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Aktuelles von den Pallottinern

P. Josef Fürbaß SAC ist im Alter von 97 Jahren verstorben


Limburg/Friedberg/16.04.2010 - Am späten Abend des 15. April 2010 ist der älteste Mitbruder unserer Provinz, P. Josef Fürbaß SAC, im Alter von 97 Jahren in seinem Zimmer auf der Seniorenstation des Missionshauses in Limburg verstorben. P. Fürbaß war fast 76 Jahre Pallottiner und 72 Jahre Priester.

Josef Fürbaß wurde am 17. August 1912 in Moselsürsch, Kreis Mayen, Diözese Trier, geboren. Sein Vater Josef war dort Lehrer. Nach dem Tod seines Vaters am 07. März 1919 musste seine Mutter Elisabeth, geborene Ludwig, mit ihren drei Kindern die Dienstwohnung verlassen; sie zog wieder zu ihren Eltern nach Limburg. Mit elf Jahren ging Josef Fürbaß nach Schönstatt ins Studienheim der Pallottiner und bestand im Frühjahr 1932 das Abitur in Oberlahnstein. Nach dem Noviziat in Olpe, verbunden mit den philosophischen Studien, legte er am 01.05.1934 seine erste Profess ab. Seine theologischen Studien absolvierte er in Limburg, wo er am 01.05.1937 seine Ewige Profess feierte. Am 25. März 1938 wurde er durch Bischof Antonius in Limburg zum Priester geweiht.

Am 02. September 1939 sollte er mit der „Patria" in die Mission nach Chile ausreisen. Der Ausbruch des Krieges tags zuvor verhinderte, den bereits belegten Schiffsplatz einzunehmen. Bei einer Hausdurchsuchung anlässlich der Devisenprozesse fand die Gestapo bei P. Fürbaß eine Notiz über Greueltaten von SS-Leuten in Polen und Russland. Ein Mitbruder, der auf Heimaturlaub war, hatte ihm dies berichtet und P. Fürbaß hatte es in Steno mitgeschrieben. Deshalb wurde er verhaftet und saß bis Mai 1940 im Gefängnis Frankfurt. Danach wurde er direkt zum Militär eingezogen und war in Polen, Frankreich und auf dem Balkan als Soldat eingesetzt.

Nach der Kriegsgefangenschaft in Schleswig-Holstein, kam er im Juli 1945 nach Limburg zurück. Im November 1945 wurde er in das Exerzitienhaus in Vallendar versetzt mit der Aufgabe, sich um die Jungmänner der Schönstattbewegung zu kümmern. Unvergessen ist bei vielen, die ihm in dieser Zeit begegnet sind, seine Begeisterung für eine marianische Lebensgestaltung und seine Freude, im Glauben an Gott leben zu dürfen. Im Herbst 1956 wurde er von den Obern gebeten, verstärkt in die Exerzitienarbeit einzusteigen. So war er vom Pallottihaus in Vallendar aus als Exerzitienmeister und Volksmissionar durch alle deutschsprachigen Gebiete unterwegs; besonders für viele Schwesterngemeinschaften hielt er über Jahrzehnte die Exerzitien und Einkehrtage. Gleichzeitig war er ein sehr gern aufgesuchter Beichtvater. Beliebt waren seine „Religiösen Freizeiten", die er zusammen mit P. Joachimsky, P. Fröhlich und den Pallottinerinnen im Pallottihaus Vallendar anbot.

Nach 52 Jahren Leben und Arbeiten im Pallottihaus folgte er in treuer Verfügbarkeit zum 15. November 1997 dem Ruf der Obern, in der Kommunität der Phil.-Theol. Hochschule zu leben und nach seinen Möglichkeiten Religiöse Freizeiten im Forum Vinzenz Pallotti anzubieten. Hier war er einer der guten Geister im Haus durch seine Beständigkeit bei den Gemeinschaftsgebeten und seinem Humor in der Rekreation. Immer noch sehr rüstig, aber mit klarem Blick für sein Alter, bat er zum 01. März 2000 darum, nach Limburg wechseln zu dürfen. Er wurde zum Seelsorger für die Seniorenstation ernannt und war wiederum als Beichtvater tätig.

