Pater Gottfried ist nach 60 Jahren aus Kanada zurück

Pater Gottfried Seifert SAC

Seine Eltern gaben ihm den Namen Gottfried. Und als es zum Abitur kam, glaubte er, Priester werden zu wollen und hat bei den Pallottinern angeklopft.“ 1958 wurde Gottfried Seifert in Vallendar von dem Danziger Bischof Carl Maria Splett geweiht und ging noch im selben Jahr als Missionar nach Kanada. Sechs Jahrzehnte hat er dort auf verschiedenen Stationen das Wort Gottes vorgelebt, ehe er Ende September nach Limburg kam.

Torwart Seifert meisterte alle Schüsse

Wer Pater Seifert in seiner kleinen Wohnung neben der Pallottinerkirche anruft, wird mit einem englischen „Hello!“ begrüßt. Da er noch nicht überall bekannt ist, vermutet er Anrufer aus einer seiner früheren Wirkungsstätten in Nordamerika; denn dort wird er unvergessen bleiben. „Bevor ich ins Kloster gegangen bin, war ich bereits aktiver Sportler. Ich habe in Niedersachsen im Tor gespielt, war mit 15 schon in der Seniorenmannschaft. Da sind wir in die zweithöchste Amateurliga aufgestiegen“, berichtet der 86-Jährige, der auch bei den Pallottinern dafür sorgte, dass gegen seine Mannschaft wenige Tore fielen. Schlagzeilen aus der Zeitung wie „Torwart Seifert meisterte alle Schüsse“ zieren sein Album.

Flucht in den Westen

Seifert erblickte als jüngstes von drei Kindern in dem kleinen Dorf Sommersell im Kreis Höxter das Licht der Welt. Der Vater war als Lehrer von der Wehrmacht freigestellt und 1941 nach Oberschlesien versetzt worden. Von dort ist die Familie nach Kriegsende mit den letzten deutschen Soldaten mit Bussen in den Westen gekommen. Als Kind wurde Gottfried sehr krank; ihm wurde eröffnet, dass er keine 18 Jahre alt würde.
Doch der liebe Gott zeigte ihm nach dem Abitur in Vechta einen anderen Weg. Über einen Pastor kam er mit der Schönstattbewegung in Vallendar in Kontakt und ab Ende April 1952 bereitete er sich im Noviziat der Pallottiner in Olpe auf den Eintritt in die pallottinische Gemeinschaft vor. Er studierte Theologie und Philosophie an der Hochschule in Vallendar, und dann nahm das Leben von Pater Seifert eine überraschende Wende.

Das Christliche im Sport wachhalten

„Bevor ich zum Priester geweiht wurde, hatte ich meinen Vorgesetzten gesagt, dass ich gerne im deutschen Sport arbeiten würde. Ich wollte zur Sporthochschule gehen. Meine Vision war es, dafür zu sorgen, dass dort das christliche Element wachgehalten wird“, berichtet Seifert. Wenig später sei eine Anfrage aus Kanada eingetroffen und dann alles ganz schnell gegangen: „Ich wurde nach Edmonton, die Hauptstadt der Provinz Alberta, geschickt. Dort habe ich an der Universität Sport, Alte Geschichte, Soziologie und Anthropologie, also die Wissenschaft vom Menschen, studiert, und 1965 begonnen, diese Fächer zu unterrichten.“

An der St. Francis High School im benachbarten Calgary haben damals unter 120 Lehrkräften jeweils drei bis fünf Pallottiner bis zu 2.000 Schüler unterrichtet. Pater Seiferts Augen glänzen, wenn er von den „ungemeinen Konkurrenzkämpfen“ erzählt, die sich Schüler aus 25 Hochschulen des Landes in allen möglichen Sportarten lieferten. Er selbst habe 15 Jahre dort unterrichtet, sei bei Junioren und Senioren Trainer für Football und Basketball gewesen, habe Ringkämpfe gecoacht, acht Jahre Kunstturnen trainiert.

