Aktuelles von den Pallottinern
Pallottiner im Porträt (Teil VIII): Vizeprovinzial P. Helmut Scharler - Im Dialog nach Antworten suchen
Friedberg/26.04.2010 - Er ist kein reiner Theoretiker, auch wenn sich viele seiner Worte eher theoretisch anhören. Er ist aber auch kein Praktiker, da er weniger mit seinen Händen zupackt als vielmehr sein Gegenüber mit Worten ergreift oder einfach nur zuhört. P. Helmut Scharler, seit letztem Februar Vizeprovinzial der Pallottiner in Deutschland und Österreich, lässt sich nur schwer in ein vorgefertigtes Schema pressen.
Aber eines ist er ganz sicher: „Einer der wenigen waschechten Österreicher in der Provinz", sagt er von sich - nicht ganz ohne Stolz. Als Ältester von vier Kindern in Mittersill im Pinzgau geboren, siedelte er als 14-Jähriger mit seiner Familie nach Neukirchen am Großvenediger über. Nach seinem Abitur begann er in Salzburg Religionspädagogik und Komposition zu studieren.
Schon sehr bald knüpfte er in der Mozartstadt Kontakt zur Charismatischen Erneuerung. Er begegnete einer Spiritualität, die ihn bis heute prägt. Hier ist „die Theorie zur Erfahrung geworden", bringt P. Scharler seine Faszination auf den Punkt. Die Auseinandersetzung mit dem Geist Gottes sieht er als Erbe, das er sich für seine spätere Arbeit als Seelsorger und Psychotherapeut bewahrt hat.
Doch vor dem Eintritt bei den Pallottinern kam es für ihn ganz unerwartet zu einem Bruch in seinem Leben: Der frühe Tod des Vaters warf ihn aus der Bahn. Er brach das Studium ab und führte für sechs Jahre das elterliche Lebensmittel- und Souvenirgeschäft. Auf einer Pilgerreise mit drei Pallottiner-Novizen nach Rom gab dann die Frage „Bei Dir wär's doch auch Zeit?" seinem Leben eine neue Richtung. „Das hat mich damals getroffen", erzählt er von seinem Berufungserlebnis.
Rund zwanzig Jahre später verschlägt es ihn wieder nach Friedberg
Dann ging alles ganz schnell. Noviziat in Untermerzbach, Abschluss des Studiums in Vallendar, Ausbildung zum Therapeuten. Nur die Suche nach dem Pallottiheim in Friedberg, als er hier nach seiner Priesterweihe 1992 sein Pastoraljahr in der Stadtpfarrei St. Jakob bei Pater Rolf Fuchs beginnen wollte, dauerte für den neuen Vizeprovinzial eine gefühlte Ewigkeit. Doch auch diese Suche gestaltete er - wenn auch mit zweistündiger Verspätung - erfolgreich.
Rund zwanzig Jahre später hat es ihn wieder nach Friedberg verschlagen. Zwei Jahrzehnte intensiver therapeutischer Arbeit im Pallotti Haus in Wien und beim Projekt Cambio in Salzburg - teils für Gruppen, teils für Einzelpersonen - liegen hinter ihm. Angst vor seiner neuen Aufgabe hat er nicht. Aber Respekt vor der Zukunft schwingt in der Stimme mit, wenn er über seine Pläne und Ziele spricht: Über sichere Grenzen hinausgehen, gewohnte Kategorien verlassen, alle Charismen der Mitbrüder mit ins Boot holen.
Alles das, was zu Beginn seiner Amtszeit noch sehr abstrakt klingt, möchte er nach und nach mit Leben füllen. „Wenn ich die Ergebnisse jetzt schon wüsste, wären meine Zielvorstellungen gewiss konkreter", ergänzt der passionierte Bergsteiger und Schiläufer. Das Anliegen nach „spiritueller Erneuerung", das bereits die letzte Provinzleitung auf den Weg brachte, trägt er voll und ganz mit.
Zudem türmen sich mit Blick auf die Zukunft der Gemeinschaft viele Fragezeichen vor ihm auf. Neue Dienste in und an der säkularen Welt? Neue Aufgabengebiete trotz sinkender Mitgliederzahlen? Welche Chancen eröffnen sich, wenn die Gemeinschaft kleiner wird?
Ein wesentlicher Grund, warum er Seelsorger geworden ist
Wichtigste Grundlage seiner Arbeit als Theologe und Therapeut ist und bleibt dabei die Kommunikation. Er nimmt den Mensch in den Blick - in dessen Beziehung zu anderen und zu Gott. An dieser Haltung wird sich für ihn auch als Vizeprovinzial nichts ändern. Ein wesentlicher Grund, warum er Seelsorger geworden ist. „Deshalb werde ich auch keine Möglichkeit auslassen, die einzelnen Niederlassungen und Mitbrüder kennenzulernen", erklärt er mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge.
Denn leicht fiel dem Mittfünfziger die Entscheidung nicht, die für ihn überraschende Wahl durch seine Mitbrüder anzunehmen. „Ich mache das, was ich jetzt tue, sehr gerne, aber gleichzeitig stirbt auch etwas für mich", betont er. Keine Therapiekurse mehr, keine Klienten mehr.
Seine „Liebe auf den ersten Blick", als die er professionelle Psychotherapie auf christlichem Hintergrund bezeichnet und die für ihn seit dem Noviziat in Untermerzbach zum Dreh- und Angelpunkt seiner pastoralen Arbeit geworden ist, muss er zwar nicht auf der Stelle und auch nicht gewaltsam aber doch zwangsläufig in den nächsten Jahren auf Eis legen.
Denn auch wenn seine „zweite" Ankunft in Friedberg - nach rund zwanzig Jahren und mit jeder Menge Berufserfahrung im Gepäck - diesmal auf direktem Weg gelang, sieht sich Pater Scharler immer noch auf der Suche. Und zwar nach Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen der Provinz.
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