Aktuelles von den Pallottinern
„Von der Vielfalt der Charismen“ - In der Priesterausbildung setzen die Pallottiner als weltweite Gemeinschaft unterschiedliche Akzente je nach Land
Ein wichtiger Meilenstein auf dem lebenslangen Bildungsweg eines Pallottiners: Priesterweihe in Vallendar.
Friedberg/Würzburg/03.07.2010 - „Der Ausbildungsprozess ist Reise, Exodus, Fortschritt, Wachstum hin zu Einheit und Integration... Jedes Leben ist ein beständiger Weg zur Reife, welcher ständige Weiterbildung erfordert." Mit diesen Worten beschreibt die „ratio institutionis", der allgemeine Ausbildungsplan der Pallottiner, den schwierigen Prozess der persönlichen und spirituellen Reifung innerhalb der Ordensgemeinschaft.
„Unsere Priesterausbildung unterscheidet sich von der Priesterausbildung in einer Diözese, weil bei uns zunächst die Ausbildung zum Pallottiner im Vordergrund steht. Erst wenn die Frage der Berufung zum Leben in unserer Gemeinschaft geklärt ist, schließt sich mit dem Theologiestudium die Ausbildung zum Priester an", betont Pater Siegfried Modenbach, von 2002 bis 2007 Regens an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar, heute Leiter des Katholischen Forums in Dortmund.
Auslandserfahrung - eine wesentliche Voraussetzung in einer internationalen Gemeinschaft
Am Anfang der Ausbildung zum Pallottiner steht das zweijährige Noviziat. Dieses endet in der Regel mit der Feier der zeitlichen Weihe, bei der sich der Kandidat für ein Jahr an die Ordensgemeinschaft bindet. Erst dann beginnt die eigentliche Ausbildungsphase zum Priester mit einem in der Regel fünfjährigen Theologiestudium an der Hochschule des Ordens in Vallendar. Die Zeit des Studiums nutzen die Kandidaten sehr häufig und gehen für einige Monate ins Ausland an eine andere Fakultät, um noch einmal Erfahrungen außerhalb der Gemeinschaft zu machen oder eine andere Sprache zu lernen - eine wesentliche Voraussetzung in einer internationalen Ordensgemeinschaft.
Mit der Diakonenweihe am Ende des Studiums beginnt die pastoraltheologische Ausbildungsphase am 1961 in Friedberg, Bayern, gegründeten Pastoraltheologischen Institut (Pthl) der Pallottiner. Während dieser Zeit sind die Priesteramtskandidaten bereits in einer Gemeinde tätig, lernen dort das gesamte Spektrum der Seelsorge - vom Altenheim und Krankenhaus über Caritas und Jugendtreff - kennen. In der Mitte der 13 Monate dauernden Ausbildungszeit findet die Priesterweihe statt. Anschließend bleiben die jungen Priester noch eine Zeit lang in der Gemeinde, in der sie geweiht wurden, ehe sie neue Arbeitsfelder übernehmen.
Pallottiner-Studenten vor der Hochschule im indischen Mysore.
Die Begleitung der Priester wird besonders in den ersten Jahren nach der Weihe, aber auch später, fortgesetzt, wie Pater Modenbach hervorhebt: „Für uns als Pallottiner ist der Aspekt der ständigen Formation, der ständigen, lebenslangen Bildung, ganz wesentlich. Darum ist jeder Priester verpflichtet, alle fünf Jahre an einem Fortbildungsseminar teilzunehmen."
Die weltweite pallottinische Gemeinschaft - die „Gesellschaft des Katholischen Apostolates" (SAC), so ihr offizieller Name - hat etwa 2400 Mitglieder, die in über 300 örtlichen Gemeinschaften auf allen fünf Kontinenten, in mehr als 45 Ländern leben. In einigen afrikanischen Staaten, etwa in Kamerun, aber auch in Indien, Brasilien und Polen sind die Pallottiner sehr stark vertreten. In den westeuropäischen Ländern, in den USA und Australien sind die Zahlen geringer. „Wir legen Wert darauf, dass die internationale Dimension unserer weltweiten Gemeinschaft sich auch in unserer Ausbildung widerspiegelt", erklärt Pater Zenon Hanas, Vize-General der Pallottiner in Rom, im Gespräch mit dieser Zeitung.
