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Unsere Geschichte

Historische Großwetterlage

Die Anfänge der Gemeinschaft in turbulenter Zeit

Im Vergleich zu anderen religiösen Gemeinschaften in der Katholischen Kirche sind wir Pallottiner eine relativ junge Gründung. Unser Gründer, der Hl. Vinzenz Pallotti (1795-1850) lebte in der turbulenten Zeit - zwischen der Französischen Revolution und der europäischen Revolution von 1848/49. Ereignisse, die nicht ohne Auswirkungen auf die Katholische Kirche blieben.

Blick auf die Kuppel der Peterskirche. Nur wenige Meter von Ponte Sisto, der Brücke im Vordergrund, entfernt, stößt man auf das Generalat der Pallottiner und die Kirche San Salvatore in Onda, unter deren Hauptaltar der heilige Vinzenz Pallotti (1795-1850) beigesetzt ist.

Sein ganzes Leben verbrachte Vinzenz Pallotti in Rom, dem Zentrum der Weltkirche und damals noch Mittelpunkt des Kirchenstaates, in dem die Päpste seit Jahrhunderten auch als weltliche Fürsten herrschten. Die geistigen und politischen Wirren bis zum Untergang des Kirchenstaates 1870 bilden denn auch den geschichtlichen Hintergrund für die Gründung Pallottis und die weitere Entwicklung der jungen Gemeinschaft.


Von Anfang an sahen sich die Pallottiner als Teil eines größeren und umfassenden Gesamtwerkes, der Vereinigung des Katholischen Apostolates (Unio), entsprechend der Vision Vinzenz Pallottis  vom 9. Januar 1835, die er selbst als Auftrag Gottes zur Gründung eines dreifachen Apostolatswerkes verstand: zur Verbreitung des Glaubens unter den Nichtchristen, zur Belebung des Glaubens unter den Katholiken und zur tätigen Nächstenliebe. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass neben einigen römischen Priestern auch Laienchristen die Bittschrift zur Anerkennung der Vereinigung unterzeichneten. Am 4. April 1835 erhielt sie den Segen des Kardinalvikars von Rom, Carlo Odescalchi. Dieser Tag gilt heute als Gründungsdatum der Vereinigung des Katholischen Apostolates.


Keine Gelübde wie in einem Orden, sondern Weihe an Gott und Versprechen an die Gemeinschaft


Als eigenständige Gemeinschaft gab es die Pallottiner bei der Gründung der Vereinigung des Katholischen Apostolates noch nicht. Erst einige Jahre später entwickelte sich die Priester- und Brüdergemeinschaft aus dem mit der Vereinigung gesetzten Anfang heraus. Pallotti wollte für die die Mitglieder seiner Gemeinschaft keine Gelübde wie in einem Orden, sondern eine Weihe an Gott und Versprechen an die Gemeinschaft. Im Jahr 1846 legten die ersten Mitglieder ihre Versprechen nach der neuen Regel für die Priester und Brüdergemeinschaft ab.


Der Ausbruch der Revolution im Kirchenstaat 1848 brachte für die junge Gründung einen herben Rückschlag, von dem sie sich nur langsam erholte. Da starb Vinzenz Pallotti ganz unerwartet am 22. Januar 1850 und hinterließ ein nur wenig gefestigtes und kaum durchgeformtes Werk. Die Priester- und Brüdergemeinschaft umfasste  bei seinem Tod gerade einmal 12 Mitglieder. In den folgenden Jahrzehnten kämpfte die kleine Gemeinschaft mit ihren apostolischen Zentren in Rom und in London immer wieder ums Überleben. Schließlich brachte 1878 die Eröffnung eines Studienhauses im oberitalienischen Masio einen neuen Aufschwung und führte zahlreiche junge Männer aus Italien, England und vor allem aus Deutschland in die Gemeinschaft. Erster Rektor des Studienhauses wurde P. Ämilian Kirner. Er war auch der erste deutsche Pallottiner.

"Geht hinaus in alle Welt"...

Pallottiner wirken als Missionare im Ausland - Zwei deutsche Provinzen entstehen

Kurz bevor die ersten Pallottiner-Missionare 1890 in Richtung Kamerun aufbrachen, entstand dieses Bild in Würzburg, der Heimatstadt von P. Georg Walter.

Die  Ausbreitung der Gemeinschaft erfolgte zunächst auf den Spuren italienischer Auswanderer in Nord- und Südamerika, hier vor allem in Brasilien, wo die Pallottiner oft unter schwierigsten Bedingungen als Seelsorger wirkten. Ein weiteres großes Aufgabenfeld wurde den Pallottinern im Jahr 1890 übertragen: die katholische Mission in der deutschen Kolonie Kamerun. Unter der Leitung von P. Heinrich Vieter gelang es den Missionaren in Kamerun den christlichen Glauben einzupflanzen. Noch heute sehen die Katholiken Kameruns in den Pallottinern ihre Väter im Glauben. P. Vieter wurde 1905 in Limburg zum ersten Bischof Kameruns geweiht. Im Jahre 2005 wurde sein Seligsprechungsprozess eröffnet.


