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„Kommt und seht: Gott ist hier!“

von P. Christian Stumpf SAC


Samstagabend in einer der Kirchen Bruchsals: Die Band der Gemeinde singt Lieder aus Gregor Linßens Messe „Kommt und seht“ - passend zu den Worten Jesu, der die ersten Jünger auf ihre Frage „Wo wohnst du?“ einlädt, mit ihm zu kommen (vgl. Joh 1,35-39), um sich selbst ein Bild davon zu machen, was er sagt, wie er mit Menschen umgeht und welche Gedanken ihn beschäftigen. Was hat die beiden Jünger an Jesus fasziniert? Warum sind sie ihm gefolgt?

Junge Erwachsene aus dem Dekanats-Jugendgottesdienst-Team legen in diesem Gottesdienst Glaubens-Zeugnisse ab. Sie teilen uns mit, wie sie Gott begegnet sind, wie er sie im Alltag anrührt und wie er ihnen Kraft gibt, ihr Leben gut zu gestalten.

Eine junge Krankenschwester erzählt, dass sie sich bei den schönen, aber auch schwierigen Erfahrungen im Krankenhaus von Gott getragen fühlt, dass er ihre stillen Stoßgebete im Alltag hört und ihr Kraft gibt, etwas von ihrem Glauben an die Patienten weiterzugeben: Nicht durch große Worte, sondern durch ihr beherztes und offenes Handeln.

Ein älterer Schüler teilt den Gottesdienstbesuchern mit, dass Glaube für ihn vor allem Vertrauen und Geborgenheit bedeutet. Dass Beten für ihn ein Gespräch mit Gott ist, der ihn annimmt wie ein guter Freund, so wie er ist – dass er seine Sorgen hört und ihm hilft, immer wieder den nächsten Schritt zu machen: Seine Aufgaben in der Schule, bei den Ministranten oder im Verein wahrzunehmen und dabei noch Freude und Ermutigung zu spüren.

Und da ist noch die junge Studentin, die uns erzählt, wie wunderbar für sie die Erfahrung ist, dass jeder Mensch ein Puzzleteil im großen Bild ist, das Gott mit uns zusammenlegt: Dass er einen Plan mit uns hat, mit jedem Einzelnen und mit der ganzen Welt. Mit anderen Studenten hat sie an der Uni einen Gebetskreis gegründet, weil ihr Gemeinschaft  wichtig ist und weil sie sich mit anderen im Beten, Singen und Reden mit Gott verbinden möchte. Dabei ist es ihr ziemlich egal, welcher Konfession oder Religion die anderen Studenten angehören – als einzige Katholikin fühlt sie sich in dieser Gruppe wohl und von Gott getragen, da er alle und alles miteinander verbindet.

Und ich als Priester, der eigentlich heute im Gottesdienst nicht so viel zu sagen hat, sondern in allem hinter diesen drei „Glaubenszeugen“ steht, spüre sowohl Demut als auch Stolz: Selten sah ich eine Gemeinde, die der „Predigt“ so offen und gebannt lauschte. Die jungen Menschen haben hier etwas zu sagen und sie spüren die Einladung Gottes, die G. Linßen in seinem Lied ausdrückt: „Kommt und seht! Über uns steht ein guter Stern. Kommt und seht, Gott ist hier!“

Es ist übrigens Johannes dem Täufer, der die beiden Jünger auf Jesus hinweist, so dass sie ihm neugierig folgen. Passend daher der Jugendgottesdienst einen Tag später im Paulusheim: Jugendliche richten den Kirchenraum her, stellen Stühle auf. Die Jungs der Firmgruppe schleppen Bänke auf den Vorplatz der Kapelle, stellen Tische mit Stockbrotteig und Getränken auf, sind im wahrsten Sinn des Wortes mit „Feuer und Flamme“ dabei, das „Johannesfeuer“ vorzubereiten.

Währenddessen machen die aus verschiedenen Gemeinden zusammengewürfelten Musiker eine erste und letzte gemeinsame „Spontanband-Probe“. Dann kann der Gottesdienst „Johannes, der Täufer - Leben in der Wüste“ beginnen. Hier sind die Jugendlichen auch wieder selbst dran: Mit Rollenspiel, Umsetzung der Ratschläge des Johannes für ihr eigenes Leben und selbst formulierten Fürbitten bringen sie anderen Jugendlichen näher, was Johannes uns auch heute noch zu sagen hat (vgl. Lk 3,10-14).

Nach der Jugendmesse findet auf dem Vorplatz die Segnung des Johannesfeuers statt. Dann grillt man Stockbrot und Marshmellows, sitzt beieinander und erzählt. In einer Ecke bildet sich spontan eine Gruppe, die Lieder singt, Erfahrungen austauscht und ganz viel miteinander lacht. Sie lassen das EM-Spiel sausen, sind bis zuletzt da zum Aufräumen, setzen sich nochmal in den Meditationsraum und singen weiter: „Kommt und seht, über uns steht ein guter Stern, kommt und seht: Gott ist hier!“


Über P. Christian Stumpf SAC

Der Autor ist Schulseelsorger im Paulusheim in Bruchsal und Dekanatsjugendseelsorger.


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