Ausbildungsstätten in der ganzen Welt
„Darum haben wir als Orden eigene Ausbildungsstätten in verschiedenen Ländern und an verschiedenen Orten der Welt: Neben der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar gibt es in Polen eine Theologische Hochschule in Oltarzew. Außerdem haben wir zwei weitere Hochschulen, eine in Mysore, Südindien, und eine zweite in Santa Maria, im Süden Brasiliens. Die Rektoren dieser vier Hochschulen stehen in ständigem Austausch und treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Projekte zu entwickeln."
Die Generalleitung der Pallottiner in Rom, so Pater Hanas, achte darauf, internationale Kontakte schon in der Ausbildungsphase zu fördern und bei der jungen Generation im Orden das Bewusstsein von der weltweiten Wirksamkeit des pallottinischen Charismas und der weltweiten Vernetztheit innerhalb der Gemeinschaft zu wecken. „Darum haben für uns die persönlichen Begegnungen mit jungen Mitbrüdern bei unseren Visitationen vor Ort in den verschiedenen Ländern größte Bedeutung. Dabei treten wir Vertreter der Generalleitung als internationale Gruppe auf."
In Kameruns Hauptstadt Yaoundé unterhalten die Pallottiner eine Hochschule für Philosophie, an der P. Hugo Schmitt (in der Bildmitte) als Professor unterrichtet.
In der Leitung in Rom gibt es je einen Vertreter der deutschen und polnischen, der italienischen, englischen und portugiesisch-spanischen Region, so dass die wichtigsten Kultur- und Sprachregionen innerhalb des Ordens repräsentiert werden. Die Pallottiner haben internationale Austauschprogramme für ihre Studenten entwickelt: Kandidaten aus Afrika beispielsweise gehen für eine bestimmte Zeit nach Polen - oder umgekehrt. Natürlich gibt es in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Akzente innerhalb der Ausbildung. Dabei spielen vor allem kulturelle und gesellschaftliche Vorprägungen eine Rolle. Aber auch unterschiedliche Bildungssysteme sind von Bedeutung. Vize-General Hanas macht deutlich, dass es daher im Rahmen der allgemeinen Ausbildungsordnung der Pallottiner Freiheiten gebe, die Prozesse der Ausbildung in jedem Land je unterschiedlich zu gestalten.
Die besondere Aufmerksamkeit der Ordensleitung richtet sich zurzeit auf Afrika, wo die Pallottiner noch keine eigene Theologische Hochschule haben. Stattdessen unterhalten sie eine französischsprachige Hochschule für Philosophie in der Hauptstadt von Kamerun, Yaoundé, wo Kandidaten aus verschiedenen Diözesen und Ordensgemeinschaften studieren. Ihre theologische Ausbildung setzen sie dann in der Regel in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, bei den Jesuiten fort. Die Generalleitung lädt jetzt eine Gruppe von zwölf Ausbildern, sogenannten Formatoren, aus verschiedenen afrikanischen Ländern für ein Jahr zur Weiterbildung nach Rom ein.
Wichtig in der Ausbildung: Offenheit erleben und lernen, diese selbst zu leben
Der Vize-General erläutert: „Unsere Erfahrung ist, dass es Sinn macht, zunächst einmal bei den Ausbildern anzusetzen und eine Gruppe aus mehreren Ländern zusammenzubringen, um die unterschiedlichen Prägungen und Mentalitäten innerhalb Afrikas miteinander in Einklang zu bringen. Diese können ihre Dialogerfahrungen später an die Auszubildenden weitergeben." Wesentlich in der Priesterausbildung der Pallottiner, so Pater Hanas, sei, dass der Kandidat innerhalb der Gemeinschaft und auch nach außen hin stets eine große Offenheit erlebe und lerne, diese selbst zu leben. „Dazu gehört auch, dass wir Novizen und Novizinnen, also junge Mitbrüder und Schwestern, zu gemeinsamen Ausbildungseinheiten nach Rom einladen, wo sie mit Laien zusammen studieren und sich austauschen. Diese Art der Kommunikation erleichtert es, schon jungen Ordensmitgliedern das Bewusstsein von der Vielfalt der Charismen, die unserem Gründer, dem heiligen Vinzenz Pallotti, so wichtig war, mit auf den Weg zu geben."
in: "Die Tagespost" vom 3. Juli 2010, Seite 16 (von Anja Kordik).
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