Persönlichkeiten
Pater Heinrich Vieter (1853-1914)
Am Mittwoch, den 18. März 2009, feierte Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Kamerun-Reise in der Basilika "Maria, Königin der Apostel" in Yaoundé zusammen mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Laien und Vertretern anderer christlicher Gemeinschaften eine Vesper. Dabei befand er sich ganz in der Nähe des Grabes von Heinrich Vieter, Pallottiner und erster Bischof von Kamerun. Die Geschichte der katholischen Kirche in diesem Land lässt sich ohne die Verdienste dieses Mannes und seiner Mitbrüder, die damals Pionierarbeit leisteten, nicht erzählen.
Am 13. Februar 1853 im westfälischen Cappenberg geboren, erlernt Heinrich Vieter das Schreinerhandwerk und kommt in seinen Gesellenjahren durch viele Städte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. In Köln lernt er den Gesellenverein Adolf Kolpings kennen, dem er ein Leben lang verbunden bleibt. Über Bern verschlägt es ihn nach Rom. Dort lernt er erstmals die Pallottiner kennen und sein langgehegter Wunsch, Priester zu werden, wird wahr: Nach dem Noviziat im norditalienischen Masio und dem Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom empfängt er am 8. Mai 1887 die Priesterweihe.
Er wird Rektor in Masio, 1889 für ein Jahr Missionsoberer der Pallottiner in Brasilien. Die Propaganda Fide in Rom (heute: Kongregation für die Evangelisierung der Völker) übertrug am 4. März 1890 die Mission in Kamerun als Apostolische Präfektur an die Pallottiner, Heinrich Vieter war der erste Apostolische Präfekt. Am 8. Dezember 1890 weihte er das Land Maria, der Königin der Apostel. Trotz widriger Umstände, trotz Krankheit und ständigem Geld- und Personalmangel gründet er mit seinen Mitbrüdern und den Pallottinerinnen immer neue Missionstationen, um den Menschen in Kamerun Jesus Christus zu verkünden. Nicht ohne Grund nennt man bis heute die Pallottiner in Kamerun die "Väter des Glaubens".
Seele und Motor des Projekts war Pater Heinrich Vieter, der am 22. Januar 1905 im Limburger Dom zum ersten Bischof von Kamerun geweiht wurde. Auch in seinem neuen Amt war er sich nicht zu schade, als Schreiner beim Aufbau der Stationen mitzuarbeiten. Von seinem pastoralen Weitblick zeugt die Synode, die er im September 1905 in der Metropole Duala abhielt. Die Statuten für die Seelsorge in Kamerun wurden dort gemeinsam erarbeitet. Was auffällt, ist sein Blick auf die Mitarbeit der Katechisten und Lehrer, also der Laien. Es ent-spricht ganz und gar der Gedankenwelt Vinzenz Pallottis, dass Kirche nur leben kann, wenn alle Getauften ihrer Verantwortung innerhalb der Kirche gerecht werden.
Von den Strapazen seiner Arbeit, den Firmreisen im Missionsgebiet und den „Betteltouren" durch Deutschland erschöpft war er in großer Sorge um die Zukunft der Mission. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges stirbt er am 7. November 1914 in Yaoundé. Die Lehrer und Katecheten waren die wichtige Brücke zu den französischen und englischen Missionaren. Sie hielten Gottesdienste, hielten das Leben der Gemeinden aufrecht.
Pater Richard Henkes SAC (1900-1944)
Nach langem Warten und vielen Bemühungen in Rom und in Deutschland hat die Römische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen mit Datum vom 13. März 2009 das Bischöfliche Erhebungsverfahren der Limburger Diözese in der Causa P. Richard Henkes als gültig anerkannt. Damit kann nun in Rom der eigentliche Seligsprechungsprozess beginnen. Die Kongregation hat den Namen des Relators benannt, unter dessen Führung die Positio über das Martyrium geschrieben wird.