„Das ist ein ganz anderes missionarisches Feld. Damit kommen sie aber an die jungen Leute ran“, berichtet Seifert, der mit ihnen Wintercamping in den Bergen unternommen hat und an Wochenenden zum Skifahren aufgebrochen ist. „Hauptsache sind nicht nur Sport und Ehrgeiz, sondern die menschlichen Beziehungen dazwischen“, sagt der Seelsorger und fügt ernüchternd hinzu: „Bis ich 49 Jahre alt war, konnte ich noch mit allen Schülern mithalten. Dann wurde ich als Pastor gebraucht.“

Pfarrei mit 10.000 Quadratkilometern

Seine neue Tätigkeit begann er 1980 in Edmonton in der Bonifatiuskirche. Auch diese Aufgabe hat ihn sichtlich erfüllt, wenn er erzählt: „Es waren 27 junge Leute zusammengekommen. Wir haben Exerzitien gehalten, Camping gemacht. Es waren tatkräftige junge Leute, die sich dann auch für die Wahl zum Pfarrgemeinderat zur Verfügung stellten.“ Zu den Höhepunkten in Edmonton zählte freilich 1984 der Besuch von Papst Johannes Paul II.

Fünf Jahre waren Pater Seifert in seiner pastoralen Aufbauarbeit vergönnt, sodann wurde er in das vier Flugstunden entfernt gelegene Waterloo, südwestlich von Toronto versetzt und schon nach einem halben Jahr in deutschen Pfarreien nach Kitchener beordert, das bis zum Ersten Weltkrieg „Town of Berlin“ hieß. Nach abermals fünf Jahren war sein Einsatz 1990 im 3.000 Kilometer entfernten Swan River in Manitoba gefragt. Ein neues Abenteuer begann für den inzwischen 58-Jährigen, der sich in einer Pfarrei zurechtfinden musste, auf deren Gebiet von 10.000 Quadratkilometern sich zehn Kirchen befanden, darunter weiße Farmer und Indianerreservate.

„Kaum dass er Fuß gefasst hatte, mussten die Pallottiner die Station nach einem guten Jahr aufgeben. Ich wollte ein Sabbatjahr in Vallendar machen, war aber in dieser Zeit für sieben Monate in London. Zurück in Kanada wurde ich Pastor einer Stadtpfarrei mit 72.000 Einwohnern und zwei katholischen Gemeinden, die zwischen Edmonton und Calgary 300 Kilometer auseinander liegen. „Wir hatten eine künstlerisch gestaltete Kirche, aber keine anderen Räumlichkeiten und haben angebaut. Schließlich mussten wir etwas für die geistige Entwicklung der ganzen Gemeinde tun. Wir haben eine Zentrale aufgebaut. Von überallher kamen die Leute“, sagt Pater Seifert und denkt lange nach. Dann sagt er mit Wehmut: „Es war eine gute Zeit.“

Diamantenes Priesterjubiläum noch in Kanada

Nach einer Hüftoperation war er der komplexen Aufgabe nicht mehr gewachsen und hat seine Oberen um eine kleine Pfarrei gebeten, die er in der Nähe für fünf Jahre betreute. Mit 75 durfte er sich in einem Wohnhaus der Pallottiner zur Ruhe setzen. Und dennoch: Ein neuer Bischof rief ihn noch einmal für fast drei Jahre zur Betreuung einer deutsche Kirchengemeinde in Edmonton. Die letzten paar Jahre wurde er sogar zum Pendler, indem er 100 Kilometer von seinem Häuschen entfernt bei indischen Mitbrüdern aushalf, die sechs Kirchen zu betreuen hatten. Doch dann wurde es für ihn immer beschwerlicher, zu Hause die Straße zu kehren und den Schnee zu schippen.

„Ich bringe viele Erinnerungen mit, schöne und ungemein schwere Stunden, zahlreiche Erlebnisse“, blickt Pater Seifert zurück, der noch in Kanada nach 60 Jahren sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern konnte. Manchmal fehlen ihm die Worte zwischen zwei Sprachen, denn er sei mehr in Kanada zu Hause als in Deutschland“, sagt der Senior. Rückblickend stellt Father Gottfried fest: „Wir Patres und Brüder waren bereit und haben gewartet; wo wir eingesetzt wurden, da sind wir einfach hingegangen.“ Als Vertreter des Provinzials flog er von Kanada auch einige Male nach Rom. Im Alter blickt Gottfried dankbar zurück und sagt: „Ich habe nichts bereut.“

Und dann blättert der Pater in seinen Fotoalben und stößt auf ein Bild, auf dem er einen Bären füttert. Seifert erklärt: „Das war nach meiner Ankunft. Da bin ich ziemlich naiv gewesen.“

Bild & Text: Dieter Fluck

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