Pallottis Werk 2025 / 2

PALLOTTINER INTERVIEW 10 Freundschaft mit Gott – wie geht das? Im Herbst 2024 wurde Novize Steffen Ehlers für seine Magisterarbeit im Fach Katholische Theologie mit dem Hochschulpreis der Region Koblenz ausgezeichnet. Im Interview spricht er über sein Thema und was das mit den Pallottinern zu tun. Herr Ehlers, warum haben Sie sich »Freundschaft mit Gott« als Thema für Ihre Abschlussarbeit ausgewählt? Die Anregung dazu kam von Pater George Augustin von der Vinzenz-Pallotti-University, es hat aber auch viel mit meiner Lebensgeschichte zu tun. Die Suche nach Gott, das Vertiefen der Beziehung zu ihm, das treibt mich schon sehr lange um. Dazu dann den Begriff der Freundschaft heranzuziehen und diesen auch philosophisch und theologisch zu durchdenken, das hat mich gereizt. Gott ist für viele Menschen eine unnahbare Autorität, kann er unser Freund sein? Als Christen glauben wir, dass Gott uns Menschen in eine Beziehung einlädt. Diese Beziehung wird in der Bibel auch Freundschaft genannt, weil sie ähnliche Merkmale hat, die auch Freundschaften zwischen Menschen haben. Dazu gehört, den anderen in den Blick zu nehmen und das Beste für ihn zu wollen und zu tun. Es gehört Gegenseitigkeit dazu, ohne die es keine Freundschaft gibt und der Wunsch, aus diesen Gründen das Leben miteinander zu teilen. Das Besondere der Freundschaft mit Gott ist, dass sie immer von ihm ausgeht und von ihm ermöglicht wird. Was verpassen die Menschen, wenn sie sich gegen den Glauben entscheiden und auf eine Freundschaft mit Gott verzichten? Das Christsein, insbesondere das Katholisch-Sein wird oft mit dem Einhalten von Regeln in Verbindung gebracht und als streng empfunden. Dabei steht im Mittelpunkt eigentlich die bedingungslose Liebe Gottes zu uns, der das Beste für uns will. Für mich ist das gerade kein einschränkender Blick aufs Leben, sondern Zugang zu einem Leben in Fülle, das glücklich macht. In Ihrer Arbeit beziehen Sie sich auch auf einige Bibelstellen. Welche gefällt Ihnen persönlich am besten? Die Stelle, in der Jesus auf den Zöllner Zachäus trifft. Zachäus hat von Jesus gehört und möchte ihn sehen. Dazu steigt er auf einen Baum, an dem Jesus vorübergehen muss. Als Jesus den Baum erreicht, darf Zachäus erleben, dass auch Jesus ihn sieht und stehen bleibt, dass Jesus seinen Namen kennt und bei ihm zu Gast sein will. Das gemeinsame Essen war damals ein Zeichen von Freundschaft. Die Menschen sind empört, doch Zachäus wird von der Begegnung mit Jesus total verändert und beschließt die Hälfte seines Vermögens an die Armen zu verteilen. Diese Geschichte bringt für mich die Beziehungsdynamik zwischen Gott und uns Menschen sehr schön zum Ausdruck. Gott wirbt um uns, auch um diejenigen, die sich weit von ihm entfernt haben. Wer sich von dieser Liebe berühren lässt, der wird selbst Stück für Stück fähig zu lieben, wie Gott liebt. Sie gehen auch auf den Zusammenhang von Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe ein. Welche Liebe muss zuerst kommen? Ich glaube, das lässt sich schwer trennen. Mit der Liebe Gottes in Berührung zu kommen eröffnet uns eine neue Beziehungsfähigkeit, die sowohl unsere Liebe zu Gott als auch zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen betrifft. Der Gedanke hat mich übrigens auch bei den Pallottinern sehr angesprochen: im Zentrum steht Gott als die unendliche Liebe, die die Menschen berührt und sie dann bewegt diese weiterzugeben. Wenn die Gemeinschaften der Pallottiner für manch einen ein Erfahrungsraum dieser Liebe Gottes sein können, würde mich das sehr freuen. Ein Lieblingsgedanke aus Ihrer Arbeit, den Sie den Lesern von »Pallottis Werk« mitgeben möchten? Beziehungen, denke ich, sind das Wertvollste, das wir im Leben haben. Durch die Begegnung mit Gott erhalten unsere Beziehungen eine ganz neue Qualität, weil uns durch ihn ganz neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden. Die Liebe Gottes befreit uns zur Liebe. Interview: Alina Rafaela Oehler

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