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"Für alle Menschen da - rund um die Uhr" - Krankenhausseelsorge im Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg


Schweigen und Zuwendung: Schwester Reginatas Hände sind zu ihren wichtigsten Instrumentarien geworden.

Bensberg/01.01.2010 - „Meine Hände wurden mir immer wertvoller". Dieser Satz aus dem Mund von Schwester Reginata Nühlen klingt beim ersten Hinhören paradox. Wechselte die Pallottinerin im Vinzenz Pallotti Hospital (VPH) in Bergisch Gladbach-Bensberg doch bereits vor dreißig Jahren aus dem „aktiven" Dienst als Krankenschwester in die eher „passive" Krankenhausseelsorge. Doch schnell wird deutlich, was sie damit meint: „Meine Instrumentarien sind nicht mehr Spritze und Tablette, sondern die kühlen Hände auf der heißen Stirn des Patienten." Gemeinsames Schweigen, Aushalten der Trauer, sensibel sein für die Bedürfnisse der Kranken und eben besagte Zeichen der Zuwendung schenken. Sr. Reginata hat dafür Formen der Seelsorge entwickelt, die in keinem Handbuch stehen.

Die Krankenhausseelsorge, die gemeinsam von ihr und Pallottinerpater Matthias Rummel geleistet wird, nimmt dabei immer den ganzen Menschen in den Blick - egal ob Patient, Angehöriger oder Mitarbeiter. Die beiden Seelsorger nehmen ihren Dienst wahr - von der Wiege bis zur Bahre. Auch wenn Eltern ihr Kind durch Fehl- oder Todgeburten verlieren, steht Sr. Reginata oft im Kreißsaal, beruhigt, spendet Trost und hilft Ängste aufzufangen. Dabei kommt ihr selbstverständlich das fachliche Wissen als gelernte Krankenschwester  zugute.

Sie begegnet den unterschiedlichen Bedürfnissen der betroffenen Menschen auf ihre Art. „Ich mache die Situation zum Gebet", sagt sie und beschreibt eindrucksvoll, wie sich aus Trauer und Tränen gute Gespräche untereinander und mit Gott entwickeln. Als Erinnerungszeichen an diese traurigen Momente überreicht sie den Paaren beim Verlassen der Klinik jedes Mal eine Kerze. Und häufig finden diese schon einige Monate später nach glücklicher Geburt wieder den Weg zurück.

Als das Hospital über den Dächern der Bensberger Innenstadt und mit traumhaft schönem Panoramablick auf den Kölner Dom vor mehr als fünfzig Jahren, am 7. Oktober 1958, in Betrieb genommen wurde, galt es unter den Kliniken Nordrhein-Westfalens als Vorzeigemodell. Nach mehrjähriger Planungszeit wurde das Vinzenz Pallotti Hospital von Kölns Erzbischof Joseph Frings im Dezember des gleichen Jahres eingeweiht.

Ins Gespräch vertieft: Pater Matthias Rummel im Raum der Stille in der Palliativ- und Hospizstattion des Vinzenz Pallotti Hospitals in Bergisch Gladbach-Bensberg.

Dass die Pallottinerinnen die Trägerschaft übernahmen, hat sich im Rückblick für beide Seiten als Glücksgriff erwiesen. Die Stadt freute sich über eine moderne Alternative für das alte Krankenhaus im Bensberger Schloss. Ebenso für die Pallottinerinnen. Diese suchten damals bereits nach Möglichkeiten, junge Ordensschwestern für den Pflegeberuf auszubilden und Missionarinnen auf Heimatbesuch eine solide medizinische Behandlung zu bieten. Nach und nach wuchs die Einrichtung: Krankenpflege-, Hebammen-, Elternschule, Kindertagesstätte, Schwesternwohnheim.

Aber auch die medizinische Konkurrenzfähigkeit des 250-Betten-Hauses musste immer wieder unter Beweis gestellt werden. Auf die Unfall-Ambulanz zu Beginn der achtziger Jahre folgten gegen Ende desselben Jahrzehnts die Aufstockung des Behandlungstraktes und die Intensivstation. Mit dem Neubau der Palliativstation und des Hospizes, der im Januar 2000 durch Kardinal Joachim Meißner eingeweiht wurde, setzt das VPH neben der renommierten Geburtshilfe und der Abteilung für Inneres einen weiteren Schwerpunkt in der Versorgung schwerkranker und sterbender Patienten.

Wie für den heiligen Vinzenz Pallotti die ganzheitliche Sorge um den Menschen - war er krank oder gesund - im Vordergrund stand, atmet auch das Hospital, das seinen Namen trägt, den Geist dieser menschenfreundlichen Spiritualität. Doch nicht allein eine Kapelle und der Raum der Stille auf der Palliativstation machen das VPH zu einer katholischen Einrichtung, in der die grenzenlose Liebe Gottes erfahrbar werden soll. Es sind vor allem die Menschen, die sich hier Tag für Tag begegnen, begleiten und beheimatet fühlen.

Dabei ist eines hin und wieder besonders von Nöten: Fingerspitzengefühl. Das weiß auch Pater Rummel. Nach Stationen in Olpe, Limburg und Vallendar Ende 2007 als Nachfolger von Pater Klaus Brauner in sein neues Amt eingeführt, hat er sich an seiner neuen Wirkungsstätte inzwischen gut eingelebt. „Der Dienst an den Menschen hier im Hospital ist zwar anspruchsvoll, aber auch sehr schön", erzählt der Pallottinerpater.

Im Gegensatz zur Jugendarbeit, die er an den beiden Jugendbildungshäusern auf der pallottinischen Deutschlandkarte selbst lange Zeit hautnah erlebte, sei es hier immer Ernstfall, berichtet der erfahrene Seelsorger. Dies ging für ihn sogar soweit, dass er trotz seines „jugendlichen Alters" einen achtwöchigen Grundlagenkurs Krankenhausseelsorge in der Caritas-Akademie absolvieren musste, fügte der Pater mit einem Lächeln auf den Lippen hinzu.

Doch rasch wird aus Humor wieder Ernst, als er von seinem einprägsamsten Erlebnis in der Klinik spricht: Eine Frau, krebskrank, niedrige Lebenserwartung. Pater Rummel führte gemeinsam mit ihr und ihrem Mann intensive Gespräche über den Tod, die Wünsche für die Beisetzung, den Glauben an das ewige Leben. Alles war geregelt. Nur nicht, dass der Mann seiner Frau durch Suizid zuvorkam. Die Nachricht kam plötzlich und völlig unerwartet. Viele Fragen, kaum Antworten.    

Für die schwerkranke und zurückgelassene Frau „die Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes erfahr- und berührbar werden zu lassen" - gleichsam die Richtschnur für Pater Rummel als Krankenhausseelsorger - fällt in solchen Momenten sicher schwer. Dennoch wird er nicht müde, „Trost, Ermutigung und Kraft zu schenken" - auch und gerade in solchen Grenzsituationen menschlichen Lebens. Zwei Wochen nach ihrem Mann starb auch die Frau.

Solche Momente sind es, die das seelsorgliche Gespräch zur Kunst werden lassen. Die Krankenhausseelsorge wird dabei zu einem wichtigen Glied in der Kette, das den oft von Leid, Kummer und Sorgen geprägten Alltag im Krankenhaus mit Hoffnung erfüllt. Das Signal, das die beiden Seelsorger durch ihre Präsenz aussenden ist klar und deutlich: „Kirche begleitet und ist für alle Menschen da - und zwar 24 Stunden rund um die Uhr".  


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