Leben heißt: sich verändern!
von P. Jochen Ruiner SAC
Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser dieser Kolumne, wünsche ich erst einmal von Herzen ein gesegnetes Neues Jahr 2012. Mit dem ersten Januar beginnt ein neues Kalenderjahr, aber für die Liturgie der Kirche ist dieser „Jahres-Wechsel“ lange nicht so bedeutend wie er in unserer heutigen Zeit begangen wird.
Denn liturgisch gesehen stehen wir einfach mitten in der Weihnachtszeit, begehen am 1. Januar den Oktavtag von Weihnachten. Und dennoch ist in der Wahrnehmung der meisten Menschen der Beginn eines neuen (Kalender-)Jahres etwas Wichtiges. Der erste Januar hat eine große symbolische Bedeutung. Vom Gefühl her beginnt eben doch etwas Neues und irgendwie richte ich meinen Blick fast automatisch zunächst nach hinten: wie war das vergangene Jahr? – Und dann nach vorn: was wird das neue Jahr bringen? Und ganz wichtig ist dabei auch die Frage: was will ich ändern, wo bin ich unzufrieden mit mir und meinem Leben?
So ist der Beginn eines neuen Jahres auch die Zeit der großen Vorsätze, die oft aber nicht sehr lange halten. Dann, so meine ich, waren sie nicht wirklich ernst gemeint.
Aber eines wird dadurch doch deutlich: wir Menschen sind nicht einfach nur so wie wir sind und dazu verurteilt, auch so zu bleiben. Wir haben es in der Hand, in unserem Leben etwas zu verändern, ja diesem sogar eine neue Richtung zu geben. Alles was wir erleben (und manchmal auch erleiden), prägt und verändert uns, es gibt wohl keinen Menschen, der sich nicht verändert, denn das hieße ja auch, nichts dazu zu lernen.
Leben heißt Bewegung und Veränderung. Dies geschieht - davon bin ich überzeugt - bewusst, aber auch unbewusst. Und wenn ich nicht zumindest versuche, die sich an mir ereignende Veränderung zu steuern, kann es eben auch sein, dass ich mich zu meinen Ungunsten verändere, z.B. verschlossener oder verbitterter werde. Ich kann aber auch ganz bewusst versuchen, meinem Leben eine Richtung zu geben, mir vorzunehmen, wo und wie ich mich verändern will, in welche Richtung ich wachsen will.
Die Liturgie der Kirche feiert am 1. Januar auch das Hochfest der Gottesmutter Maria. Diese Frau wird uns dadurch als Vorbild für das neue Jahr vorgestellt. An ihr darf und soll ich mich orientieren, wenn es darum geht, mein Leben neu an Gott auszurichten. Das erste, das wir von ihr lernen können, ist das Hören auf Gott und sein Wort. Dieses Wort gibt meinem Leben die Richtung, die mich zu einem gelingenden Leben führt.
Das zweite, das uns Maria lehren kann ist das Hinterfragen. Sie hat eben nicht direkt und ungefragt ihr berühmtes „mir geschehe…“ gesagt, als ihr der Engel Gabriel verkündete, dass sie ein Kind empfangen wird. Zuerst hat sie nachgefragt: „wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne…?“ Für ein echtes und überzeugtes „Ja“ braucht es die innere Zustimmung, die zumindest auf ein anfanghaftes Verstehen bauen kann.
Als drittes zeigt uns Maria dann, eine getroffene Entscheidung auch umzusetzen und ihr nach Kräften treu zu bleiben.
Richten wir unseren Blick auf Gott; auf ihn, der unser Leben begleitet. Dann werden wir nur die Veränderungen in unser Leben einbringen, die dem Leben dienen.
Über P. Jochen Ruiner SAC
Der Autor ist Noviziatsleiter und Beauftragter für Berufungspastoral der Pallottiner in Deutschland und Österreich.
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