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Aktuelles von den Pallottinern

Pallottiner im Gespräch: Von Halstuchtausch und Glaube, der verbindet - Zwei Jugendseelsorger sprechen über ihre Erlebnisse bei der Internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom


Konnte ein grünes italienisches Pilger-Halstuch ergattern: Dekanatsjugend- und Schulseelsorger P. Christian Stumpf aus Bruchsal.

Rom/Friedberg/09.08.2010 - Pilgernd, singend und feiernd zogen in der vergangenen Woche mehr als 50.000 Ministranten aus ganz Europa durch die Straßen, Gassen, Kirchen, Monumente und über die Plätze Roms. Das Internationale Messdienertreffen fand in diesem Jahr zum zehnten Mal statt und sorgte vor allem in Deutschland seit Monaten schon für eine große Euphorie. Nicolas Schnall sprach mit P. Christian Stumpf und fr. Christoph Lentz, zwei Jugendseelsorger der Pallottiner, über ihre Eindrücke und Erfahrungen nach turbulenten Tagen in der ewigen Stadt.

Allein das Erzbistum Freiburg konnte mit 11000 Messdienern die größte Teilnehmerzahl mobilisieren. Da hattest Du als Bruchsaler Dekanatsjugendseelsorger sicher alle Hände voll zu tun?!

Stumpf: Aus unserem Dekanat Bruchsal waren bereits im Januar mehr als 700 Ministranten angemeldet. Wir sind natürlich sehr stolz, dass die engagierte Arbeit der Fachstelle für die Ministranten in Freiburg es so vielen Minis ermöglichte, nach Rom zu fahren und die überwältigende Erfahrung eines solchen internationalen Treffens zu machen. Da die Hauptorganisation direkt zwischen Freiburg und den einzelnen Seelsorgeeinheiten verlief, hatte ich persönlich im Vorfeld nicht so viel Arbeit wie die einzelnen Gruppen in den Pfarreien. Ich kam dann so richtig erst am Abreisetag ins Spiel: Neben der Feier des Aussendungsgottesdienstes kam mir die Aufgabe zu, als Busbegleiter die Gruppen miteinander zu koordinieren, Kontaktperson zur Hotelleitung in Rom zu sein und am Morgen und während der Busfahrten spirituelle Impulse anzubieten. Für letzteres hatte die Fachstelle mit ihrem „Wallfahrtsheft" im Hosentaschenformat bereits gute Vorarbeit geleistet, so dass unsere Minis im Bus, auf den Wegen und „in der Warteschleife" immer wieder mit großer Begeisterung das Mottolied „Aus der wahren Quelle trinken" oder andere Lieder sangen. Da ich einen Großteil der Gruppe schon aus dem Dekanat und von der letzten Romwallfahrt kannte, fiel mir die Aufgabe nicht schwer, die Gruppe, die in den Tagen zu einer guten Gemeinschaft zusammenwuchs, zu begleiten.

Christoph, Du hast Deinen Job als Leiter des Jugendhofs in Olpe inzwischen „an den Nagel gehängt" und überbrückst die Zeit bis zu Deiner Diakonenweihe im Oktober mit einem dreimonatigen Sprachkurs in der ewigen Stadt. Da hat sich doch der eine oder andere Mini aus der Heimat sicher an Dich erinnert und stand plötzlich unverhofft auf der Matte...

Lentz: Natürlich war es schön, viele Bekannte wieder zu treffen, aber auch die Gespräche mit Fremden auf den Straßen und Plätzen waren eindrucksvoll. Vor allem da es für mich - nach meiner Zeit in Olpe - anfangs schon eine große Umstellung war, plötzlich in Rom italienisch zu lernen. Die Sprache nicht zu können und trotzdem tagaus tagein in einem fremden Land zu leben, war schon sehr gewöhnungsbedürftig. Da wird einem der Begriff „Heimat" wieder ganz neu bewusst, denn Heimat hat definitiv mit Sprache zu tun! Umso schöner war es dann in dieser Woche, wieder deutsch - oder besser: schwäbisch - sprechen zu können. Viele Gruppen kamen zu uns ins Haus und feierten am Grab Pallottis die heilige Messe. Ich begrüßte sie und gab ihnen eine kleine Einführung zu Pallotti und den Pallottinern.

Was waren für Euch beide die Höhepunkte der letzten Woche?

Lentz: Absoluter Höhepunkt war für mich der Abschlussgottesdienst der Ministranten aus meiner Heimatdiözese Augsburg. Dort habe ich viele Bekannte und ehemalige Weggefährten aus der Jugendarbeit getroffen. Dass Jugendarbeit  von Beziehungen lebt, ist mir vor, während und nach diesem Gottesdienst einmal mehr bewusst geworden.