Richard Henkes wurde am 26. Mai 1900 in Ruppach/Westerwald geboren. Er besuchte das Studienheim der Pallottiner in Vallendar, um Priester zu werden. 1918 wird er kurz zum Kriegsdienst einberufen und macht 1919 das Abitur. Danach trat er bei den Pallottinern in Limburg ein. 1921 legte er die Erste Profess ab, wurde 1925 zum Priester geweiht und war ab 1926 Lehrer in Schönstatt, Alpen und nach einem Jahr Unterbrechung durch eine schwere Lungen-Tbc wieder in Schönstatt. 1931 wurde er als Lehrer nach Katscher in Oberschlesien versetzt und 1937 nach Frankenstein/Schlesien.
Bald wurde die religiöse Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus seine zweite große Berufung. Dieser vertrat eine unchristliche Weltanschauung, bekämpfte die christlichen Kirchen, tötete behinderte Menschen und versuchte, die Juden brutal auszurotten. In dieser Zeit vertrat P. Henkes mutig die Werte des Christentums in der Schule, in zahlreichen Exerzitienkursen für die Jugend und in seinen Predigten. Bereits 1937 wurde er wegen einer Predigt in seiner Heimat angezeigt; wegen einer angeblichen Verunglimpfung des Führers musste er sich 1937/38 einem Prozess am Sondergericht in Breslau stellen, der auf Grund des Amnestiegesetzes nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ohne Urteil blieb. Die Oberen nahmen den gefährdeten Mitbruder 1938 aus dem Schuldienst. P. Henkes arbeitete jetzt als Jugendseelsorger, Exerzitienmeister - vor allem in Branitz - und als bekannter Prediger in ganz Oberschlesien, zuletzt als Pfarrvertreter in Strandorf (1941 bis 1943) im Hultschiner Ländchen. Durch diese Tätigkeiten und seine offene Sprache wurde er den staatlichen Machthabern ein Dorn im Auge. Mehrfach wurde er von der Gestapo vorgeladen und verwarnt.
Am 8. April 1943 wurde Richard Henkes wegen einer Predigt in Branitz von der Gestapo in Ratibor/Oberschlesien verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Dort musste er wie alle anderen Zwangsarbeit leisten. Dabei blieb er im Glauben stark, teilte seine Lebensmittelpakete mit vielen anderen und ermutigte seine Mitgefangenen. Im KZ lernte er den späteren Prager Erzbischof und Kardinal Josef Beran kennen und schätzen. Trotz einer geringen Sprachbegabung erlernte er bei ihm die tschechische Sprache, weil er nach dem Krieg als Seelsorger im Osten bleiben wollte. Ab 1944 arbeitete er als Kantinenwirt und heimlicher Seelsorger auf Block 17, wo viele Tschechen untergebracht waren. Er selbst lebte auf dem Priesterblock 26. Ende 1944 brach im KZ Dachau die zweite große Typhusepidemie aus, auch auf Block 17. Im Wissen um die eigene tödliche Bedrohung ließ P. Henkes sich freiwillig bei den Typhuskranken von Block 17 einschließen. Nach ca. acht Wochen infizierte er sich und innerhalb von fünf Tagen raffte ihn der Tod dahin.
Die deutschen Pallottiner sehen in P. Richard Henkes einen mutigen Kämpfer und Zeugen für den christlichen Glauben und einen Märtyrer der Nächstenliebe. Sie hegen zusammen mit den tschechischen Bischöfen die Hoffnung, dass P. Richard Henkes und der tschechische Erzbischof Josef Beran zu Brückenbauern der Versöhnung zwischen Tschechen, Deutschen und Polen werden, gehören doch die bedeutenden Wirkungsstätten von P. Richard Henkes heute zu Polen und zu Tschechien.
Pater Franz Reinisch (1903-1942)
Franz Reinisch kam am 1. Februar 1903 als zweites Kind einer österreichischen Beamtenfamilie in Feldkirch zur Welt. Er besuchte eine Franziskanerschule. Zunächst studierte er Jura in Innsbruck und Gerichtsmedizin in Kiel. In Kiel fasste er den Entschluss, Priester zu werden. 1923 begann er das Studium der Theologie und Philosophie. Zwei Jahre später trat er in das Priesterseminar in Brixen ein. Dort schloss er rasch Freundschaft mit dem Pallottinerpater Richard Weik genannt SAC. Über ihn kam er nach seiner Priesterweihe 1928 zu den Pallottinern.
