Aktuelles von den Pallottinern
Pallottiner im Porträt: In »Zwölf Apostel« fing alles an - Sammlung, Sendung und Begleitung sind für P. Wolfgang Held wichtige Eckpfeiler seines Lebens
Der Gedanke vom Laienapostolat und die Verehrung Marias als Königin der Apostel wirkten auf Pater Wolfgang Held berufungsfördernd.
Augsburg/09.01.2012 - Um es gleich zu sagen, noch einmal erhält Pater Held die Erlaubnis nicht, während eines Gesprächs sein Handy bereitzuhalten. Der Anrufe gibt es viele, weil viele den Priester und Seelsorger sprechen wollen. Und man spürt sogleich die Erfahrung auf das Wesentliche zu kommen und – da gerade selbst im Gespräch – einen konkreten Rückruftermin auszumachen. Offene Vertröstungen gibt es nicht. Auf Pater Wolfgang Held kann man sich verlassen.
Zugegeben, in Augsburg-Hochzoll, in der Pfarrei »Zwölf Apostel« fing nicht alles an. Das ganz normale Leben von Pater Held fing 1947 in Rottenburg an. Die Familie war ihm ein gutes Nest. Doch sein Glaube wurde wesentlich mitgeprägt von der Gemeinschaft der Franziskaner an der Wallfahrtskirche Weggental. Hier war er gerne Ministrant und Lektor. Hier feierte er seinen Glauben während seiner kaufmännischen Lehre und seiner Arbeit bei der AOK Tübingen.
Alle seine Freundinnen und Freunde kannten seine geistliche Heimat. Hier hat er auch gelernt, Rosenkranz zu beten. Das Gesätz »Den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast« spricht ihn besonders an. Irgendwann weiß Wolfgang Held, dass er Priester werden will. Ermutigt auch durch eine Neujahrspredigt, als Bischof Leiprecht begeistert vom Zweiten Vatikanischen Konzil spricht.
Von Franziskus zu Pallotti
Aber in seinem Alter noch studieren und Priester werden? Die Franziskaner erzählen ihm vom Spätberufenenseminar St. Josef der Pallottiner auf dem Hersberg bei Immenstaad am Bodensee. Das hätten sie mal besser nicht getan, denn jetzt verloren sie gleichsam einen ihrer treuesten Freunde.
1967 geht Wolfgang Held auf den Hersberg und macht dort 1972 das Abitur. Es bleibt nicht aus, dass der religiös interessierte junge Mann neben der Schularbeit die Pallottiner und ihre Spiritualität »beobachtet«. Er lernt sie schätzen. Der Gedanke des Laienapostolates, der gerade nach der Konzilszeit eine große Rolle einnimmt, und die Verehrung Marias als Königin der Apostel, spricht ihn an. Gemeint ist der Blick in das Zönakel, das Obergemach, in dem Maria und die Apostel um den Heiligen Geist beten, um sich dann von ihm senden zu lassen, die Botschaft des Auferstandenen in der ganzen Welt zu künden.
Vielen Menschen ist Pater Held im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zu einem wichtigen Wegbegleiter geworden.
Sammlung und Sendung werden für den Spät-Schüler wichtige Stichworte seines weiteren Weges. 1972 geht Wolfgang Held in das Noviziat der Pallottiner im fränkischen Untermerzbach. Der Novizenmeister, P. Hans Buob, festigt durch seine Art der Noviziatsleitung die »Zönakel-Spiritualität« des Rottenburgers, in der auch der hl. Franz seinen Platz hat, war doch Vinzenz Pallotti ein großer Verehrer des Heiligen aus Assisi.
Nach der Priesterweihe 1978 und dem Pastoraljahr in Augsburg St. Elisabeth ist Pater Held sechs Jahre lang Erzieher in Freising, wo die Pallottiner damals noch ein Internat hatten. Die Arbeit macht ihm zwar Freude und schenkt Erfüllung. Er weckt in den Schülern in ihrer Freizeit die kreativen Kräfte, bastelt Marionetten (wunderbare Exemplare zieren heute noch die Wohnung von Pater Held) und macht Musik. Doch seine Vorliebe für gemeinsames Gebet, gemeinsames Lauschen in die Hl. Schrift, das Erkennen der jeweiligen Sendung, diese Vorliebe liegt brach. Gut, dass es den ökumenischen Frauengebetskreis gibt, der gerne und oft den Pallottiner als Vortagsgast einlädt.
Von Freising nach Friedberg
Von Freising sendet die Provinzleitung den emsigen Pater nach Friedberg, als Kaplan in die Pfarrei St. Jakob. Mit leuchtenden Augen erzählt Pater Held von dieser Zeit, von der engagierten Jugend, die er dort erlebt, von neuen Kreisen, die sich sammeln zur Gottesdienst-Vorbereitung, zum Taizé-Gebet, zu Besinnungstagen, zu Musik und Gesang.
