Der heilige Vinzenz Pallotti (1795-1850) lebte und arbeitete für eine große Vision. Sein Apostolat galt dem Heil aller Menschen, das für ihn allein in Gott zu finden war. Dafür setzte Pallotti finanzielle und geistige Mittel ein. Und weil ihm durchaus bewusst war, dass er das nicht allein tun konnte, suchte er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Ordensleute, Diözesanpriester und Christen, die in der Welt einem Beruf nachgingen und in Familien lebten. Dazu gründete er einige Jahre später eine eigene Priester- und Brüdergemeinschaft – die Pallottiner –, die sich in besonderer Weise für sein Werk einsetzen sollte.
Doch was bedeutet es konkret, als Pater oder Bruder in der pallottinischen Gemeinschaft zu leben? Das Bild vom Leib mit seinen vielen Gliedern verdeutlicht es. Wie jedes Organ nicht für sich allein leben und nicht durch ein anderes ersetzt werden kann, hat jeder Mitbruder seine unverwechselbare Würde und eigene Aufgabe zum Wohl des Ganzen.
Einzigartig durch seine Charismen und Fähigkeiten lebt jeder seinen spezifischen Beruf in persönlicher Verantwortung aus dem Glauben an Gott. Zusammenarbeit war für unseren Stifter ein Kennzeichen unserer Gemeinschaft, das sich nicht im Nebeneinander, sondern im Miteinander beweisen muss. Gemeinsam lassen sich die meisten Aufgaben besser bewältigen.
Ein konkretes Beispiel des konkreten Zusammenspiels erleben wir seit einigen Jahren bei unseren Ayurveda-Kursen. Dabei soll den Menschen bewusst gemacht werden, dass Leib, Geist und Seele eine Einheit bilden. Br. Maiko sieht seine Aufgabe als Koch darin, Rezepte zu verwenden, in denen er auf Erfahrungen aus Indien ebenso zurückgreift wie auf die hl. Hildegard. Seine Menüs sind ausgewogen, gesund und heilsam. Damit sorgt er für das Wohlbefinden des Leibes, das für ein Gelingen des Kurses unabdingbar ist. Der Priester macht religiöse Angebote: Gottesdienst, Meditation und Aussprachen.
Die Lehre der hl. Hildegard und das ayurvedische Wissen ergänzen sich, weil beide das Leben als ganzheitlich, als eine Einheit von Körper, Geist und Seele begreifen. An diesem Beispiel wird deutlich wie Priester und Bruder in seinem je eigenen Beruf sich selbstbewusst mit ihrem Können und ihren Fähigkeiten gegenseitig unterstützen, stärken und ermutigen – und gemeinsam zum Heil der Menschen wirken.
Wir Pallottiner sind als Priester und als Brüder heute in vielen Bereichen gefragt und apostolisch tätig. Wir dienen auf vielfältige Weise dem Heil der Menschen, indem wir – wie es unser Stifter formuliert hat: Den Glauben verkünden und die Liebe entzünden. Grundlage für unsere Priester - und Brüdergemeinschaft ist der Glaube an den dreieinigen Gott, der selbst Gemeinschaft in Liebe ist.
Der Wahlspruch unserer Gemeinschaft ist das Pauluswort: „Caritas Christi urget nos – die Liebe Christi drängt uns“. Weil Gott uns Menschen in Jesus als Bruder begegnet, sehen wir Pallottiner es als unseren Auftrag Jesus nachzufolgen, dem Nächsten Bruder zu werden, wo immer es von uns erwartet wird. Offen sein für die Herausforderungen der Zeit, in der wir leben und arbeiten, um mit Phantasie und Gottvertrauen Neues zu wagen, um für das, was die Zukunft bereithält, eine Antwort aus unserer apostolischen Verantwortung heraus zu geben, die dem Heil aller dient.