Am 3. November 1928 trat er in das Noviziat in Untermerzbach ein. Nach seiner Profess wirkte er als Lektor der Philosophie in Untermerzbach und in der Jugenderziehung in Augsburg. Dort lernte er die Bewegung von Schönstatt mit ihrer warmherzigen Marienverehrung und ihrem von Vinzenz Pallotti her kommenden missionarischen Schwung kennen. P. Reinisch war sehr angetan von dem was er aus Texten erfuhr und bei seinem ersten Besuch in Schönstatt erlebte.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam eine neue Herausforderung in P. Reinischs Leben als Mensch und Priester. Er bezog klar Stellung gegen deren menschenverachtende Ideologie und suchte in seinen Predigten und Vorträgen die Konfrontation mit den Machthabern. 1940 wurde er daher von der Gestapo mit einem Predigt- und Redeverbot für das Gebiet des gesamten Deutschen Reiches belegt. Als er am 7. April 1942 die Einberufung zur Wehrmacht erhält, steht sein Entschluss fest: Er wird auf Adolf Hitler keinen Eid ablegen.
Er ging ganz bewusst zu spät zu seiner Einberufung, verweigerte den Fahneneid, kam in Haft und wurde vor das Reichskriegsgericht gestellt. Wegen "Zersetzung der Wehrkraft" wurde P. Reinisch zum Tode verurteilt und am 21. August 1942 mit dem Fallbeil hingerichtet. P. Franz Reinisch war ein Mensch, "der immer auf´s Ganze geht", wie er dem Wehrmachtspfarrer im Gefängnis lächelnd gestand. In seinem Kampf für seinen Glauben und gegen die Unrechtsherrschaft der Nationalsozialisten war er bereit, auch den eigenen Tod in Kauf zu nehmen. Der Seligsprechungsprozess für P. Reinisch wird vorbereitet.
Pater Josef Stanek SAC (1916-1944)
Geboren am 04. Dezember 1916 in Lapsze Nizne, Erzdiözese Krakau, besucht Josef Stanek das Pallottiner-Gymnasium in Wadowice. Der Junge aus gläubigem Elternhaus will Priester werden. Am 15. August 1937 legt er seine Erste Profess ab. Nach dem Studium in Oltarzew wird er am 7. April 1941 in der Kathedrale von Warschau zum Priester geweiht. Am 13. April gelingt es ihm, seine Primizmesse in der Heimat zu feiern. Er studiert nun Soziologie an der Warschauer Universität, die wegen der deutschen Besatzung im Untergrund arbeitet.
Am 01. August 1944 bricht der Warschauer Aufstand aus. P. Stanek ist noch als Krankenhausseelsorger tätig, wird aber bereits in der zweiten Augusthälfte zum Militärgeistlichen im Stadtteil Czerniakow ernannt, näherhin zum Seelsorger der Gruppe „Kryska". Diese kämpft für ein unabhängiges Polen. P. Stanek, er arbeitet unter dem Decknamen „Rudy" (Rotschopf), feiert Eucharistie, hört Beichte, bereitet Menschen auf den Tod vor, rettet Verwundete und Verschüttete, richtet Gebrochene auf, betet für Verstorbene und Gefallene. Augenzeugen berichten von seinem außergewöhnlichen Mut und seinem großen Eifer. Viele Menschen verdanken ihm ihr Leben. P. Stanek lehnt es ab, sich über die Weichsel vor den Nazis zu retten. Er will das Los der Soldaten und der Zivilbevölkerung teilen, die am linken Ufer zurückbleiben müssen.