Nach drei Jahren darf er auf eine Insel, nach der er sich lange gesehnt hatte. Fünf Monate verbringt Pater Wolfgang Held in der »Jüngerschule Maihingen«, wo er übrigens auch wieder auf Pater Buob trifft. Gemeinsames Gotteslob, Bibellesung, Stille, die Frage nach Gott im alltäglichen Leben – all das bewegt und erfüllt ihn. 1989 ist Pater Held bei Anruf des Provinzials bereit, die geistliche Insel zu verlassen, und Pfarrer zu werden – in Augsburg-Hochzoll, in der Gemeinde »Zwölf Apostel«.
1961 war die Pfarrei dort in einem schnell wachsenden Wohngebiet gegründet und den Pallottinern übertragen worden. Der damalige Bischof bestimmte das Patronat und den Architekten, der das neue Pfarrzentrum mit Kirche erbauen sollte. Pater Anton Zeller, der erste Pfarrer, begleitete den inneren und äußeren Aufbau der Gemeinde mit persönlicher Kraft und pallottinischem Charisma. Kaplan war zeitweilig Pater Hans Buob. Der Wiener Architekt Clemens Holzmeister schuf ein Zentrum, das Mitte der gesamten Pfarrfamilie wurde.
Gottesdienste, in denen der Zelebrant Pater Held die Gläubigen mit seiner Freude und Begeisterung anstecken möchte.
Mitte des Zentrums ist die Kirche, deren Fassade von zwölf Kreuzen geschmückt ist, die an die zwölf Apostel erinnern und an die Grundlage jeden Gemeindelebens, wie es die Apostelgeschichte 2,42 beschreibt: »Sie hielten fest an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.« Zwölf plus zwölf Stufen führen in die Kirche, die an die zwölf Stämme Israels und wieder die Apostel denken lassen. Pater Held interpretiert das so: »Wer in diese Kirche geht, lässt sich auf Gott und sein Wirken heute ein. Der ganze Bau lädt dazu ein: Macht mit Gott Erfahrungen, die tragen im Alltag. Er sagt, was ein Apostel ist, was ein Christ ist: Letztlich ein Sämann des Wortes Gottes«
Mehr als 150 Gebetskreise
Damit spielt der langjährige Pfarrer von »Zwölf Apostel« auf die Zahl der Säulen und den Inhalt der zwölf Fenster an. In diesen geht es um das Gleichnis Jesu vom Säen und vom Samenkorn. Übrigens: Die Pallottiner wirkten bis 2004 in dieser Pfarrei. Wieder leuchtende Augen von Pater Held, als er von der Pfarrarbeit in Hochzoll schwärmt. Es gab ungeheuer viel engagierte Christen in der Pfarrei in vielerlei Gruppen. Das Bistum wird auf ihn und die Gemeinde aufmerksam. Pater Held werden pastorale Kräfte zur Seite gestellt und es macht ihm bei aller Arbeit Freude, sie in die Welt der konkreten Seelsorge einzuführen und zu begleiten.
Neben Sammlung und Sendung wird Begleitung zum immer stärkeren Stichwort des Lebens von Pater Wolfgang Held. Über die Pfarrgrenzen hinaus wird er zum Ansprechpartner von Gebetsgruppen besonders aus der Bewegung der sogenannten Charismatischen Erneuerung (CE). Das Bistum Augsburg spürt die Kraft dieser Bewegung und, dass P. Held ein guter Seelsorger, Animateur und Begleiter ist. Er bekommt das Angebot, diese Arbeit hauptamtlich zu tun. Nach 15 Jahren die Pfarrarbeit aufzugeben, fiel ihm nicht leicht, doch die neue Aufgabe reizte. »Es war jetzt dran«, sagt er nüchtern.
Der Pallottinerpater ist neben seinen vielen Verpflichtungen ein stets gefragter und beliebter Vortragsgast.
So ist Pater Wolfgang Held heute der Diözesanbeauftragte für die Charismatische Erneuerung in der Diözese Augsburg und zugleich ihr Sprecher. Es gibt mehr als 150 Gebetskreise im Bistum. Einmal in der Woche trifft man sich zum Lobpreis Gottes, zu Bibellesung, Fürbitte und gegenseitigem Austausch. Geleitet wird das Ganze von einem 14-köpfigen Diözesanteam, das ein Gremium von drei Sprechern wählt, dessen erster eben Pater Held ist. Er besucht im Bistum die Gruppen, die Leitertreffen, hält Kontakte, feiert Gottesdienste, gibt Besinnungstage und Exerzitien. Der Schwabe ist eben nicht allein ein frommer, sondern auch ein fleißiger Mann. Es macht ihm Freude, zu erleben, wie Menschen spüren dürfen, »dass Gottes Geist sie führt, dass Gott ein wirkliches Du ist, mit dem der Einzelne Gemeinschaft hat«.
Dem Seelsorger Held ist das Gebet mit und für Menschen mit Problemen »und wer gehört nicht dazu?« besonders wichtig. Hier lebt er sein pallottinisches Charisma, Menschen zu begleiten auf dem Weg ihres Glaubens, »für andere da zu sein und segnend zu helfen«. Und freut sich auf jeden ersten Dienstag und jeden dritten Freitag im Monat. Da spricht er mit der Gruppe und feiert die hl. Messe in »Zwölf Apostel«.
Alexander Holzbach
erschienen in: KA+das zeichen (Januar 2012)
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