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Den Blick auf das Heute und Morgen richten

von fr. Matthias Terhorst


Wer von Ihnen einmal in Salzburg war, sieht auf eine einprägsame Art und Weise, wie hier der Kulturraum durch die Kirchen geprägt ist. Schaut man auf die Kulturdenkmäler, der von der Altstadtkommission penibelst überwachten Altstadt, könnte man auf den Gedanken kommen, dass hier die Kirche immer noch eine ganz klare und führende gesellschaftliche Rolle einnimmt.

In gewisser Art und Weise trifft das auch zu. Zahlreiche und manchmal unzählige Touristenmassen aus sämtlichen Ländern strömen durch Dom, St. Peter und Franziskanerkirche. Der Religionsunterricht gilt hier als Pflichtfach und die Feier von Taufe, Erstkommunion, Firmung und Ehe finden guten Zulauf. Die Menschen gehen an den Sonntagen in den Dom und/oder der Franziskanerkirche, um an den mit Konzerten ausgeschmückten Gottesdiensten teilzunehmen. Zusätzliche Angebote der Citypastoral erfreuen sich an Projekttagen, wie der Segnung für Liebende am Valentinstag oder den TrauerRaum an den Tagen um Allerheiligen sehr guter Nachfrage. Ebenso diözesane Treffen der hier ansässigen Jungscharen (über 800 Kinder beim Tag der geistlichen Berufe) oder der katholischen Jugend (über 500 Jugendliche bei der Spiri Night in St. Johann im Pongau) werden sehr gut angenommen.

Andererseits erlebt Österreich über die Landesgrenzen hinweg Aufmerksamkeit durch die Pfarrerinitiative „Aufruf zum Ungehorsam“. Der Leitspruch hat in unserer hierarchisch geprägten Katholischen Kirche nicht nur Widerstand, sondern vor allem Unterstützung erfahren (nicht unbedingt durch die amtierenden Bischöfe). Nach jahrelanger Erfahrung sind sich viele Pfarrer und in den Gemeinden engagierte, sogenannte Laien einig, dass sich etwas ändern müsse. Gewachsene Strukturen, Verantwortungen und damit einhergehende Verpflichtungen sollen verteilt, aufgeteilt, verändert werden. Wenn Kirche heute erlebbar und für die Zukunft gestaltet werden soll, bräuchte es jeden Einzelnen und jede Einzelne. Und wenn der Glaube heute vorgelebt wird, benötige es dafür konkrete Erfahrungen, die bei immer weniger Priestern und größeren Pfarreien schwieriger zu finden seien.

Den Blick aus der hier ausgeführten beobachtenden Rolle hinein in die Mitverantwortung und Tätigkeit zu richten, ist nicht immer einfach und wenn man diesen Schritt gegangen ist, leider manchmal auch von einem ersten persönlichen Scheitern begleitet. Wer Kirche - und damit meine ich nun vor allem unsere christlichen Kirchen in Deutschland und Österreich - heute mitgestalten und vor allem miterleben möchte, sieht auf kurz oder lang nicht nur die von der Initiative angesprochenen Probleme. In unserer säkularen, modernen und pluralen Gesellschaft ist die kirchliche Sozialisation nicht mehr selbstverständlich und es müssen neue, grenzüberschreitende Wege gegangen werden, um das hier auf Erden begonnene Reich Gottes unter uns zu entdecken.

Wie kann da Kirche heute und auch morgen aussehen ohne ausschließlich auf die sinkenden Zahlen der christlichen Mitglieder oder das Versagen Einzelner zu schauen?

Ich möchte Sie somit herzlich zu unserem pallottinischen Unio-Podium auf dem Katholikentag in Mannheim am Samstag den 19. Mai um 14 Uhr einladen. Unter dem Thema „Wir jammern nicht – Wir haben einen Plan“ kommen aus unterschiedlichen Apostolatsfeldern, von Jugend- bis Erwachsenenbildung, von Universität bis Sozialarbeit Aktive zusammen, die einladen möchten sich einer Kirche von heute und morgen zu widmen, anstatt einer Kirche von Gestern nachzutrauern.


Über fr. Matthias Terhorst

Der Autor lebt als Novize der Pallottiner in der Noviziatsgemeinschaft in Salzburg. 


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