Als die Verteidigung von Czerniakow zusammenbricht, gerät P. Stanek in die Hände der SS. Er wird besonders brutal behandelt, wusste man doch, dass er es war, der den Aufständischen empfohlen hatte, ihre Waffen wegzuwerfen. Polen, die mit Waffe entdeckt wurden, wurden sofort erschossen, die Waffen eingezogen. Ein Augenzeuge berichtet von dem Nazigeschrei: „Schlimmer als die Engländer und die Juden sind diese Schwarzröcke. Sie sind wahre Teufel."
P. Stanek segnet die Menschen, als er am 23. September 1944 unter dem Galgen steht. Er trägt den Pallottinerhabit. Er ist gefasst. Soldaten und Zivilisten werden auf ihrem Weg in die Gefangenschaft vorbeigeführt, um ihnen „den größten Banditen des Aufstandes" zu zeigen. Zwei Monate vor seinem 28. Geburtstag stirbt der junge Pallottiner, dessen Ausstrahlung, dessen Hoffnung, dessen priesterlichen Eifer, dessen Liebe zur Heimat die Überlebenden des Warschauer Aufstandes niemals vergaßen. Und sie besuchen sein Grab auf dem Warschauer Militärfriedhof, wo auch andere Aufständische aus der Truppe „Kryska" begraben sind, die in der Zeit des Kommunismus gern verschwiegen wurde. P. Josef Stanek SAC wurde am 13. Juni 1999 von Papst Johannes Paul II selig gesprochen.
Pater Josef Jankowski SAC (1910-1941)
Am 17. November 1910 in Czyczkowy (Pommern), Diözese Pelplin, geboren, spürte der zweite Sohn von acht Kindern schon sehr früh den Ruh, Priester zu werden. Er ging ins Pallottiner-Gymnasium in Suchary, dann an das „Collegium Marianum" in Wadowice. Das Gebäude beherbergt heute das Noviziat der Warschauer Pallottiner-Provinz. Am 15. August 1931 legt Josef Jankowski seine Erste Profess ab, am 02. August 1936 erhält er in Suchary die Priesterweihe.
P. Jankowski ist ein frommer Mann. Von ihm ist das Wort überliefert: „Ich halte die Augenblicke für die glücklichsten in meinem Leben, die ich in herzlichem Gebet verbrachte, in unmittelbarem Umgang mit Gott." Diesen vertrauten Umgang mit Gott will er den Menschen vermitteln; darum ist er Seelsorger. Als Religionslehrer wirkt er in der Pfarrei, die zur Kirche der Pallottiner-Hochschule in Oltarzew, nahe Warschau, gehört. Er ist Sekretär eines Kinderhilfe-Komitees, betreut eine eucharistische Bruderschaft und kümmert sich zeitweise auch noch um die Postulanten der Gemeinschaft. Beeindruckt von der Persönlichkeit der hl. Theresia von Lisieux, will er besonders junge Menschen für deren „Kleinen Weg" gewinnen. Der Priester ist sein kurzes Leben lang immer auch Seelsorger seiner eigenen Familie, wovon eine reiche Korrespondenz zeugt.
In den ersten Kriegstagen des Jahres 1939 ist P. Jankowski Seelsorger für Soldaten und Zivilbevölkerung. Den Argwohn der deutschen Besatzung zieht er als Verwalter der Hochschule von Oltarzew auf sich. Am 16. Mai 1941 wird er zusammen mit anderen Mitbrüdern verhaftet und stundenlang verhört. Bewusst lenkt er die Aufmerksamkeit auf sich, um andere zu retten. Nach zwei Wochen im berüchtigten Warschauer Gefängnis „Pawiak" wird er, von Folterspuren gezeichnet, in das Vernichtungslager Auschwitz verfrachtet. Priester sind hier besonders Erniedrigungen der Lageraufsicht ausgesetzt. P. Jankowski muss schwer arbeiten. Der Hunger und die Torturen machen ihm sehr zu schaffen. Trotz allem bewahrte er eine ruhige Haltung, die wohl auf seinen tiefen Glauben, seine eucharistische Frömmigkeit und sein Vertrauen in Maria, die Königin der Apostel, zurückzuführen ist. Es heißt, dass sogar seine Peiniger in Pawiak und Auschwitz von dieser Haltung beeindruckt waren. Bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen - wie Augenzeugen berichten -, starb er am 16. Oktober 1941. Er war 31 Jahre alt.