Stumpf: Für unsere Gruppe war sicher der Abschlussgottesdienst der Freiburger Minis in der Basilika St. Paul vor den Mauern - übrigens neben der Peterskirche die einzige Kirche Roms, in der 11.000 Menschen Platz haben. Die Freiburger haben dort ein Ambiente geschaffen, das Jugendliche ansprach, aber auch spirituelle Ruhe und Kraft zum Ausdruck brachte. Das Liedgut, die Gebete der Jugendlichen - Minis aus dem Bruchsaler Dekanat durften die Fürbitten formulieren und vortragen - und die Worte unseres Erzbischofs Robert Zollitsch kamen bei den Jugendlichen besonders gut an, auch wenn über allem auch Wehmut aufgrund des nahenden Abschieds von Rom lag. Aber auch bis hierhin gab es eindrucksvolle Begegnungen, etwa die mit der internationalen Ministrantengemeinschaft am Dienstagabend und bei der Papst-Audienz am Mittwoch. Die Mädchen und Jungen waren begeistert vom Treffen mit Benedikt XVI., der eine lange Ansprache auf Deutsch hielt. Die Internationalität des Treffens war einmal mehr zu spüren, als die Minis auf „Tauschjagd" gingen. Halstücher, Emailadressen, Segenswünsche: Für viele war es eine tolle Erfahrung, dass es in anderen Ländern auch Ministranten gibt und dass der Glaube sie miteinander verbindet.

Pflichtbesuch im Generalat der Pallottiner: P. Stumpf führte seine Gruppe nicht nur an die letzte Ruhestätte Pallottis, sondern auch auf die sonnige Terasse mit Panoramablick auf die ewige Stadt. 

Was nimmst Du für Deine weitere Arbeit im Dekanat und im St. Paulusheim von diesem Treffen mit nach Hause?

Stumpf: Mir ist wieder mal deutlich geworden, wie wichtig die Gestaltung einer jugendgemäßen Liturgie ist. Jugendliche müssen sich darin wiederfinden und Schritte aufeinander und auf Gott zugehen können. Ausgelassenheit und Freude sind dabei genauso wichtig wie Innehalten und Reflexion. Aus meiner Gruppe kamen Rückmeldungen, dass trotz der begeisternden Massenevents in St. Paul und auf dem Petersplatz die meditativ-ruhige Messe am Grab unseres Gründers Vinzenz Pallotti ein ganz besonderes Erlebnis war. Denn selbstverständlich stand auf unserem Programm auch der Besuch des Generalats und der Kirche San Salvatore in Onda. Eine intensive Erfahrung nehme ich für meine pastorale Arbeit in Bruchsal mit: Ministranten finden in der Eucharistiefeier heute noch die Mitte ihres Glaubens und haben Sehnsucht nach Stille und nach der „Quelle des Lebens", nach Gott, dem sie hier begegnen und sich anvertrauen dürfen. Ich wurde darin ermutigt, unser spirituell-christliches Profil sowohl in der Schule als auch in der Jugendarbeit des Dekanats weiter zu entfalten. Eine richtige Jugendkirche in Bruchsal wäre mein großer Traum. Und ich hoffe, dass immer mehr junge Christen mitträumen, sodass sie eines Tages realisiert werden kann.

Als Jugendhofleiter hattest Du ständig mit Ministranten-Kursen zu tun. Wie wichtig ist der Dienst am Altar heute noch für Jugendliche? Ist es inzwischen nicht „uncool" sich vor seinen Freunden als Messdiener zu outen?

Lentz: Aus vielen Begegnungen oder eben auch Mini-Wochenenden, weiß ich, dass es sich bei den meisten Minis um Überzeugungstäter handelt. Primär wegen der guten Gruppen- und Gemeinschaftserfahrungen, aber eben auch, weil ihnen ihr Glaube und die Kirche wichtig sind. Darum erscheint es mir notwendig, diese jungen Menschen zu begleiten und auf ihrem Weg zu bestärken und zu motivieren. Wir fingen während meiner Zeit in Olpe erst damit an, die Ministrantenkurse im Jugendhof aufzubauen, da Ministrantenarbeit im Erzbistum Paderborn bei weitem nicht so stark ausgeweitet und organisiert ist, wie in anderen Bistümern. Persönliche Beziehungen und Begegnungen sind für Jugendliche unglaublich wichtig. Für mich als Pallottiner ist das ein Herzensanliegen und ich hoffe, dass ich das auch noch lange Zeit in der praktischen Jugendarbeit umsetzen kann.


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