„Als alter Erwachsenenbilder hat man seine Tricks“

Pater Horst Liedtke SAC

Im Gespräch mit Pater Liedtke, Hausrektor der Pallottiner in Rheinbach. Mit ihm sprach Presse- und Öffentlichkeitsreferentin Janina Beckmann.

 

Wie sind Sie bei den Pallottinern „gelandet“?

 

Indem ich einen Bruder hatte, der mir den Weg vorausgegangen ist. Er war hier in Rheinbach am Pallotti-Kolleg Schüler und hat danach in Limburg Abitur gemacht. Dann ist er ins Noviziat gegangen. Als er in Vallendar studierte, wurde dort mal ein offenes Seminar gemacht für all jene Leute, die sich für den Priester-Beruf interessieren. Dort bin ich hingegangen, obwohl ich von Pallotti weiß Gott nicht viel wusste. Mein Bruder hatte mich nicht eingeweiht – ich habe aber auch nicht gefragt. Nach dieser Veranstaltung in Vallendar war ich überzeugt.

 

Und wie ging es danach weiter? Den „klassischen Weg“?

 

Ganz klassisch war es nicht – ich habe am 1. Mai 1966 in Olpe angefangen. Damals gab es ja noch zwei Noviziate ((Anm. d. Red.: heute gibt es ein Noviziat in Friedberg)). Und am 10. Januar 1967 sind wir dann nach Untermerzbach umgezogen.

 

Was war der Punkt, wo Sie wussten: „Pallottiner – das ist etwas für mich“?

 

Je mehr ich von Pallotti lernte, desto eher sagte ich: das ist mein Mann. Heute erlebe ich das im kirchlichen Bereich noch viel krasser: dieses „das muss alles so richtig sein“. Ich möchte eine Kirche, die zu den Menschen geht, die für die Menschen offen ist und die nicht etwas in den Weg legt, sondern hilft, ihre schwierigen Situationen zu überbrücken.

 

Und da war Pallotti „ihr Mann“?

 

Genau.

Lieblingsbilder des passionierten Hobbyfotografen

Wussten Sie nach dem Noviziat gleich, wie es weitergehen soll? Hatten Sie feste Pläne?

Ich bin nach dem Noviziat nahtlos ins Studium übergegangen. Dann nahtlos in die Priesterweihe. Dann nahtlos ins Pastoraljahr ((lacht)). Das war für mich sehr wichtig. Ich hatte einen guten Pfarrer, bei dem ich arbeiten konnte in Göggingen. Dann war ich zwei Jahre Kaplan in Hamburg-Rahlstedt. Auch eine tolle Zeit.

Dann hat man mich in die Wasserburg geholt – dort war ich zwölf Jahre in der Jugendarbeit. Hat Spaß gemacht! Ich weiß noch: wir hatten mal eine sehr dürre Zeit in Sachen Mitbrüder. Damals hatte ich sechs Wochen hintereinander jede Woche einen neuen Kurs. Das schlaucht – man muss sich ja immer wieder auf die neue Klasse einstellen. Und wenn man von Hauptschule bis Gymnasium alles hat, dann ist das manchmal ganz schön anstrengend. Ich weiß, dass wir damals vor den Sommerferien gesagt haben: es wird Zeit, dass unsere Senioren wieder kommen. In den Sommerferien hatten wir ja Seniorenfreizeiten. Auch schön! Und am Ende der Seniorenfreizeiten haben wir dann gesagt: „Wird Zeit, dass die Jugend wieder kommt.“  Das war schon eine tolle Arbeit. Pater Pieler war damals bei uns Chef. Er war ein sehr guter Chef, der einen machen und probieren ließ. Dann ist Pater Pieler nach Wiesbaden gegangen und man hat mich zum Rektor und zum Teamleiter gemacht.

Nach 12 Jahren Jugendarbeit dachte ich mir: jetzt musst du mal etwas anderes machen und schrieb dem Provinzial: entweder Studio (damals machten wir ja noch Schallplatten und Diavorträge), Redaktion (vom „zeichen„) oder Pfarrei. Er suchte Pfarrei aus – und so landete ich in Mülheim an der Ruhr. Dort blieb ich neun Jahre.

Danach bin ich nach Olpe gegangen und habe dort das Haus geleitet. Das war eine sehr schöne Zeit, weil ich auch viel im Haus mitarbeiten konnte. Nach sechs Jahren habe ich gesagt: „Das reicht“. Und Pater Hannapel ((Anm. d. Red.: damaliger Provinzial)) sagte: „Das ist in Ordnung. Aber was machen wir jetzt mit dir?“ Da sagte ich: „Ich hätte gerne etwas Sabbat-Zeit.

OK – wunderbar – machen wir.

Ich habe dann meine Klamotten gepackt und bin nach Limburg in ein Zimmer gezogen. Das war im Oktober oder November. Im Januar kam der Provinzial dann zu mir und fragte, ob ich mir vorstellen könne, für eine gewisse Zeit nach Bad Zwischenahn zu gehen, einen an Krebs erkrankten Mitbruder abzulösen und die Gemeinde bis zum nächsten Pfarrer zu übernehmen. Das habe ich gerne gemacht.

Als es auf die Erstkommunion zuging – wir hatten in dem Jahr neun oder zehn Kommunionkinder – hörte ich vom Pastoralreferenten: die Mütter würden mit mir gerne ein Stunde zum Thema Beichte machen. Ich setzte mich also dazu und dachte: wie fängst du jetzt an? Aber als alter Erwachsenenbilder hat man seine Tricks. „Sie wollen sich also mit mir über Beichte unterhalten“, sagte ich, machte eine Pause und schaute in die Runde. „Wann waren sie denn zum letzten Mal beichten?“ Absolute Stille. Nachdem auch nichts kam sagte ich: „Sie verlangen von Ihrem Kind etwas, was sie selbst nicht mehr nutzen?“ Und dann kam langsam raus: die meisten hatten seit ihrer Hochzeit o.ä. nicht mehr gebeichtet. „Warum soll Ihr Sohn/ Ihre Tochter sich damit abgeben, wenn Sie beichten nicht für wichtig halten?“ Und so kamen wir ins Gespräch.

Nach einem weiteren Zwischenstopp in Limburg ging ich in die Altenarbeit bzw. in die Betreuung der Mitarbeiter in der Altenpflege – bis der Provinzial kam und meinte: „Du bist viel zu jung für eine halbe Stelle.“ Also bin ich noch mit einer halben Stelle bei den Cellitinnen „untergekommen“ – später dann auch mit einer ganzen Stelle. 2014 wurde ich dort freundlich, aber mit Trauer, entlassen und seither bin ich hier in Rheinbach und leite das Haus. ((30.08.16, jb))

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2016-10-04T15:24:16+00:00