Die Übertragung der Mission in Kamerun an die Pallottiner ebnete der Gemeinschaft zugleich den Weg nach Deutschland, wo die Kulturkampfgesetze des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck zunächst der Gründung einer Niederlassung entgegenstanden. Dies änderte sich mit der Übernahme der Kamerunmission. Zwei Jahre, nachdem die ersten Missionare nach Kamerun ausgereist waren, erhielten die Pallottiner die Erlaubnis in Limburg an der Lahn eine Niederlassung zu errichten, als Rückhalt und Basis für ihre missionarische Tätigkeit. 1894 wurde das deutsche Provinzvikariat errichtet, dessen erster Oberer P. Max Kugelmann wurde. 1901 gingen von Limburg aus Missionare nach Australien, 1922 nach Südafrika, 1925 nach Argentinien und Chile. Dazu kamen zahlreiche Neugründungen in Europa und Übersee: Gossau (Schweiz) 1920, Milwaukee (USA) 1921 und Wien (Österreich) 1924.


1909 wurde die Gemeinschaft in Provinzen eingeteilt


Um der wachsenden Zahl an Mitgliedern und der internationalen Ausweitung der Aufgabenfelder Rechnung zu tragen, wurde im Jahr 1909 die Gemeinschaft in Provinzen aufgeteilt. Eine dieser neu errichteten Provinzen war die amerikanische, zu der auch das Studienhaus in Masio gehörte. Deren erster Provinzial war der deutsche P. Peter Wimmer, der seinen Sitz in Santa Maria/Brasilien nahm. Infolge des Ersten Weltkriegs mussten dann die deutschen Pallottiner 1915 das Studienhaus in Masio verlassen. Zunächst kamen sie provisorisch in Limburg unter, bis schließlich P. Johannes Weber, der Leiter des Studienhauses, in Bruchsal ein neues Seminar gründete, wo die Schüler, Novizen und Seminaristen ein neues Zuhause fanden. 


In den darauffolgenden Jahren kamen weitere Niederlassungen im Süden Deutschlands hinzu. Nachdem 1919 der brasilianische Distrikt von der amerikanischen Provinz abgetrennt und für eigenständig erklärt wurde, verlagerte sich deren Schwerpunkt immer mehr nach Deutschland. Das Provinzialat wurde 1923 von Santa Maria/Brasilien nach Bruchsal verlegt. Erster Provinzial war P. Wilhelm Rahmacher. Zur Unterscheidung der nunmehr zwei Provinzen auf deutschem Boden wurde 1925 die Limburger Provinz nach der Allerheiligsten Dreifaltigkeit benannt, die Bruchsaler Provinz hieß fortan Herz-Jesu-Provinz. Im Jahr 1929 verlegte diese ihr Provinzialat nach Friedberg bei Augsburg. Von der Herz-Jesu-Provinz gingen Missionare in den Norden Brasiliens und nach Uruguay. Beide Gebiete bilden heute selbständige Einheiten als Provinz bzw. als Regio.

Wirken mit Worten und Taten

Neue Apostolatsfelder - Widerstand im Dritten Reich - Gründung der österreichischen Regio

Auf dem Friedhof des Limburger Missionshauses befindet sich das Grab von P. Richard Henkes. 

Neben der missionarischen Tätigkeit entfalteten beide Pallottinerprovinzen auch in der Heimat ein vielfältiges und reiches apostolisches Wirken: in der Jugendarbeit, in Bildung und Erziehung, im Presseapostolat, bei Exerzitien, in der Pfarr- und Auswandererseelsorge, um nur einige Arbeitsfelder zu nennen. Schüler, Novizen und Studenten der Pallottiner erhielten in den eigenen Nachwuchsschulen, den Ausbildungsbetrieben, den Noviziats- und Studienhäusern sowie an der Theologischen Hochschule in Limburg, ab 1945 in Vallendar und in dem 1961 erbauten Pastoraltheologischen Institut in Friedberg (PthI) eine gediegene Ausbildung.

Die nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945 forderte in beiden Provinzen zahlreiche Opfer. Häuser wurden enteignet, Novizen, Studenten, Brüder und Patres im Krieg verwundet oder getötet. Nicht wenige kamen ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager. 1942 wurde P. Franz Reinisch in Brandenburg hingerichtet, weil er aus religiösen Gründen den Fahneneid auf Adolf Hitler verweigert hatte, als Zeuge für Christus. Sein Seligsprechungsprozess wird angestrebt. Im Konzentrationslager Dachau starb P. Richard Henkes, der sich bei der Pflege von typhuskranken Mitgefangenen mit der tödlichen Krankheit infiziert hatte, als Märtyrer der Nächstenliebe. Das diözesane Erhebungsverfahren für den Seligsprechungsprozess von P. Henkes wurde 2007 in Limburg abgeschlossen.

