Pallottis Werk 2025 / 4

10 PALLOTTINER VOR ORT Abschied nach über einem Jahrhundert Die Gemeinschaft verlässt schweren Herzens Hofstetten im Bayerischen Wald Mit einem feierlichen Gottesdienst haben sich die Pallottiner am Sonntag, dem 27. Juli, aus Hofstetten im Vorderen Bayerischen Wald verabschiedet. Über 180 Besucherinnen und Besucher kamen in und vor der Kapelle des Apostolatshauses zusammen, um traurig und dankbar zugleich zurückzuschauen. Dieser Tag markierte das Ende einer Ära, die über 100 Jahre zuvor begonnen hatte. Am 7. September 1919 hatte die norddeutsche Pallottinerprovinz mit Sitz in Limburg das Anwesen in Hofstetten von der Diözese Regensburg übernommen. Bereits kurz nach dem Erwerb begann man mit dem Bau eines neuen Hauses, das 1922 fertiggestellt wurde. Im Jahr 1947 ging das Haus im Zuge eines Tauschs an die süddeutsche Pallottinerprovinz mit Sitz in Friedberg bei Augsburg über. Neben der Landwirtschaft, die der Versorgung verschiedener Pallottiner-Niederlassungen diente, beherbergte das Haus bis 1965 auch das Brüdernoviziat und stand für Einkehrtage offen. 1990 wurde hier erstmals Pater Norbert Lauinger Rektor, der das Haus nun mehr als 30 Jahre prägte. Jetzt wurde Hofstetten als sogenanntes Apostolatshaus der Pallottiner ein Zentrum für Exerzitien, spirituelle Bildung und Erholung. Pater Lauinger lud interessierte Laien ein, die Spiritualität Vinzenz Pallottis kennen zu lernen und in ihrem Leben umzusetzen. So entstand der »Apostolatskreis Hofstetten«. Mit der Zeit wurde das Haus zu einem Zentrum der »Vereinigung des katholischen Apostolates« (Unio) für gesamt Deutschland, nicht zuletzt durch das Engagement der Eheleute Roswitha und Alois Wittmann. Hatten seit 1955 Theresienschwestern mit den Brüdern und Patres zusammen gearbeitet, kamen 1988 Missionsdominikanerinnen von Strahlfeld, 2005 Mallersdorfer Schwestern und 2016 für drei Jahre eine Hildegardisschwester ins Haus. Sie wirkten stark an der gastlichen Atmosphäre von Hofsteten mit. Wertvoll für das Haus war auch die Liebe Pater Lauingers zu Natur und Kunst. So gehörten Blumen und Tiere zu Hofstetten; und kein geringerer als Walter Habdank versah die »Meindl-Kapelle« mit einer Kreuzdarstellung und einem Pallotti-Portrait. Zum Wirken der Pallottiner in Hofstetten gehört auch die langjährige Betreuung der Pfarreien in Michelsneukirchen, Dörfling, Gfäll, Arrach und Rettenbach; nicht zu vergessen das Eustachius-Kugler-Haus in Roding. Wandel und Mitgestaltung von Kirche und Welt Provinzial Markus Hau würdigte im Abschiedsgottesdienst die bedeutungsvolle Geschichte von Hofstetten. Er beschrieb den Abschied als schmerzhaften Prozess der Entwurzelung – nicht nur geografisch, sondern auch emotional und spirituell. »Einen Ort aufzugeben, der so lange Halt war, vielen Heimat und Fluchtpunkt. Hofstetten war stets ein Ort, Gott zu begegnen. Das tut weh«, sagte Pater Hau. Aus christlicher Sicht könne eine Entwurzelung jedoch auch als Neuanfang, als Weg, als Chance zur Veränderung, zu Heilung und zum Aufbruch verstanden werden. Sie könne die Verabschiedung Für viele Jahre für viele Menschen Heimat, Brunnenhaus und Inspiration: das Apostolatshaus in Hofstetten.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjY4MzQ=