Bereits 1947 sprach sich das Generalkapitel der Pallottiner für die Seligsprechung von P. Josef Jankowski aus angesichts seines Lebens, seines apostolischen Eifers und seiner Treue in der Nachfolge Christi bis zum Martyrium. P. Josef Jankowski SAC wurde am 13. Juni 1999 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Elisabetta Sanna (1788-1857)
Das Gedenken an Elisabetta Sanna wird in der pallottinischen Welt eher stiefmütterlich behandelt; doch in der Zentrale Rom, näherhin in San Salvatore in Onda, findet es große Beachtung. Und natürlich in Sardinien. Hier wurde sie am 24. April 1788 in dem kleinen Dorf Codrongianus geboren. Von hier aus war Elisabeth Sanna schon als Kind gerne ins nahe Saccargia, einer der bedeutendsten Marienwallfahrtorte Sardiniens, gepilgert. Anliegen hatte sie genug. Eine falsche Behandlung hatte dazu geführt, dass sie seit Kindertagen die Lähmung ihrer Arme ertragen musste. Gerne wäre sie ins Kloster gegangen. Doch das wollten die Eltern nicht. Die Leute im Dorf spotteten, dass die Behinderte doch wohl nicht an Ehe und Familie denken könne.
Weit gefehlt. Im Oktober 1807 heirateten Elisabetta Sanna und Antonio Porcu. Das Paar bekam sieben Kinder, von denen zwei kurz nach der Geburt starben. 1825 stirbt überraschend Antonio. Jetzt muss die Witwe die Erziehung und die Last des kleinen Bauernhofes alleine tragen. Dabei ist sie nicht ungeschickt und kann sogar immer wieder etwas in den Sparstrumpf zurück legen. Böse Zungen behaupten, auf diesen habe es der quirlige Kaplan Giuseppe Valle abgesehen gehabt. Die Leute mochten den jungen Priester, der so wunderbar über die Heimat Jesu predigen konnte. Er schilderte Bethlehem, Nazareth und Jerusalem so als wäre er schon dort gewesen. Sein großer Wunsch war es, einmal dorthin zu pilgern. Davon erzählte er immer wieder seinem treuen „Beichtkind" Elisabetta. Bis sie Feuer fing.
„Das Ganze ist eine merkwürdige Geschichte. Man scheut sich fast, sie zu erzählen", schreibt P. Erwin Helmle in seinem Sanna-Büchlein. Hals über Kopf verlässt die Frau zusammen mit Don Giuseppe das Heimatdorf und schifft sich nach Genua ein. Die Kinder anvertraut sie ihrem Bruder, der Priester ist. Das seltsame Paar hatte wohl gedacht, in ein paar Monaten zurück zu sein. Doch schon in Genua begannen die Schwierigkeiten. Elisabetta war durch den Sturm der Überfahrt schwer erkrankt, wovon sie sich niemals mehr recht erholen sollte.
Schlimmer noch. Sie hatten keine Reisedokumente. Es vergingen Wochen. Das Portemonnaie wurde dünner. Schließlich einigte man sich, nach Rom statt nach Jerusalem zu pilgern. In einer kleinen Kammer nahe St. Peter fand Elisabeth eine Unterkunft, die mit der Zeit gleichsam Pilgerstätte für viele Ratsuchende wurde. Sie selbst wurde zunächst einmal immer kranker. War es das Heimweh, war es eine Art schlechtes Gewissen? Vor allem wurde sie immer ratloser und dadurch verwirrt, dass sie bei den Priestern, denen sie sich anvertraute, sehr unterschiedlichen Rat fand. Das war sie so nicht gewohnt. Erst die Begegnung mit Vinzenz Pallotti brachte sie zur Ruhe. Der hatte sie ermutigt, sich ärztlichen Rat einzuholen. Die Mediziner befanden, eine Heimreise überlebe sie nicht.
