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Forschung & Lehre

Katholische Hochschule und Pastoraltheologisches Institut

Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV)

Nach wie vor orientieren wir uns am Auftrag unseres Gründers, allen Katholiken ihre apostolische Verantwortung bewusst zu machen und sie für das universale Apostolat zu befähigen. Das „Tun der Wahrheit in Liebe" (vgl. Eph 4,15) ist deshalb Impuls und Imperativ der Theologie und der Pflegewissenschaft, die beiden Fakultäten unserer Hochschule. Die PTHV versteht sich als wissenschaftliche Institution, in der das Miteinander von Glaube und Leben, von Bekenntnis und Zeugnis, von Pastoral und Diakonie reflektiert und der Theorie und Praxis gleichermaßen zugute kommt. Hier sollen Führungskräfte herangebildet werden, die in ihrem kirchlichen wie beruflichen Umfeld wie „Apostel" wirken. Dieser „apostolische" Impetus prägt die Theologie wie auch die Pflegewissenschaft. Die PTHV versteht den Aufbau der Pflegewissenschaftlichen Fakultät als eine Verwirklichung ihres Apostolatsauftrags und zugleich als Beitrag zur Ergänzung der katholischen und staatlichen Bildungslandschaft im Pflegebereich.

Bereits im Jahr 1892 erhielten wir Pallottiner im Gegenzug zur Bereitschaft, Missionare in die damals deutsche Kolonie Kamerun zu senden, von der Preußischen Regierung die Erlaubnis, in Deutschland Niederlassungen zu gründen und Missionare auszubilden. Damit war die Erlaubnis eingeschlossen, eine philosophisch-theologische Bildungsstätte zu errichten. Die Pallottiner eröffneten diese Bildungsstätte 1896 und siedelten sie nach einem einjährigen Provisorium in Koblenz-Ehrenbreitstein für ein halbes Jahrhundert in Limburg an, wo ein großes Missionshaus neu gebaut worden war. Unmittelbar nach dem Krieg, noch im Jahr 1945, hat sich die Provinzleitung entschieden, die Theologische Hochschule nach Vallendar zu verlegen.

Bis in die 1960er Jahre wurden an unserer Hochschule nur Pallottiner ausgebildet. In den 1970er Jahren wurde der Bildungsauftrag von Priesteramtskandidaten auf Laientheologen ausgedehnt. 1979 erhielt die Hochschule die staatliche Anerkennung als wissenschaftliche Hochschule in freier Trägerschaft für den „Diplomstudiengang im Fach Katholische Theologie". Durch Dekret der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vom 7. Oktober 1993 wurde die Hochschule zur Fakultät mit den Abschlüssen Diplom, Lizentiat, Promotion und Habilitation (1996) erhoben. Die Hochschule führt seitdem den Namen: Philosophisch-Theologische Hochschule der Gesellschaft des Katholischen Apostolates (Pallottiner), abgekürzt: PTHV. Durch den Vertrag vom 12. Oktober 2005 zwischen der Vinzenz Pallotti gGmbH Friedberg und der St. Elisabeth gGmbH Waldbreitbach wurden beide zu Gesellschaftern der PTHV gGmbH. Beide Gesellschafter kamen überein, in der Hochschule eine Fakultät der Pflegewissenschaft zu gründen.

Im Wintersemester 2006 begannen die ersten Studierenden ihr Studium zum "Master of Science Pflegewissenschaft". Im Frühjahr 2008 startete das Promotionsprogramm, in dem studierte Pflegekräfte ihre Doktorarbeiten anfertigen können. Die promovierten Absolventen sollen dann insbesondere in der Forschung, Entwicklung, Beratung und der wissenschaftlichen Lehre im Pflege- und Gesundheitsbereich eingesetzt werden können. Nach der Genehmigung der neuen Grundordnung durch die römische Bildungskongregation, die Diözese Trier sowie das Wissenschaftsministerium in Mainz konnte der Großkanzler der Hochschule, Generalrektor P. Fritz Kretz, die Hochschule mit nunmehr zwei Fakultäten als "Katholische Universität" errichten.

Pastoraltheologisches Institut (PthI)

Zur Geschichte

Das Pastoraltheologische Institut (PthI) existiert seit dem Jahr 1961. Es vermittelt Diakonen und Jungpriestern der deutschsprachigen Pallottiner und anderer religiöser Gemeinschaften und Orden die pastoraltheologische Ausbildung und Formation. Seit der Inkraftsetzung der Rahmenordnung für die Priesterausbildung in den deutschen Diözesen im März 1978 führt das Institut die zweite Bildungsphase, d.h. den einjährigen Pastorallehrgang und die weitere Einführung in die Seelsorge bis zur Abschlussprüfung (Pfarrexamen) im fünften Jahr durch. Die Erfahrung der eigenen seelsorgerlichen Unbeholfenheit war für den Pallottinerpater Dr. Alfons Fehringer der Auslöser, ein solches Institut zur Ausbildung und Begleitung von Ordenspriestern zu gründen. Als junger Priester zum Spezialstudium nach Paris geschickt, stand er eines Tages hilflos am Bett eines Sterbenden. Seine Sprachlosigkeit in dieser existenziellen pastoralen Situation bewegte ihn zu diesem wegweisenden Schritt.

