Aktuelles von den Pallottinern
"Von Christus sprechen, dass Menschen in ihrem Herzen berührt werden" - Symposion an der PTHV gibt Impulse zur Neuevangelisierung in Deutschland
Kardinal Walter Kasper wirft in seinem Vortrag nicht nur Fragen auf, wie Neu-Evangelisierung heute gelingen kann, sondern er gibt auch passende Antworten.
Vallendar/18.03.2010 - Die christlichen Kirchen in Europa - vor allem im deutschsprachigen Raum - stehen vor großen Herausforderungen: die Mitgliederzahlen sind rückläufig, die Gottesdienstbesucher werden weniger und selbst das Freiwilligen-Engagement in den Gemeinden lässt nach. Kardinal Walter Kasper bringt es auf den Punkt: „Europa droht ein postchristlicher Kontinent zu werden; für Gott scheint im Haus Europa kein Platz mehr zu sein." Eine Aussage, die eine Reaktion provoziert.
Doch wie lassen sich Menschen heute noch für den christlichen Glauben begeistern? Wie sehen erfolgreiche Beispiele aus, mit denen der Glaube weitergegeben und die christliche Gemeinschaft gestärkt wird? Wie kann Neu-Evangelisierung und christliche Mission heute noch gelingen?
Kardinal Kasper analysiert schonungslos aktuelle Krisenerscheinungen innerhalb der Kirche
Mit diesen drängenden Fragen beschäftigte sich in den vergangenen vier Tagen (15. bis 18. März 2010) ein hochkarätig besetztes Symposion in Vallendar, das das Kardinal Walter Kasper Institut an der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTHV) in diesem Jahr gemeinsam mit missio Aachen veranstaltete.
Den Antworten auf diese Fragen spürten zahlreiche Redner - von Kardinälen über Bischöfe, von Professoren bis hin zu Studenten - in ihren Beiträgen nach. Dabei wurde nicht nur theoretisiert, sondern auch praktische Erfahrungen ausgetauscht. Kardinal Kasper, der die derzeitigen Krisenerscheinungen innerhalb der Kirche schonungslos analysierte, forderte keineswegs, sich auf neue Methoden zu stürzen oder die Ausrichtung an modernen pädagogischen und psychologischen Einsichten. Das könne helfen, doch der Weg führe allein im Wissen um das Ziel.
Hat die ganze Welt im Blick: Der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Ivan Kardinal Dias, erklärt jedes Land auf dieser Erde de facto zum Missionsland.
Deshalb bedeute Neuevangelisierung vielmehr eine Rückbesinnung auf die Quelle, auf Christus, auf das Evangelium. „Es geht darum, ansprechend und zündend von Gott und von Jesus Christus zu sprechen, dass Menschen in ihrem Herzen und in ihrem Leben berührt werden", so Kardinal Kasper. Nur so könne die Kirche wieder zur Heimat für die vielen Fragenden und Suchenden werden.
Dazu braucht die Kirche Menschen, die sich das Evangelium als Lebensform angeeignet haben und mehr Zeugen als Lehrer sind. Der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Ivan Kardinal Dias, sprach in diesem Zusammenhang von einer Evangelisierung „ad intra": Sonst bleibe vom Christen nur der Name übrig.
Bischof Wanke: "Neue Auskunftsfähigkeit in Sachen Gottesglauben"
Dass „ständige Selbstvergewisserung" wie selbstverständlich zum Christsein dazu gehören muss, daran ließ Bischof Joachim Wanke aus Erfurt, als ein Vorreiter beim Thema Neu-Evangelisierung in Deutschland, keine Zweifel. Der Vorsitzende der im Januar dieses Jahres gegründeten „Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral" innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz machte sich für eine „neue Auskunftsfähigkeit in Sachen Gottesglauben" stark. Der Katholik von morgen müsse ein informierter sein.
Weitere Referenten an den vier dicht gefüllten Tagen waren Bischof Kurt Koch (Basel), Prälat Klaus Krämer (Missio Aachen) sowie die Professoren Eberhard Schockenhoff (Moraltheologie, Freiburg i. Br.), Thomas Söding (Neutestamentliche Exegese, Bochum), George Augustin (PTHV, Leiter des Kardinal Kasper Instituts) und Hubert Lenz (PTHV, Wege erwachsenen Glaubens). In der Reihe der Ehrengäste darf Kardinal Sterzinsky aus Berlin nicht vergessen werden, der erstmals an der Hochschule zu Gast war.
Auf großes Interesse - nicht nur von Seiten der Medienvertreter - stieß der erste Auftritt an der PTHV von Bischof Stephan Ackermann als Oberhirte des Bistums Trier zu Beginn der Tagung. Der Beauftragte der Bischofskonferenz für die Aufklärung der Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen forderte aus gegebenem Anlass zu einer „Reinigung des Gedächtnisses" auf, um wieder glaubwürdig(er) zu werden. Dies sei auch ein notwendiger Schritt in Richtung Neuevangelisierung.
Denn dass Kirche von ihrem Wesen her missionarisch ist, zeigten Bischof Koch und die beiden Theologen Söding und Schockenhoff dogmatisch, exegetisch und moraltheologisch auf. Grundlegend gehe es in der Erfüllung des Sendungsauftrages Jesu darum, als Kirche nicht in erster Linie um sich selbst zu kreisen, sondern das Heilsangebot Gottes den Menschen zu vermitteln, sie zu ermutigen ihren Lebensweg im Glauben zu gehen und dabei die von Gott geschenkte Liebe für ihr Handeln prägend werden zu lassen.
Erwachsenenkatechese dürfe nicht länger Kür sein, sondern Pflicht
Wie dies nun in den Pfarreien umzusetzen ist, davon berichtete Professor Lenz aus seiner langjährigen reflektierten Arbeit mit Glaubenskursen für Erwachsene. Für ihn ist es wichtig, dass Erwachsenenkatechese in der pastoralen Arbeit keine „Kür" mehr sein dürfe, sondern dass sie zum Pflichtprogramm werde. Ein Pfarreiteam aus dem schwäbischen Sindelfingen erzählte dann von einer Gemeindemission, die vor drei Jahren nach der Zusammenlegung von Pfarreien als „geistlicher Impuls" mit der Gemeinschaft „Emmanuel" durchgeführt wurde. Ein neues christliches Selbstbewusstsein entstand und sorgte dafür, dass sich die Gemeinde nicht nur nach innen erneuerte, sondern ebenso nach außen wirkte.
Professor Augustin, der letzte Doktorand von Kardinal Kasper und Dogmatiker an der PTHV, rundete die Veranstaltung mit einem Blick auf den heiligen Vinzenz Pallotti ab. Dabei zeigte er, wie sehr dieser römische Heilige bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine Vision von Kirche hatte, deren Umsetzung in das Hier und Heute seiner Ansicht nach Auftrag für uns alle sein müsse.
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