So blieb die seltsame Frau, die nur sardischen Dialekt sprach, in Rom. „Die Heilige von St. Peter", wie man sie bald nannte, weil sie täglich von der Frühe bis zum frühen Nachmittag betend in der Peterskirche weilte, fand in den Apostolatskreis um Pallotti und wurde eines der ersten Mitglieder der Vereinigung des Katholischen Apostolates. So gut es ging kümmerte sie sich um Alte und Kranke und half der Pallotti-Gemeinschaft tatkräftig.
Das Bildnis der „Mächtigen Jungfrau", das in ihrer Kammer geradezu zum Wallfahrtsort wurde, vor dem sie oft und oft das „Unter deinem Schutz und Schirm" betete, schenkte die Sanna der Kirche San Salvatore in Onda. In dieser Kirche wollte sie auch begraben sein. Das gestattete man, nachdem sie am 17. Februar 1857 verstarb, also vor 150 Jahren. Eine große Menschenmenge geleitete den Leichenzug von Sankt Peter nach San Salvatore.
Trotz ihres merkwürdigen Lebensweges wurde die Frömmigkeit, die „heilige Einfalt" und der gute Rat der Elisabetta Sanna nie vergessen. Weder auf Sardinien noch in Rom. Darum verwundert es nicht, dass schon früh ihr Seligsprechungsprozess eingeleitet wurde und Papst Leo XIII. ihr den Titel „Dienerin Gottes" gab. P. Jan Korycki kümmert sich seitens der Pallottiner um die Causa Sanna. An jedem 17. des Monats feiert er in San Salvatore eine besondere Hl. Messe. Oft sind Gäste aus Sardinien dabei.
Fünf Märtyrer aus Argentinien
Im Pfarrhaus San Patricio in Buenos Aires ist rechts vom Eingang eine Gedächtniskapelle für die fünf ermordeten Pallottiner P. Alfredo Leaden, P. Pedro Dufau, P. Alfredo Kelly, Salvador Barbeito und Emilo Barletti eingerichtet. Sie bildeten eine Gruppe des Widerstandes gegen die damalige Militärregierung und standen, wie aus den Unterlagen hervorgeht unter ständiger Beobachtung.
Am Morgen des 4. Juli 1976 wurden sie tot aufgefunden. An der Rückwand des Altars hängt ein roter Teppich, zerschlissen und von Pistolenkugeln durchlöchert. Der Teppich lag im Fernsehraum darauf die Leichen der Toten mit dem Gesicht zu Boden. Besonderes Aufsehen erregte der Pfarrer Alfredo Kelly, der durch mutige Predigten gegen die Willkür der damals herrschenden Militärs protestierte. Seine letzte Predigt erlangte sprichwörtliche Bedeutung. Sie wurde vom Volk die Predigt von den „Kukuratschas" - eine besonders häßliche Küchenschabe, die im Müll wühlt - genannt.
Es war bekannt, dass das Militärregime damals vor nichts zurückschreckte und selbst die Nachlassenschaft ihrer Opfer als Beute verteilte und ihre Kinder, die in den Gefängnissen geboren wurden, nach Gutdünken zur Adoption freigaben. Heute haben sie sich in Gerichtsprozessen dafür zu verantworten.
Pater Kelly stellte unmissverständlich klar, dass er solche Menschen nicht als Pfarrkinder betrachten könne, sie seien Kukuratschas. Und er kannte seine Pfarrei. Er wusste auch, dass er mit seinem Handeln bis zum Äußersten gegangen war und was er schlimmstenfalls zu erwarten hatte. Sein Tagebuch gibt Zeugnis davon. Am Sonntagmorgen öffneten sich die Türen der Kirche nicht. Die Menschen warteten bis der Organist kam, nur dieser wusste hineinzukommen. Die einzige Auskunft, die er geben konnte: „Sie haben sie alle umgebracht."
Dreißig Jahre später hielt Kardinal Bergoglio den Gedächtnisgottesdienst. Er sagte: „Sie haben euch alle möglichen Etiketten angehängt, um die Menschen zu verwirren. Ich aber weiß, worum es Alfi ging. Ich bin Zeuge seines Herzen. Ich war damals sein Beichtvater." Wenig später reichte er in Rom die Bitte um die Seligsprechung ein.