Weitere Gründungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten von beiden deutschen Provinzen weitere Neugründungen, so in Kanada, in Spanien und in der DDR. Im Jahr 1951 gingen Pallottinermissionare der Herz-Jesu-Provinz nach Indien und errichteten dort eine Mission, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr erfolgreich entwickelte. Heute gibt es in Indien zwei Provinzen und eine Regio. Missionare der Dreifaltigkeitsprovinz kehrten im Jahr 1964 nach Kamerun zurück, von wo die Pallottiner im Ersten Weltkrieg vertrieben worden waren, und legten dort den Grundstein für die heutige Regio Kamerun-Nigeria. Im Jahr 1978 wurde Kroatien zu einer Delegatur der Herz-Jesu-Provinz

Im deutschsprachigen Raum sollte zu den beiden deutschen Provinzen sowie der Schweizer Provinz (1946) eine weitere selbständige Einheit dazu kommen. Die Dreifaltigkeitsprovinz hatte bereits 1924 in Wien die Pfarrei „Maria Königin des Friedens" übernommen und die Herz-Jesu Provinz 1926 in Salzburg das "Johannes Schlößl" auf dem Mönchsberg als Studienheim für ihre Studenten erworben, die von dort aus die Universität besuchten. Aus beiden Teilen wurde 1947 die österreichische Regio „Vom Heiligen Geist" gebildet.

Heiligsprechung Pallottis - Abtrennung des Schönstattwerkes - Eine deutsch-österreichische Provinz

Mit großer Freude und Dankbarkeit feierte die ganze pallottinische Familie die Seligsprechung Vinzenz Pallottis durch Papst Pius XII. 1950 und schließlich 1963 seine Heiligsprechung während des Zweiten Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII. - ein Zeitpunkt mit durchaus symbolischer Bedeutung, denn viele der Ideen des neuen Heiligen wurden vom Konzil aufgenommen und in der Folgezeit in der gesamten Kirche umgesetzt.

Papst Johannes XXIII. erhob Vinzenz Pallotti 1963 während des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Ehre der Altäre.

Ein Ereignis, das viele Pallottiner als schmerzlich empfanden, war die Trennung des Schönstattwerkes von den Pallottinern im Jahr 1964. Der Gründer des Schönstattwerkes, P. Joseph Kentenich, hatte als Spiritual am Studienheim Schönstatt im Oktober 1914  vor Pallottiner-Schülern seine Ideen dargelegt. Ort des Geschehens war die alte St. Michaels-Kapelle im Tal von Schönstatt gewesen. Durch einen Bund mit Maria sollte dieser Ort zu einem geistlichen Mittelpunkt werden. Während des Ersten Weltkriegs hatten die Schüler die Ideen P. Kentenichs verbreitet und andere junge Leute dafür begeistern können. Nach dem Krieg war dann der Apostolische Bund ins Leben gerufen worden, dem nicht mehr nur Pallottiner-Schüler beigetreten waren. In Folge der positiven Entwicklung der Schönstattbewegung war P. Kentenich von der Provinzleitung zu deren Aufbau freigestellt worden. Besonders in seinen Exerzitienkursen hatten er und seine Mitarbeiter sehr viele Menschen erreichen können. Die Limburger Provinz hatte das Schönstattwerk stets als eine zeitgemäße Verwirklichung der Ideen Vinzenz Pallottis betrachtet und es nach Kräften gefördert. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte einerseits ein weiterer Auf- und Ausbau der Bewegung erfolgen können, andererseits waren das Schönstattwerk und sein Gründer zunächst in Konflikt mit der Kirche und dann mit den Pallottinern geraten. Schließlich gingen Schönstatt und die Pallottiner getrennte Wege. Inzwischen ist das Schönstattwerk zu einer weltweit anerkannten kirchlichen Bewegung herangewachsen.

Rückbesinnung auf das Charisma des Gründers

Infolge der vom Zweiten Vatikanischen Konzil angestoßenen Rückbesinnung der Orden und religiösen Gemeinschaften auf das Charisma ihres Gründers  verstärkten die pallottinischen Gemeinschaften, bestehend aus der Priester- und Brüdergemeinschaft, den verschiedenen Schwesterngemeinschaften und zahlreichen Gruppierungen von Laienchristen ihre Anstrengungen zur Erforschung und Verwirklichung der ursprünglichen Gründung Vinzenz Pallottis von 1835. Der Erfolg dieser Bemühungen blieb nicht aus: Am 28. Oktober 2003 errichtete der Päpstliche Rat für die Laien die Vereinigung des Katholischen Apostolates (Unio) als einen öffentlichen internationalen Verein und so können die pallottinischen Gemeinschaften heute in eine hoffnungsfrohe Zukunft blicken.

Seit der Jahrtausendwende ließen die bereits bestehende Kooperation zwischen den pallottinischen Einheiten in Deutschland und in Österreich sowie die rückläufige Zahl der Priester- und Brüderberufe Überlegungen zu einer Zusammenlegung der beiden deutschen Provinzen und der österreichischen Regio reifen, um die Kräfte zu konzentrieren und Synergieeffekte zu schaffen. Am 22.01.2007 erfolgte schließlich der Zusammenschluss der drei Einheiten zur deutsch-österreichischen Pallottinerprovinz. Sie trägt den Namen Herz-Jesu-Provinz.

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