine sittliche Weltordnung fordernden Weltanschauung. Wenn er nicht Christ sein will, sollte er wenigstens darauf verzichten, den Wortschatz seines Unglaubens aus christlichem Begriffsgut zu bereichern. 32. Demut im Geiste des Evangeliums und Gebet um Gottes Gnadenhilfe sind mit Selbstach- tung, Selbstvertrauen und heldischem Sinn wohl vereinbar. Die Kirche Christi, die zu allen Zeiten bis in die jüngste Gegenwart herein mehr Bekenner und freiwillige Blutzeugen zählt als irgendwelche andere Gesinnungsgemeinschaft, hat nicht nötig, von solcher Seite Belehrungen über Heldengesinnung und Heldenleistung entgegenzunehmen. In seinem seichten Gerede über christliche Demut als Selbstentwürdigung und unheldische Haltung spottet der widerli- che Hochmut dieser Neuerer seiner selbst. 33. Gnade im uneigentlichen Sinne mag alles genannt werden, was dem Geschöpf vom Schöp- fer zukommt. Gnade im eigentlichen und christlichen Sinne des Wortes umfasst jedoch die übernatürlichen Erweise göttlicher Liebe, die Huld und das Wirken Gottes, durch das Er den Menschen zu jener innersten Lebensgemeinschaft mit Sich erhebt, die das Neue Testament Gotteskindschaft nennt. „Seht, wie große Liebe uns der Vater erwiesen hat. Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es auch“ (1 Joh 3,1). Die Ablehnung dieser übernatürlichen Gnadenerhe- bung aus angeblich deutscher Wesensart heraus ist Irrtum, eine offene Kampfansage an eine Kernwahrheit des Christentums. Die Gleichsetzung der übernatürlichen Gnade mit den Gaben der Natur ist Eingriff in den durch die Religion geschaffenen und geweihten Wortschatz. Die Hirten und Hüter des Volkes Gottes werden gut daran tun, diesem Raub am Heiligtum und dieser Arbeit an der Verwirrung der Geister mit Wachsamkeit entgegenzuwirken. M13.4 Gruppenarbeit: Mit brennender Sorge Mit brennender Sorge heißt die Enzyklika, die Papst Pius XI. am 14. März 1937 unterzeich- nete und eine klare Absage an das Nazi-Regime war. Das päpstliche Lehrschreiben sorgte für Aufsehen im In- und Ausland und wurde am Palmsonntag 1937 von Pfarrern in ganz Deutschland verlesen. Eine Geheimaktion machte es möglich, das Dokument nach Deutsch- land zu bringen, zu vervielfältigen und deutschlandweit zu verteilen. Goebbels sprach von einer Kampfansage des Papstes.
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