Für die damalige Zeit war diese Art der Berufseinführung von Ordenspriestern ein Novum. Die Notwendigkeit von praktischen Kompetenzen in der Seelsorge mit dem Ziel, Seel-Sorge als ganzheitliche Begleitung für den Menschen zu begreifen und jenseits der akademischen Wirklichkeit in den konkreten Lebenssituationen pastoral zu handeln, erforderte ein neues Programm für Formation. Seit der Gründung vor fast fünfzig Jahren schickten neben den Pallottinern rund zwanzig Orden und religiöse Gemeinschaften ihre Mitbrüder zur pastoralpraktischen Ausbildung an das PthI. Das Institut verstand sich von Anfang an als ein Ort, der für alle Ordens- und geistlichen Gemeinschaften offen steht. Insgesamt sind in den fünf Studienjahren momentan ca. 80 Mitbrüder am PthI in Ausbildung.  

Zur Grundidee

Grundlage für die inhaltlichen Themen (Module) der Formation am PthI ist die aktuelle Rahmenordnung der deutschen Bischofskonferenz für die Priesterausbildung vom 1. Januar 2004 der Maßstab. Formation in dieser sogenannten „Zweiten Bildungsphase" - nach Abschluss des Theologiestudiums und Diakonenweihe -, bedeutet zunächst einmal, dass die Seelsorger im ersten Jahr der insgesamt fünfjährigen Ausbildung in die aktuelle Situation der Gemeindepastoral hineinwachsen. Der flankierende pastoraltheologische Rahmen während der gesamten fünfjährigen Ausbildung ist die klassische Trias der Grundfunktionen der Kirche: Leiturgia, Diakonia, Martyria (erweitert und ergänzt durch die zwei weiteren Zuordnungen Prophetia und Koinonia). Im aktuellen Studienjahr 2009 liegt der Schwerpunkt auf der Diakonia. Die regelmäßigen Theorieeinheiten, Intensivkurse, Seminartage dienen der Praxisbegleitung und Reflexion. Summa Summarum verbringen die Teilnehmer im ersten Jahr acht bis neun Wochen am Pastoraltheologischen Institut.

Zuerst als Diakone, dann als Neupriester machen die Teilnehmer des Pastoraltheologischen Studienjahres in Pfarreien ihre oftmals ersten pastoral-praktischen Erfahrungen nach dem Theologiestudium. Dabei lässt sich deren Perspektive aus Sicht des PthI in den ersten vierzehn Monaten wie folgt zusammenfassen: Pastoralpraktikanten sind nicht nur als Volontäre zu betrachten, sondern bereits in echte Verantwortung zu nehmen. Predigen, Gottesdienste feiern, Religionsunterricht halten, Projekte für die Jugendarbeit entwickeln, Kranke betreuen und Familien begleiten. Sie sollen dabei lernen, auf der kompletten Klaviatur der Gemeindepastoral zu spielen.  Dabei wird aber eine Anpassung der Gemeindepastoral an die veränderten Bedingungen immer notwendiger. Es finden Paradigmenwechsel und Umbrüche in den Gemeinden statt. Die Sinus-Milieustudie belegt, dass kirchliche und gesellschaftliche Lebenswelten immer mehr auseinanderklaffen. Deswegen ist es dem Pastoraltheologischen Institut ein Anliegen, neue Wege zu suchen, die Diakone und Neupriester mit den verschiedenen Lebenswelten in den Gemeinden vor Ort in Kontakt zu bringen. Unser Alltag als Ordensleute und Priester konzentriert sich oftmals zu sehr auf die Kirche, die Gemeinde, die Kommunität und ihre Aufgaben. Da sich das Leben, der Alltag der Menschen, auf ganz andere Fragen konzentriert und in Bahnen bewegt, in denen Kirche und Gott eher selten vorkommt, ist die Gefahr einer schleichenden religiösen Entfremdung den Lebenswelten systemimmanent. Das Konzil hat das erstmals in den Blick genommen und Pastoral und Seelsorge bekanntermaßen ganz neu beschrieben: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi". Seelsorge beginnt also damit, die alltäglichen Bekümmernisse und Bewegtheiten der Menschen vor Ort zu teilen. Das Pastorale Einführungsjahr soll dafür genug Raum schaffen. Er soll als Hilfe und Möglichkeitshorizont für alle Beteiligten entsprechend strukturiert werden. In Absprache mit den Praktikumspfarrern werden (wo möglich) Räume für folgende Alltagspraktika geschaffen:

Schule, Kindergarten, Altenheim, Krankenhaus, Sozialstation, Standesamt, Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Sozialberatung, Einzelhandel, Industrie, Arbeitsamt, Jugendtreff, Sportverein, Kneipe, Ambulanz (...) Allein schon ein Erstkontakt mit diesen verschiedenen Orten der Begegnung in den verschiedenen Lebenswelten kann schon den persönlichen und kirchlichen Horizont „entgrenzen" und unter anderem den Blick für den sozial-politischen Auftrag der Kirche schärfen. Die Erfahrungen in den verschiedenen Lebenswelten werden dann von den Mitbrüdern in sogenannten „Logbüchern" festgehalten und kritisch gewürdigt.

Neu im Programm des Pastoraltheologischen Institutes ist die sogenannte „Life- Supervision" in den Praktikumspfarreien. An zwei Tagen während des Praktikumszeit wird der betreffende Diakon oder Priester von einem erfahrenen Supervisor/einer Supervisorin in seinem pastoralen Alltag begleitet. Life- Supervision vor Ort ist in der Regel näher am unmittelbaren Geschehen und an den konkreten Möglichkeiten und Problemen einer Praktikumszeit. Zusätzlich dazu findet einmal pro Jahr für alle Jahrgänge eine dreitägige Gruppensupervision/Reflexion am Pastoraltheologischen Institut statt.

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