Logo

"Es gibt auch Wichtigeres als Fußball"

von Nicolas Schnall


Die Enttäuschung bei Spielern, Vereinsführung und Anhängern des FC Bayern München war riesengroß, als in der vergangenen Woche der Traum vom Champions League-Sieg beim "Finale dahoam" zerplatzte. Kein Wunder: Gab es in den Wochen zuvor doch kaum ein anderes Thema als dieses fußballhistorische Großereignis in Bayerns Landeshauptstadt. Die Fallhöhe wurde so dermaßen hoch geschraubt, dass der Aufprall brutal hart sein musste.

Abgefedert und geerdet wurde dieser jedoch sogleich durch Worte des Bayern-Stürmers Thomas Müller, der durch den Führungstreffer kurz vor Schluss beinah zum Helden des Abends geworden wäre. "Es gibt auch Wichtigeres als Fußball", gab er unter dem frischen Eindruck der Niederlage vor dem Mikrofon zu Protokoll. Eine Aussage, die nachdenklich stimmt. Mag sie vordergründig noch so banal und selbstverständlich klingen. Führt sie uns doch eindrucksvoll vor Augen, dass es sich bei aller Euphorie vor und bei aller Trauer auf Seiten des Verlierers nach dem Finale nur um ein Spiel handelt.

Zugegeben: Ein Spiel, das Menschen auf der ganzen Welt verbindet, Grenzen vielfach positiv überwindet und Einheit in der Vielfalt schafft. Und dadurch eine Wirkung entfaltet, die man von ihrem Ursprung her als eine pfingstliche bezeichnen könnte. Wo der Heilige Geist jedoch besseres zu tun hat, als Arjen Robbens und Bastian Schweinsteigers Schüsse beim Elfmeter ins Tor zu lenken.

Immer wieder hörte man in diesen Tagen das geflügelte Wort "Kraft aus der Niederlage ziehen". Ein Bild, das meines Erachtens treffend das Pfingstgeschehen beschreibt. Haben wir es doch auch hier mit Frauen und Männern zu tun, denen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und die auf einen Schlag neuen Mut fassten - beflügelt durch den Heiligen Geist. Auch heute kann die Feier des "Geburtstags der Kirche" und das Gebet um den Geist Gottes uns Menschen als Kraftspender (Lk 24,49) dienen. Dazu bedarf es noch nicht einmal eines Wunders, schon gar keines auf dem Fußballplatz.

So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern an dieser Stelle ein frohes und geistreiches Pfingstfest, allen Fußball-Fans eine Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, die pfingstlich wirkt!


Über Nicolas Schnall

Der Autor ist Theologe und Journalist und als Referent für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Pallottiner in Deutschland und Österreich zuständig.


Ihre Meinung zu dieser Kolumne

Schreiben sie doch eine E-Mail an die Redaktion: kolumne@pallottiner.org


Weitere aktuelle Kolumnen

20. April 2014 Gottes Osterbotschaft – unser Exsultet
von Sr. Astrid Meinert SAC
lesen
13. April 2014 Jesus – gefährlich?
von P. Christoph Lenz SAC
lesen
06. April 2014 Darf´s etwas "mehr" sein?
von Stephanie Kersten
lesen

Alle Kolumnen im Überblick

Weitere Aktionen