Vinzenz Pallottis wunderbare Spiritualität
Dieses Bild malte Oskar Kokoschka (1886-1980) im Alter von 76 Jahren. Vinzenz Pallotti war damals schon mehr als 100 Jahre tot. Kokoschka ließ sich deshalb von der Totenmaske inspirieren. Ebenso lagen ihm persönliche Schriften und Aufzeichnungen von Vinzenz Pallotti selbst vor. Er ließ aber auch Literatur über Pallotti auf sich wirken. Somit ist dieses Bild kein historisches Bildnis. Es ist vielmehr das ins Bild gebracht, was Pallotti in seinem Wesen, in seinem Glauben und in seinem Wirken auszeichnet.
Pallottis Gottesbild
Vinzenz Pallotti ist zu tiefst geprägt und erfüllt vom Gott der unendlichen Liebe. Gott kann nicht anders als lieben. Er selbst ist die Liebe. Diese Liebe wird Mensch in Jesus, der gelebt und gestorben ist, damit wir leben (vgl. 1 Joh 4). Diese Liebe erfährt Pallotti selbst durch seine Eltern. Diese Liebe sollen alle Menschen spüren. Pallotti fühlt sich gedrängt, ja getrieben, diese Liebe weiterzugeben und zu leben. Die Worte aus dem 2. Korintherbrief „Die Liebe Christi drängt uns" (2 Kor 5,14) werden so zum Leitwort seines Handelns und für alles pallottinische Wirken.
Pallottis Menschenbild
Vinzenz Pallotti spürt, dass er dieses Liebeswerk nicht alleine vollbringen kann. Er braucht Helfer, die ihn unterstützen. Und das kann jeder. Denn der Mensch ist geschaffen nach Gottes Abbild (vgl. Gen 1). Dies schenkt dem Menschen eine unbeschreibliche Würde. Aufgrund dessen hat jeder Mensch die Pflicht, aber auch das Recht, am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Jeder Mensch soll den Glauben verkünden und die Liebe entzünden - nicht nur der Klerus und die Ordensleute. Jeder soll Zeugnis geben vom Gott der unendlichen Liebe. Für Pallotti kann jeder Apostel sein, indem „er mit seinen Talenten, seiner Bildung, seinen Beziehungen, seinem Beruf und Handwerk, seinem Wort, mit seinem Vermögen und irdischen Gütern oder wenigstens mit seinem Gebet nach Kräften mithilft, dass der Glaube an Jesus Christus in der ganzen Welt verbreitet werde."
Pallottis Kirchenbild
Aus dieser Überzeugung erwächst für Vinzenz Pallotti ein neues Bild von Kirche. Er sieht die Kirche abgebildet im sogenannten Coenakulum: Maria ist nach der Himmelfahrt Jesu mit den Jüngern, den Brüdern Jesu und anderen Frauen zusammen im Obergemach. Miteinander warten sie dort auf die Herabkunft des Heiligen Geistes (vgl. Apg 1). Maria schart alle um sich, die das Liebeswirken Jesu fortsetzen wollen. Sie ist die Königin der Apostel. So entsteht eine Gemeinschaft, an der alle Mitwirken können, mit ihren je eigenen Möglichkeiten.
1835 gründete Vinzenz Pallotti die Vereinigung des Katholischen Apostolates (Unio/UAC). Katholisch meint hier im ursprünglichen Sinn: allumfassend. Die Vereinigung möchte Christen zur Erneuerung ihres Glaubens ermutigen und alle zum Glauben einladen. Sie will Menschen gewinnen, ihre Begabungen, materielle und geistliche Mittel einzusetzen, um das Evangelium lebendig werden zu lassen im Leben, in der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Dabei ist sie offen für alle christlichen Lebensformen. Alle haben dieselbe Verantwortung. Dabei betont die Unio besonders das sich ergänzende Zusammenspiel der verschiedenen Berufungen. Wir Pallottiner gehören zur UNIO und haben die Aufgabe, als zentraler und bewegender Teil die Entwicklung der UNIO zu fördern.
Neben dem Pfingstbild ist für uns Pallottiner wie für alle pallottinischen Gemeinschaften die Perikope von der Aussendung der 72 Jünger (Lk 10,1-9) sehr wichtig. Fasst es die pallottinische Spiritualität in ihren Kernpunkten zusammenzufassen:
• Nicht nur die Apostel sind gesandt, sondern erwählt und gesandt sind viele andere.
• Niemand muss sich alleine auf den Weg machen, sondern jeder und jede ist in Gemeinschaft unterwegs.
• Wer sich auf den Weg macht geht im Namen und Auftrag Jesu. Sein Wirken hat nur vorbereitende Funktion.
• Die Menschen sollen angesteckt werden, selbst aktiv zu werden. Sie sollen das, was sie selbst erfahren und erlebt haben, an andere weitergeben.
• Trotz Widerstände soll ich dem Ruf und meiner Überzeugung treu bleiben.
• Ziel ist, dass das Reich Gottes Wirklichkeit wird im konkreten Leben der Menschen.
Weitere Aktionen
12.-13.06.2010
Ein Wochenende für Paare in Freising
13.-22.08.2010