In den letzten Monaten wurde P. Fürbaß körperlich immer schwächer, aber geistig blieb er rege und klar. Wenn Mitbrüder ihm prophezeiten, er werde doch sicher 100 Jahre alt, antwortete er immer mit dem Finger nach oben weisend: „ER weiß es!" Am Donnerstagabend spürte P. Fürbaß, dass die Kraft seines Lebens zu Ende geht. Er bat nochmals darum die heiligen Sakramente zu empfangen, die P. Werner Nakott SAC, sein Nachfolger als Seelsorger für die Seniorenstation, ihm als letzte Wegzehrung reichte. So ging friedlich und frohen Mutes P. Fürbaß seinen Weg in die Ewigkeit im Vertrauen auf Jesus Christus, den er zeitlebens mit großem Engagement verkündet hatte als die Hoffnung im Leben und im Sterben.

P. Fürbaß hatte ein sehr frohes Gemüt. Zuversicht ausstrahlend ging er gerade und zuverlässig seinen Weg und war so für viele Menschen ein Vorbild und ein Zeuge für die Lebenskraft, die der Glaube einem Menschen schenken kann. Davon zeugt auch sein publizistisches Wirken. Die Musik liebte er von Jugend auf. Er spielte gerne und gekonnt Klavier und Orgel. Als er 1940 durch das Geschick eines Rechtsanwalts wieder aus der Gestapohaft frei kam, war sein erster Weg in Limburg zur Orgel. „Dort spielte ich IHM mein Dankgebet" schreibt er in einem Bericht über seine Gefängniszeit. Die Musik war ihm wichtig, das gesungene Lob Gottes, das betonte er oft, „verstärkt den Glauben und wirkt doppelt in die Herzen hinein". So verwundert es nicht, dass P. Fürbaß 1946 den Kirchenchor St. Marien in Limburg mitbe­gründete und die ersten Chorproben leitete, bis Kapellmeister Teodor Lebeda die Leitung übernahm.

Seit seinem kriegsbedingten Aufenthalt in Paris liebte P. Fürbaß die französische Sprache, hielt zeitlebens Kontakt zu der Familie, bei der er als Soldat einquartiert war und las mit Begeisterung französische Literatur. Er lebte sehr bewusst aus der Spiritualität der immerwährenden Gegenwart Gottes, die das literarische Werk der französischen Mystikerin Gabrielle Bossis sehr stark prägt und deren Schriften ihm sehr wichtig waren. P. Fürbaß war mit großer Liebe und Hingabe Pallottiner. Er wollte gleich dem Gründer viele Menschen dafür gewinnen, der Liebe Gottes durch ihr Leben eine entsprechende Antwort zu geben und sich mit der Kirche zu engagieren, dass viele Menschen für dieses Apostolat gewonnen werden. Deshalb engagierte er sich auch über 50 Jahre im pallottinischen Laienverband.

Dankbar für seine frische, wache Art - bis in die letzten Stunden - Mitbruder und Seelsorger zu sein, feiern wir für ihn am Mittwoch, 21. April 2010 - dem 215. Geburtstag des hl. Vinzenz Pallotti - um 10.30 Uhr in der Marienkirche der Pallottiner in Limburg (Wiesbadener Str. 1) die Heilige Eucharistie. Anschließend geleiten wir ihn zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Friedhof des Missionshauses. Ich bitte alle Mitbrüder, unseres Verstorbenen dankbar zu gedenken, wie es in den Provinzstatuten vorgesehen ist. Jeder Priester feiere eine heilige Messe für unseren verstorbenen Mitbruder.

Friedberg, 16. April 2010

P. Hans-Peter Becker SAC, Provinzial


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