Aktuelles von den Pallottinern
Wo das Herz der Provinz schlägt - Ein Rundgang durch das Provinzialat der Pallottiner
Dritter Standort des Provinzialats in Friedberg: Nach Mezgergut und Herrgottsruh haben die Pallottiner 1949 hier ihr Zuhause gefunden.
Friedberg/07.05.2010 - Vaterhaus, Drehscheibe, Taubenschlag: Die Namen, mit denen das Provinzialat in Friedberg im Laufe seiner mehr als 80-jährigen Geschichte bezeichnet wurde, geben nur einen vagen Eindruck von dem, was hier wirklich passiert. Tagein Tagaus wird hier organisiert, koordiniert, diskutiert - ob im Provinz- und Missionssekretariat, in der Redaktion, in der Kanzlei, im Pastoraltheologischen Institut oder in der Verwaltung. Einige Kilometer entfernt an der Stadtgrenze von Augsburg nach Friedberg sorgen in der Provinzverwaltung fünfzehn Angestellte und drei Pallottiner dafür, dass die Finanzströme stets in die richtige Richtung fließen.
Fragezeichen türmen sich auf. Worüber reden sich Provinzial P. Hans-Peter Becker und seine Mitbrüder aus der Provinzleitung schon wieder die Köpfe heiß? Was lässt Rektor P. Heinz Goldkuhle stundenlang in seinem Büro grübeln? Und mit wem telefoniert Kanzleichef P. Alois Mäntele heute bereits zum dritten Mal? Ein kleiner Streifzug durch das Anwesen in der Vinzenz-Pallotti-Straße am Stadtrand von Friedberg bringt Licht ins Dunkel. Die Spurensuche beginnt.
"Je näher ich an den Menschen dran bin, desto besser."
P. Mäntele sitzt in seinem Büro und legt den Telefonhörer auf. „Das ist das schönste, was es gibt", gerät der Kanzleichef ins Schwärmen, wenn er anfängt von seiner Arbeit mit Förderern und Wohltätern zu erzählen. 1993 kam der heute 68-jährige Schwarzwälder nach Stationen in Schwäbisch Gmünd, Kleinheubach, Eichstätt und Hersberg als Rektor nach Friedberg, 1999 übernahm er die Arbeit in der Kanzlei. Stets lautet seine Devise: „Je näher ich an den Menschen dran bin, desto besser."
Nicht einfach bei einem Einzugsgebiet der Friedberger Kanzlei, das sich von Nürnberg bis Füssen und von Heilbronn bis Altötting erstreckt. Sein Tag ist straff durchorganisiert, nie langweilig. Dreißig Einkehrtage planen und durchführen, Dankbriefe schreiben und verschicken, Förderer besuchen und Gespräche führen. Deshalb ist er sich auch sicher: „Umso besser kommuniziert wird, was in der Provinz und in der Mission geschieht, desto größer ist die Verbundenheit mit der Gemeinschaft."
Eine Aufgabe, die trotz immer modernerer Kommunikationsmittel nicht unbedingt einfacher geworden ist. Vor allem seitdem sich mit dem Zusammenschluss der beiden deutschen Provinzen und der Regio Österreich vor drei Jahren ein viel größeres Netz über die pallottinische Landkarte spannt. Dieses reicht inzwischen von Hamburg über den Bodensee nach Wien - von den Delegaturen in Kroatien, Spanien, Südafrika und den Missionen, die unter der besonderen Beobachtung des neuen Missionssekretärs Br. Bert Meyer stehen, ganz zu schweigen.
Immer ein offenes Ohr: Zusammen mit seinen drei Mitarbeiterinnen betreut Kanzleichef P. Alois Mäntele die Förderer und Wohltäter der Friedberger Niederlassung.
Selbstverständlich wuchs damit gleichzeitig auch die Bedeutung des alten wie neuen Provinzialats. Denn Friedberg ist von einem auf den anderen Tag zum Zentrum der deutsch-österreichischen Herz-Jesu-Provinz geworden. Und mit den Worten des dortigen Bürgermeisters Peter Bergmair zu sprechen: „die Hauptstadt der Pallottiner".
Ein Blick in die Chronik beleuchtet nicht nur die ersten Schritte der Pallottiner in Friedberg, sondern auch die Tatsache, dass sich seitdem - bis auf die blumigen Formulierungen - nicht viel an den zentralen Funktionen und Aufgaben im Provinzialat geändert hat. So schreibt der Chronist im ersten Rundbrief 1929: „Im bescheiden eingerichteten Provinzialate ist es ruhig und still, (...), so wie es unser ehrwürdiger Stifter will. In dieser Stille kann man gehörig das Apostolatsprogramm Pallottis durchdenken und großzügig die anderen Häuser leiten."
