Das Ziel nicht aus den Augen verlieren
von P. Adrian Willi SAC
Neben den drei evangelischen Räten ist für Vinzenz Pallotti das Versprechen der Beharrlichkeit so wichtig, dass er es ihnen gleichstellt - und zwar sowohl in den dreiunddreißig Punkten (Grundregel) wie auch in der Weiheformel der pallottinischen Gemeinschaft.
Vinzenz Pallotti geht es dabei nicht bloß um die Nachfolge, sondern um die Nachahmung Jesu Christi. Letztlich ist es seine mystisch begründete Sehnsucht, ganz bei Gott zu sein. Diese Sehnsucht wird genährt vom Charisma, das Gott ihm geschenkt hat und das er nach seiner Meinung viel zu wenig nutzt und umsetzt. Aus diesem empfundenen Dilemma ist sein „Nichts und Sünde“, aber auch die Überzeugung, dass er mit Gottes Gnade mehr bewirkt als alle Heiligen zusammen für uns heute kaum mehr nachvollziehbar.
Nachvollziehbar ist aber das Anliegen der Beharrlichkeit. Es widerspiegelt ein Bedürfnis seiner Zeit: Revolution, Zusammenbruch des Kirchenstaates, Gefangennahme und Deportation des Papstes, also ein „verwaistes“ Rom, Resignation bei vielen Seelsorgern und andere Auf- und Umbrüche. Auch Vinzenz Pallottis Idee von einer neuen Art, Kirche zu sein, gehört zu diesen Aufbrüchen.
Sein Leben veranschaulicht diese Beharrlichkeit. Nie genügt ihm etwas, jede Gelegenheit will er nutzen, jede Beziehung verknüpfen, in jeder Situation noch eine Chance erblicken, nie gibt er auf, weil er das große Ziel in seinem Herzen trägt.
Auch wir heutigen Menschen erleben viele Auf- und Umbrüche, Resignation, Ratlosigkeit, was die Zukunft betrifft, Verunsicherung und Frustration. In der Gesellschaft und in der Kirche.
Für mich rückt deshalb das Versprechen der Beharrlichkeit in die vorderen Ränge. Nicht weglaufen trotz Konflikten, dabeibleiben trotz Aussichtslosigkeit, weitermachen trotz Müdigkeit, hoffen wider alle Hoffnung, weil da auch in meinem Herzen aus einer glücklicheren Zeit eine große Vision lebt.
Vielleicht muss man das Tempo mal verlangsamen, vielleicht auch mal die Richtung ändern, vielleicht mal ungerade gerade sein lassen… das alles darf sein. Wichtig für mich ist nur, dass ich nicht aufgebe.
Beharrlich ist nicht hartnäckig, stur, unbeweglich, versteift, sondern hat etwas mit „ausharren“ zu tun. Gerade in Zeiten des Umbruchs braucht es ein klares Ziel und die entsprechende Beharrlichkeit, dieses Ziel nicht aufzugeben und alle möglichen Chancen wahrzunehmen. Heute hat die Beharrlichkeit mehr denn je eine wichtige Bedeutung, nicht nur für uns.
Über P. Adrian Willi SAC
Der Autor ist Provinzial der Schweizer Pallottiner-Provinz "Klaus von Flüe" und meldet sich auch regelmäßig als Autor in der Pallottiner-Zeitschrift "ferment" z
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