Die beiden argentinischen Regisseure Juan Pablo Young und Pablo Zubizarreta haben nach sorgfältigen Recherchen einen Dokumentarfilm gedreht, der dieses Verbrechen rekonstruiert und das Glaubenszeugnis der Pallottiner darstellt. Die neuen Erkenntnisse stehen im absoluten Widerspruch zu der allgemein angenommenen These, die Kirche habe versagt und eigentlich auf der Seite der Militärdiktatur gestanden.
Ausschnitte des Dokumentarfilms "4 de Julio - La Masacre de San Patricio" sind unter http://www.youtube.com/watch?v=j4Zowm97k9o zugänglich. Beim Dokumentar-Filmfest Madrid (Mai 2008) hat er den Preis von SIGNIS erhalten. Der Film lief am 32. Jahrestag des Massakers in Argentinien im regulären Kinoprogramm an.
Br. Paul Krawczewicz SAC (1907-1945)
Geboren am 20. August 1907 in Bochum, Erzdiözese Köln. Seine Eltern waren Wladislav und Jadwiga Ryszewski. In die Gemeinschaft der Pallottiner trat er als Bruderkandidat am 20. September 1926 in Suchary (Polen) ein. Nach Postulat und Noviziat legte er am 31. März 1929 die erste und am 31. August 1932 die ewige Profess ab. Viele Jahre arbeitete Br. Paul in der Druckerei und im Buchladen der Pallottiner. Er war sehr gewissenhaft und fromm. Eifrig erfüllte er seine Aufgaben. Während des zweiten Weltkrieges im Jahr 1942 fasste er eine unglaubliche Entscheidung. Er meldete sich freiwillig zu einem Transport mit polnischen Zwangsarbeiter nach Deutschland, um ihnen moralische, religiöse und materielle Hilfe zu leisten.
Als seine Aktion von den Nazis entdeckt wurde, wurde er am 29 April 1944 durch die Gestapo verhaftet, brutal gepeinigt und anschließend in das KZ Buchenwald gebracht. Von dort aus kam er in das Zwangsarbeiterlager in Ohrdruf (Thüringern). Abgemagert durch Hunger, schwere Arbeit und Folter, erkrankte er an Tuberkulose und nach zwei Wochen in der Isolation starb er am 11. März 1945. Seine Leiche wurde wahrscheinlich zunächst in der Nähe von Ohrdruf begraben, dann aber kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner verbrannt.
Bruder Paul hat, wie die Zeugen berichten, bis zum Schluss seine positive Einstellung, die aus tiefem Glauben und ständigem Gebet her ruhte, bewahrt. Er bereute nie seine mutige Entscheidung, freiwillig den polnischen Zwangsarbeitern in ihrer Not beizustehen.
Ein Mithäftling, der Priester Andrzej Bardecki, erinnert sich an Bruder Paul: „Ich denke, dass ein Mensch, der für Gott bewusst den Tod auf sich nimmt und stirbt, ein Märtyrer ist" (A. Bardecki, Brief vom 19. Nov. 1946, Provinzarchiv, SAC, Warschau).
Bruder Paul war 37 Jahre alt und 16 Jahre Mitglied der Gesellschaft des Katholischen Apostolates (Pallottiner). Unter seinen Mithäftlingen und Mitbrüdern genoss er den Ruf der Heiligkeit. Er war ein außergewöhnliches Vorbild heroischer Liebe für alle Christen, besonders für seine Mitbrüder. Entsprechend dem Evangelium gab er sein Leben für seine Brüder, freiwillig und mit voller Hingabe im Geist des Glaubens. Er ist ein Beispiel wie man im alltäglichen Leben und in Situationen höchsten Opfers den Weg der Heiligkeit gehen soll.
Weitere Aktionen
29.11.-05.12.2010
Kontemplative Exerzitien für Geübte in Hofstetten
28.10.-01.11.2010
