Achtzig Jahre später klingt die Antwort auf die Frage nach der Aufgabe des Provinzialats aus dem Mund von P. Becker so: „Hier ist die Zentrale der Pallottiner, in der das Apostolat von heute organisiert und koordiniert wird - personell, inhaltlich, finanziell." Ihm ist auch bewusst, dass es schier unmöglich ist, es immer allen recht zu machen. Dennoch ist er überzeugt, dass unter den Mitbrüdern inzwischen eine große Akzeptanz für das „neue" gemeinsame Provinzialat herrscht.
Aus dem Stadtbild Friedbergs nicht mehr wegzudenken
Herausforderungen, die die Pallottiner der ersten Stunde in Friedberg auch damals lösen mussten. Sie taten es auf ihre Art. Bescheiden, beschaulich, pastoral. Am 7. November 1929, wurde der Mietvertrag für das neue Anwesen, das sogenannte Mezgergut, im Stadtzentrum von Friedberg unterzeichnet. An diesem Ort, von dem heute nur noch die Erinnerung geblieben ist, leben die Pallottinerpatres und -brüder acht Jahre.
Rasch entfalten sie in und um Friedberg vielfältige Aktivitäten: Missionare kommen und gehen, die Mitbrüder engagieren sich in der Stadtpfarrei St. Jakob und in der Seelsorge der Wallfahrtskirche Herrgottsruh, aber auch der Vertrieb ihrer Zeitschriften trieb sie um. Es dauert nicht lang und die Gemeinschaft war aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken - und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Sorgt für Gastfreundlichkeit und Gemeinschaft: Rektor P. Heinz Goldkuhle.
Doch plötzlich geht alles ganz schnell. Die Ereignisse überschlagen sich. Die Stadtverwaltung kündigt den Mietvertrag, weil die Kreisleitung des Naziregimes die Räume für sich beansprucht. Wallfahrtsdirektor Max Rimmele, ein großer Freund und Förderer der Pallottiner, geht in Ruhestand. Die Pallottiner übernehmen. Und zwar nicht nur die Wallfahrtsseelsorge, die sie noch heute innehaben, sondern sie ziehen mit der gesamten Hausgemeinschaft des Provinzialats ins dortige Priesterhaus um.
Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs entsteht der Wunsch nach einer eigenen, geräumigeren Niederlassung. Baupläne entstehen, die sich schnell wieder zerschlagen. Plötzlich ergibt sich die Lösung des Problems wie von selbst. Die Filterfabrik Kellner steht zum Verkauf. Ein Wohnhaus mit Nebengebäude und einem vier Tagewerk großen Obstgarten - der heutige Park.
Die Tinte der Unterschrift auf dem Kaufvertrag vom 6. Juli 1949 war kaum getrocknet, da zogen die ersten Mitbrüder bereits um. An den Ort, von dem aus in den folgenden knapp sechs Jahrzehnten die Geschicke der ehemaligen süddeutschen Provinz gelenkt wurden. 1955 folgte der Bau der Pallottikirche, 1961 der des Tagungshauses, in dem sich die Räumlichkeiten des Pastoraltheologischen Instituts (PthI) befinden.
Das PthI galt bei seiner Gründung als Novum in der Ausbildung von Ordenspriestern
Das Institut, das gemeinsam mit der Hausgemeinschaft und den Provinzinstitutionen den pallottinischen Dreiklang vor Ort ertönen lässt, galt bei seiner Gründung als Novum in der Ausbildung von Ordenspriestern. Seitdem schickten rund zwanzig Orden und religiöse Gemeinschaften ihre Mitbrüder zur pastoralpraktischen Ausbildung an das PthI. Ob Dominikaner oder Benediktiner, Salesianer oder Steyler Missionar, Salvatorianer oder Mariannhiller: Ein großer Teil der deutschen Ordenspriester drückte sich hier in den vergangenen Jahrzehnten die Klinke in die Hand.
Dass gerade darin auch der besondere Reiz seiner Arbeit liegt, ist Regens P. Thomas Lemp bewusst: „Selbstverständlich ist eine gewisse Spannung durch deren unterschiedliche Spiritualität zu spüren." Für P. Lemp, der dieses Amt im November 2007 von seinem Mitbruder P. Rolf Fuchs übernommen hat, jedoch kein Grund zur Sorge. Ihm sei in der letzten Zeit vor allem eines deutlich geworden: „Die jungen Ordensleute von heute stellen die Solidarität untereinander in den Vordergrund".
Ein Thema nicht nur für junge Menschen, weiß der Rektor im Provinzialat, P. Goldkuhle, aus seiner Erfahrung mit der Hausgemeinschaft vor Ort zu berichten. „Das Zusammenleben der 18 Mitbrüder wird von unterschiedlichen Lebensformen bestimmt; ein Drittel im Ruhestand, ein Drittel mit Aufgaben im Haus und ein weiteres Drittel ständig unterwegs." Umso wichtiger sei es laut P. Goldkuhle, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, das Gemeinschaft erfahrbar macht.
Ein Großteil des deutschen Ordensnachwuchses drückte sich in den vergangenen Jahrzehnten bei Kursen im Pastoraltheologischen Institut die Klinke in die Hand.
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