Aktuelles von den Pallottinern
Pallottiner im Porträt (Teil IX): P. Ulrich Scherer - Pallotti eine hörbare Stimme verleihen
Pallotti-Experte: P. Ulrich Scherer.
Friedberg/Vallendar/14.07.2010 - Es ist sicher kein Zufall, dass Pater Ulrich Scherer zum ersten Leiter des neugegründeten deutschsprachigen Pallotti-Instituts in Vallendar ernannt wurde. Denn der gebürtige Duisburger ist Pallotti-Forscher aus Leidenschaft. Schon früh begeisterte er sich für den Gründer seiner Gemeinschaft. „Vinzenz Pallotti war das Erste, das mich während meines Theologiestudiums an der Hochschule interessierte", sagt der 48-jährige Pallottinerpater im Rückblick auf seine Studienjahre.
Vor allem das sogenannte Zönakel-Bild - eine Darstellung, die Maria, zwei weitere Frauen und die Apostel in Erwartung des Heiligen Geistes im Obergemach von Jerusalem zeigt - hat bei ihm solch bleibende Eindrücke hinterlassen, dass er sich bereits in seiner Diplomarbeit ausführlicher damit beschäftigte.
Dabei reizte ihn weniger der künstlerische Wert des Bildes, das hinter dem Altar der römischen Kirche Maria Regina Apostolorum in der Via Giuseppe Ferrari hängt. Vielmehr faszinierte ihn dessen theologische Aussage, die sich Pallotti seinerzeit zu eigen machte und seine Idee zur Gründung einer apostolischen Gemeinschaft daraus ableitete. „Eine Bewegung, bei der jede und jeder mitmachen sollte", formuliert P. Scherer den Kerngedanken Pallottis.
Eine Aussage, die sich immer tiefer bei ihm einbrannte
Seine persönlichen Erfahrungen in der Jugendarbeit der Mülheimer Pfarrei Christ König, in der er ab dem dritten Lebensjahr lebte und als Sternsinger, KJG-, Chor- und Bandmitglied aktiv war, zeigten ihm, wie ernst die Pallottiner diese Aussage ihres Gründers nahmen - hier vor allem die Pallottinerkapläne Hermann Sackarend, Leo Wiszniewsky und Diakon Peter Hillen. Und so brannte sie sich immer tiefer bei ihm ein.
Ebenso wie der Wunsch, Priester zu werden. Über den Umweg Lehramtsstudium für die Fächer Musik und Theologie in Essen und Duisburg landete der leidenschaftliche Gitarrist trotz seiner Begeisterung für Franz von Assisi dann nicht bei den Franziskanern, Kapuzinern oder Minoriten, sondern im Noviziat der Pallottiner in Untermerzbach.
Seine positiven Erfahrungen bei Osterseminaren und die guten Kontakte in die Hochschule, die sich daraus entwickelten, ebneten seinen persönlichen Weg in die Gemeinschaft. Doch auch seine Leidenschaft für Franziskus holte ihn schnell wieder ein, als er während seiner Studienzeit in Vallendar und Rom (Lizentiat in Spiritualität) „erfuhr, welch franziskanischen Geist Pallotti selbst in sich trug", so P. Scherer.
Ergänzt durch Pallottis grundsätzliche Überzeugung, dass „jeder Mensch nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen ist und Gott das Heil eines jeden Menschen will", sieht der Pallottinerpater daher auch keine andere Möglichkeit, als dass jeder zum „Mitarbeiter Gottes" in dieser Welt berufen ist. Und zwar nicht in gegenseitiger Über- oder Unterordnung - Pallotti wollte keine Konkurrenz der verschiedenen Lebensstände -, sondern im Miteinander aller. Diese Erkenntnis stellt für P. Scherer bis heute einen der wertvollsten Teile aus Pallottis Erbe dar.
Pallottis Spiritualität für die heutige Gemeindepraxis fruchtbar machen
Und damit es künftig auch gelingt, Pallottis Spiritualität für die Gemeindepraxis, die sich heute immer mehr in Großraumpfarreien abspielt, fruchtbar zu machen, erklärt der Pallotti-Experte, möchte das Institut einen wichtigen Beitrag leisten. Zur „Bündelung der Kräfte und Aktivitäten auf ein Ziel hin", wie es schon durch Pallotti angestoßen wurde, gibt es deshalb für ihn - nicht nur mit Blick auf Austausch und Vernetzung mit dem Mutter-Institut in Rom und den Schwesterinstituten weltweit - keine Alternative.
Ihm als Institutsleiter kommt dabei - neben Koordination und Organisation des Tagesgeschäfts - die Hauptaufgabe zu, durch das Übersetzen wichtiger Pallotti-Biografien und -Schriften seinem Gemeinschaftsgründer auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine hörbare Stimme zu verleihen. Doch P. Scherer, der zudem als Ökonom die Finanzen der örtlichen Kommunität verwaltet, möchte nicht warten, bis alle 13 Bände der gesammelten Werke und die acht Bände der Briefe des Heiligen aus dem Italienischen übersetzt sind. Schließlich war auch Vinzenz Pallotti eher ein Mann der Tat, ein Mann der die vielfältigen Nöte der Menschen erkannte und darauf reagierte.
Für P. Scherer genügt es in der heutigen Pfarrpastoral, sich Pallottis Beispiel zum Vorbild zu nehmen: „Denn die eigentliche pastorale Arbeit muss vor Ort laufen und kann nicht im Großraum geschehen." Einfach nur größere Einheiten vom Schreibtisch aus zu schaffen, ohne Kompetenzen an die „eifrigen Katholiken", wie Pallotti sie nannte, abzugeben, sei der Tod jeder Gemeinde. Ein Zustand, den er als engagierter und leidenschaftlicher Pallotti-Kenner um jeden Preis verhindern möchte.
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