Aktuelles von den Pallottinern
Im Gespräch: Charisma ist nur dann fruchtbar, wenn eine Gemeinschaft neue Interpretationen und kreative Neugründungen zulässt
Begleitet die Initiativgruppe: Carina de Spernbour.
Friedberg/02.08.2010 - Das Wort „Wandlung" hat sich Ende April wie ein roter Faden durch das erste Treffen der Initiativgruppe „Spirituelle Erneuerung" gezogen, morgen trifft sie sich erneut zum gegenseitigen Austausch. Mitglieder der Gruppe, die von der Pastoralpsychologin und Theologin Carina de Spernbour in den nächsten Monaten begleitet wird, sind: Provinzial P. Hans-Peter Becker, P. Steffen Brühl, P. Edward Fröhling, P. Markus Hau, P. Reinhold Maise, P. Arthur Pfeifer, P. Raimund Weber und P. Paul Rheinbay.
Die Gruppe soll als Erfahrungsraum dienen, in den künftig - über Impulse und Begegnungen - alle Hausgemeinschaften der Provinz einbezogen werden sollen. Nicolas Schnall befragte Frau de Spernbour zu ihren Aufgaben und den Zielen in diesem Prozess der spirituellen Erneuerung.
Sie begleiten schon seit einigen Monaten die Initiativgruppe. Diese Gruppe befasst sich ganz bewusst mit dem Wandel innerhalb ihrer Gemeinschaft. Welche Rolle kommt Ihnen dabei zu?
Ich sehe es als meine Hauptaufgabe, erst einmal hellhörig wahrzunehmen, was in den verschiedenen Treffen der Initiativgruppe und darüber hinaus zu Tage tritt. Zudem möchte ich Räume für Gespräche eröffnen, Auseinandersetzungen zulassen und kontrollieren, meinen Beitrag zur Unterscheidung der Geister leisten, innovative Ideen anregen und schaffen.
Geht es in der Gruppenarbeit allein um spirituelles oder schwingt da mehr mit?
Seit dem Wegbrechen des unhinterfragten Selbstverständnisses von Kirche und Ordensleben wird existenziell deutlich, dass spirituelle Erneuerung die Suche nach einer neuen Identität von Christsein beinhaltet. Die Wendezeit ist unübersehbar. Elemente dieser Identität, die Ordensleben schon immer prägten, sind die Beziehung zu Jesus, ein gemeinsamer Weg und der Blick auf die Menschen. Was die Beziehung zu Christus betrifft, so sind alle Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft Erben und aktive Nutznießer einer Gründungserfahrung, einer geheimnisvollen Begegnung ihres Gründers mit dem menschgewordenen Gott.
Welche konkreten Hoffnungen und Erwartungen knüpfen Sie somit an Ihre Arbeit mit der Gruppe in den nächsten Monaten?
Spirituelle Erneuerung bedeutet für mich, das Feuer der ursprünglichen Gotteserfahrung des Gründers wieder zu entdecken und diese Faszination ins Heute zu übersetzen. Ordensmitglieder, also auch die Priester und Brüder in der Gemeinschaft der Pallottiner, sind auserwählt und bestimmt für ein Abenteuer aus dem Evangelium. Ihr Auftrag ist es, die Faszination der erfahrenen Facette Gottes ihres Gründers durch ihr gemeinsames Leben und vielfältiges Wirken im Hier und Jetzt sichtbar machen. Man kann die Gründungserfahrung nicht aufrecht erhalten, durch die Routine gewohnter Glauben- und Lebensvollzüge. Das Charisma ist nur dann fruchtbar, wenn eine Gemeinschaft neue Interpretationen und kreative Neugründungen zulässt.
Welche Chancen für das Gemeinschaftsleben innerhalb der Provinz und für die Strahlkraft nach außen liegen also für Sie in diesem Wandlungsprozess?
Im Sinne einer geerdeten Spiritualität ist es wichtig, nicht „neben" dem sich ereignenden Wandlungsgeschehen zu agieren, sondern sich „in" dieses hineinzubegeben und zu versuchen, darin Gottes Weg mit uns zu erkennen - für die Gemeinschaft und für die vielen, die mit ihr gemeinsam unterwegs sind. Im Bewusstsein, dass unsere Zeit eine gottdurchwirkte Zeit ist, bin ich der festen Überzeugung, dass sich in diesem Prozess Hinweise auf das Wirken Gottes zeigen, die erkannt werden um von den Pallottinern durch ihr Leben und Wirken umgesetzt zu werden - zum Heil der Menschen.
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