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Spirituelle Angebote

Warum soll man neben den kirchlichen Gottesdienstangeboten und sakramentalen Feiern noch zusätzliche „spirituelle Angebote" machen? Offenbar ist der Wunsch vieler Menschen nach spirituellen Angeboten auch ein Ausdruck des Mangels: Die Krise, in der sich die Kirche seit geraumer Zeit befindet, hat wohl mit der Tatsache zu tun, dass der mystische Schatz der kirchlichen Tradition in Vergessenheit geraten ist. Immer mehr Menschen wenden sich auf der Suche nach Sinndeutung von der Kirche ab. Der Einfluss der institutionalisierten Religion lässt spürbar nach, während eine ganz neue religiöse Sensibilität an den Rändern oder außerhalb der verfassten Kirchen erwacht. 

Dass gerade auch im Herzen der Kirche selbst, dieser mystische Schatz immer noch lebendig ist und je neu lebendig werden will, dazu tragen in großem Maße die verschiedenen spirituellen Angebote der religiösen Gemeinschaften bei. Das besondere Kennzeichen pallottinisch-spiritueller Angebote soll deshalb im folgenden kurz beschrieben werden:

Die Spiritualität der Pallottiner ruht schöpfungstheologisch auf der Grunderfahrung auf, dass Gott die unendliche Liebe ist und dass dieser unendlich liebende Gott den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat. Dies ermöglicht eine befreiende und prophetisch-grenzüberschreitende Spiritualität, Glaubenshaltung und Glaubensgestaltung. Das Gottesbild eines unendlich liebenden Gottes macht es uns zur Aufgabe, Menschen mit dieser befreienden Erfahrung Gottes  in Verbindung zu bringen.

Das Menschenbild ist deshalb wesentlich geprägt von dem Gedanken, dass der Mensch ein Abbild Gottes ist (Genesis 1,26). Diese Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen hat zur Konsequenz, dass die Befähigung (charisma) jedes einzelnen Menschen wertgeschätzt und gefördert werden soll. Es gilt, die Fähigkeiten/Talente/Charismen als Geschenk und Auftrag für den Aufbau des Reiches Gottes zu begreifen. Vielfalt, Lebendigkeit und Buntheit sind die Folge. Sie sind ein Schatz für die Kirche und für die Welt in die wir als Menschen gesandt sind.

Aus diesem Gottes- und Menschenbild erschließt sich ein dynamisches Kirchenbild. Es ist im Wesentlichen charismatisch und apostolisch, das heißt, es will Menschen eine Grunderfahrung vom lebendigen Gott und von lebendiger christlicher Gemeinschaft ermöglichen; er will sie befähigen, ihre Charismen anzunehmen bzw. zu entdecken und zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen einzusetzen. So erfährt der Mensch als Berufener und Gesandter Erfüllung und Lebenssinn.

Ein weiteres Merkmal ist die Erfahrung, dass wir mit vereinten Kräften mehr erreichen, als über vereinzelte Aktionen. Das Gute, das gemeinsam getan wird, ist wirkungsvoller und gesegneter. Deswegen werden lebendige Zellen und Gruppen gefördert, die Kirche von innen her lebendig halten. Dieser Spiritualität liegt eine emanzipatorische, synodale Struktur von Kirche näher als eine ausschließlich hierarchische, pyramidale. Sie ist folglich gemeinschaftsstiftend. Diese Gemeinschaft ist geprägt von der „Einheit in Verschiedenheit". Das Zusammenwirken verschiedener Menschen, verschiedener Berufsgruppen, Orden und Religiösen Gemeinschaften in ihren verschiedenen Begabungen soll initiiert, gefördert und gestaltet werden, zum Aufbau des Reiches Gottes. Als Gemeinschaft Apostolischen Lebens stehen die Pallottiner gewissermaßen vermittelnd zwischen Laien, Ordensleuten und Weltklerus in Kirche und Welt.

Das Einigende in dieser Vielfalt ist die Liebe Gottes. Sie wird sichtbar in der Erfahrung von kirchlicher Gemeinschaft (Jesus Christus: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."). Diese Spiritualität will Modell für solch eine charismatische Kirche sein, ein prophetisches Zeichen: „So kann Kirche sein - So soll Kirche sein!"

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