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Impuls zum Leben - Bedürftige helfen Bedürftigen: Das Nachbarschaftsprojekt „Pallotti-Mobil“ in Berlin-Neukölln stärkt Selbstwertgefühl und Teamfähigkeit


Für die Frauen und Männer, die für das Projekt "Pallotti Mobil" im Einsatz sind, steht am Ende des Tages eine positive Bilanz zu Buche.

Berlin/22.05.2012 - Jeder Mensch ist be­dürftig, und jeder Mensch hat Stärken. Dieser Erkenntnis fol­gend ist 1998 das Projekt „Pal­lotti-Mobil“ innerhalb der Pfarrei St. Christophorus in Berlin-Neu­kölln – initiiert durch die pallottinische Gemeinschaft vor Ort – entstanden. Das Konzept des Vereins: Bedürftige helfen Bedürftigen.

Der Arbeitstag beginnt bei Pallotti Mobil mit einem „Impuls zum Le­ben“. Sieben Frauen und Männer, manche in farbbeklecksten Hosen, andere mit Kittelschürze, stärken sich erst einmal mit einem Kaffee und tauschen Neuigkeiten aus. Es sind Langzeitarbeitslose, durch Suchtkrankheiten sozial Gefährdete oder eine Geldstrafe durch Arbeit ableistende Neuköllner. Andere en­gagieren sich ehrenamtlich bei Pal­lotti-Mobil, zum Beispiel Senioren, die ihre Erfahrungen und Fach­kenntnisse zur Verfügung stellen.

Dann kommt „Kalle“, wie sie Pa­ter Karl Hermann Lenz nen­nen. Der Pallottiner beginnt den Morgenimpuls mit einem Zitat von Harry Belafonte. Der Sänger sagt, es lohne sich, sich für eine Sache ein­zusetzen, die größer ist als man selbst. „Wenn Ihr den Umzug macht für eine Frau, die aus einer Gewalt­situation raus muss, dann ist das eine Sache, die größer ist als Ihr selbst“, erklärt der Pater. Die Pallotti-Mobil-Mitarbeiter nicken ernst. Dabei se­hen manche von ihnen so aus, als brauchten sie selbst Menschen, die sich für sie einsetzen.

Sich für andere stark machen, gibt dem eigenen Leben Sinn. Durch sinnvolle Aufgaben und eine gere­gelte Tagesstruktur sollen Menschen, deren Biografie Brüche aufweist, emotional stabilisiert werden. Bei Umzügen helfen, Wohnungen re­novieren, Reparaturen ausführen – die Hilfseinsätze für andere bedürf­tige Menschen stärken das Selbst­wertgefühl: „Ich kann etwas, und ich helfe anderen damit.“

Die tägli­che gemeinsame Arbeit schult auch die Teamfähigkeit. „Wir sind hier wie eine Familie“, bringt es Gabri­ele (Name von der Redaktion geändert) auf den Punkt. Sich selbst nennt die 46-Jährige einen „Härtefall“: als Kind vergewaltigt, später glücklos im Beruf, nun arbeitslos. Über das Jobcenter ist sie für neun Monate bei Pallotti-Mobil eingestellt. „Ich freu mich total, dass ich hier gelan­det bin. Hier werde ich aufgefangen, wenn’s mir mal nicht gut geht.“

Nach dem Morgenimpuls teilt der Geschäftsführer von Pallotti-Mobil, Br. Klaus Schneider, die Arbeit ein. Handwerker Gerd wird in einer Zu­fluchtswohnung für Frauen ge­braucht; dort droht ein Bett zusam­menzubrechen. Sandra und Regine fahren zur Wohnung einer alten Dame, die renoviert werden muss. „Kranken, alten und verarmten Menschen oder von Gewalt betrof­fenen Frauen wird so eine bessere Wohnsituation ermöglicht“, erläu­tert Br. Schneider. Dabei ar­beitet Pallotti-Mobil mit Pflegediens­ten, Frauenhäusern, Kiezinitiativen oder Beratungsstellen zusammen. Die Kosten für die Einsätze trägt zum Teil das Grundsicherungsamt; vieles wird durch Spenden möglich.

Und oft sei es weit mehr als nur handwerkliche Hilfe, berichtet Br. Klaus Schneider. Pallotti-Mobil hole Menschen für eine gewisse Zeit aus ihrer Isolation. „Erst einmal wird Kaffee gekocht, erzählt und zuge­hört, bevor für den alkoholkranken Mann der Umzug ins Heim gemacht wird. So kann er spüren: Ich bin nicht allein. Es gibt Menschen, die kümmern sich um mich.“

„Das war harte Arbeit, die Woh­nung war total versifft“, berichtet Sandra. Sie ist dabei, die Küche der alten Frau auszumisten. Die gelernte Verkäuferin leistet eine Geldstrafe ab. Die Arbeit gefällt ihr, „weil man sieht, was man schafft“. Und weil sie die Freude derer sieht, denen sie hilft. Beim letzten Einsatz habe sie beim Sanieren einer Wohnung mit­gearbeitet, in die eine junge Mutter aus dem Frauenhaus einziehen konnte. „Es war total schön zu se­hen, wie glücklich sie über ihre neue Wohnung war.“

Text: Juliane Bittner / Bild: Pallottinische Gemeinschaft Berlin 


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