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Aktuelles von den Pallottinern

Nicht nur guter Wein, sondern auch Pallottis zweite Heimat - Papst Paul VI. kam 1963 zu einem Spontanbesuch nach Frascati, um den neuen Heiligen zu ehren


In der Kirche del Gesù feierte Vinzenz Pallotti 1818 seine erste Heilige Messel als Priester.

Frascati/Rom/31.07.2012 - An kühlen Weißwein denkt, wer Frascati hört. Die Stadt hat dem edlen Getränk ihren Namen gegeben. Und viele Touristen oder Rom-Pilger kommen jährlich, um eben diesen Wein vor Ort zu genießen. Dazu gehört gutes Brot und Spanferkel. Wie die alten Römer lieben auch heute Menschen diesen Ort, der zu den Castelli Romani gehört und im heißen Sommer so gut tut.

Am 15. Juli kam Papst Benedikt XVI. aus seiner acht Kilometer entfernten Sommerresidenz in Castel Gandolfo hierher, um auf dem Domplatz mit unzähligen Gläubigen den Sonntagsgottesdienst zu feiern. Man kann nur spekulieren, warum sich Benedikt diesen Termin in seine Ferien gelegt hat. Eingeladen hat ihn der Bischof von Frascati, Raffaelo Mastinelli. Der hat aber noch einen Bischof »über sich«. Frascati gehört nämlich zu den sieben suburbikarischen Bistümern rund um Rom. Deren Bischöfe hatten in der frühen Zeit der Kirche eine besondere Rolle als Hilfskräfte des Papstes. Sie waren sozusagen die ersten Kardinäle. Darum ist bis heute ein Kardinal »Ehrenbischof«.

Gute Erinnerungen an das Jahr 1963

Frascati hat den Vorzug, dass es meist der Kardinalstaatssekretär ist, derzeit der Salesianer Tarcisio Bertone. Ob er die Einladung an Benedikt mitunterzeichnet hat? Was sicherlich nicht unbedeutend ist: Bertone, Mastinelli und der Papst kennen sich gut aus gemeinsamer Zeit in der Glaubenskongregation. Man ahnt also den Hintergrund des päpstlichen Juli-Termins. Denn ein Papst verlässt nicht allzu oft Castel Gandolfo, um sich in anderen Orten der Albaner Berge zu zeigen.

Die pallottinische Familie denkt 49 Jahre zurück. Damals verließ Papst Paul VI. überraschend am 1. September 1963 sein Sommerdomizil und kam in den Dom von Frascati. Eine Marmortafel rechts neben der Apsis erinnert bis heute daran. Er wollte den neuen Heiligen ehren, Vinzenz Pallotti. Dieser war von Johannes XXIII. am 20. Januar in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen worden. Aus diesem Grund hielt man in Frascati ein Triduum. Aus Rom war der gläserne Sarkophag mit Pallottis priesterlich gekleidetem Leichnam in den Dom gebracht worden.

Vinzenz Pallotti (1795 bis 1850) hatte zu seinen Lebzeiten oft den Weg in die Albaner Berge genommen. In Frascati lebte die Familie seines Onkels; hier hatten Pallottis selbst Anteile an Weinlagen. Mit seinem Lieblingsvetter Franziskus streifte er gerne durch die Weinstöcke, aß von den frischen Trauben und diskutierte über Philosophie und Theologie. Leider konnte Franziskus seinen Wunsch, Priester zu werden, aus gesundheitlichen Gründen nicht umsetzen. Sein Sohn Alois wurde Priester und sogar Kardinal.

Am 17. Mai 1818 feierte Pallotti in der Kirche del Gesu unweit des Doms seine Primiz. Die Familie und die Freunde waren stolz. Leider ist nicht überliefert, wo und wie man nach dem Gottesdienst gefeiert hat. Ins Kloster der Kamaldulenser, seit dem 17. Jahrhundert am Ortsrand Frascatis und vor 1870 auch Sommeraufenthalt vieler Päpste, zog Vinzenz sich oft zurück, aus gesundheitlichen Gründen und vor allem um seine Gedanken über seine Gründung zu ordnen und zu verschriftlichen. Frascati war für Vinzenz Pallotti eine zweite Heimat. Darum verwunderte es nicht, dass die Stadt ihm nach seiner Heiligsprechung die Ehre eines Triduums erwies. Und dazu kam sogar der Papst.

Vielen war zu diesem Zeitpunkt Paul VI. ein eher noch Unbekannter. Erst wenige Wochen stand er in den roten Schuhen des Fischers. Die ersten Sitzungen des Zweiten Vatika nums hatte er aufmerksam verfolgt und mitgestaltet. Er sollte dieses Konzil nun zu Ende bringen und mit der Umsetzung der Beschlüsse beginnen. Es heißt, Paul VI. habe in Frascati eine freie Predigt gehalten. Sie wurde wohl mitgeschnitten; oder gab es doch einen Text?

Vom Glück der Berufung

Es wird jedenfalls ein Text überliefert, der dem Eindruck entspricht, den die Zuhörenden damals hatten. Erstmals würdigte ein Papst öffentlich die »Entdeckung« Vinzenz Pallottis der Verantwortung aller Getauften für ihren Glauben.

Das Kloster der Kamaldulenser, in das sich Pallotti früher oft zurückgezogen hat.

Die Sprache ist nicht mehr die unsere; die Verhältnisse in Kirche und Gesellschaft haben sich in 50 Jahren sehr verändert. Die Idee des Laienapostolates hat sich weiter entwickelt. Was Paul VI. deutlich macht, ist, dass Laien nicht der verlängerte Arm des Klerus sind in ihrem Wirken in Kirche und Gesellschaft, sondern ihr Engagement leisten aus »der Tatsache, dass der Laie Christ ist«. Paul VI. fügt an: »Wenn ich Christ bin, dann muss ich das Glück meiner Berufung freudig bekennen.

«Der Papst erwartet vor allem den Einsatz der Getauften für eine bessere Welt, die er - fast pessimistisch - sehr gefährdet sieht. Da Päpste inzwischen viel reisen und in den Medien präsent sind, können wir uns heute den Eindruck kaum noch vorstellen, den der Kurzbesuch des damals neuen Papstes Paul VI. machte. Das war eine große Ehre für die im Zweiten Weltkrieg so gebeutelte Stadt Frascati. Das war eine Ehre für die Pallottiner und die ganze pallottinische Familie. Das war höchste Anerkennung für die Kirchenidee Vinzenz Pallottis.

Ob man Benedikt XVI. auf der Fahrt von Castel Gandolfo nach Frascati von dem Papstbesuch 1963 erzählte? Er wird nicht wissen, dass die Kirche, auf die er vom Domplatz aus rechterhand schaut, die Primizkirche Pallottis und dass im Dom dessen Onkel beigesetzt ist. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass der Pontifex den Christen vor Ort und via Medien den Rücken gestärkt hat für ihr Engagement aus dem Glauben. Dass er, um mit Pallotti zu sprechen, Glauben vertieft und verlebendigt.

Benedikt ist nach der hl. Messe zum »Engel des Herrn« zurück nach Castel Gandolfo gefahren. Dann wird er dort wohl auch zu Mittag gegessen haben. Den Besitzern der Restaurants und Trattorien in Frascati wird das vermutlich egal sein. Sie hatten am 15. Juli - wie so oft - volles Haus und die Menschen genossen die gute Küche, besonders eben den Weißwein, gekühlt.


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