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Marken? – Markt? – Verheißung!

von P. Martin Neuhaus SAC


Wie bitte? Der Advent ist in vollem Gang und Sie haben noch längst nicht alle Geschenke für das große Fest zusammen? Relativieren Sie: Die Menschentrauben in den Einkaufsstraßen unserer Städte lassen doch zumindest erahnen, dass Sie in diesen Dezembertagen mit dem Bedürfnis des Schenkens und Beschenkt Werdens alles andere als allein dastehen.

„Christkinds starke Marken“ – der goldverschneit-verschnörkelte Schriftzug prangt gegenwärtig auf mehr als der Hälfte der Glasflächen einer Schaufenster-Fassade eines größeren Bekleidungsgeschäftes im Südwesten der Republik. Gerade im umsatzwichtigen (Vor-)Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels ist doch Jahr für Jahr das ein oder andere „Schmankerl“ der Marketingabteilungen beobachtbar. Wenn erst einmal die Aufmerksamkeit des potentiellen Konsumenten geweckt ist, verkauft es sich allemal leichter, klingelt die Ladenkasse schneller und möglicherweise auch kräftiger.

In unseren Breiten genießt Weihnachten als das Fest im Jahreslauf hohe Beliebtheit – unabhängig, ob primär als vergegenwärtigende Erinnerung an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus verstanden, der Aspekt des gediegenen Familienfestes im persönlichen Vordergrund steht, der Abschluss eines kalendarischen Jahres besonders gewürdigt wird etc. Auf Schenken und Beschenkt werden möchten die wenigsten Mitmenschen verzichten, unabhängig wie sie „ihr“ Weihnachten verstehen, begehen und feiern wollen.

„Christkinds starke Marken“ - in der Welt und Logik des Einzelhandels sind damit diverse (Model-)Labels zahlreicher Hersteller gemeint, ausnahmslos „höherwertig und somit höherpreisig“, wie ein Sprecher des Einzelhandels den diesjährigen Kauftrend der Verbraucher nach dem ersten Adventswochenende zusammenfasste. „Christkinds starke Marken“ - selbstverständlich ist das Werbung, die spielerisch überreden und unseren Haben-Modus animieren bzw. verstärken will.

Für nicht wenige Zeitgenossen sind Slogans, Werbesprüche wie dieser ein weiteres ärgerliches Beispiel aus dem Bereich massiver vorweihnachtlicher Konsumsuggestion, das noch weiter vom Kern der ursprünglichen Weihnachtsbotschaft wegführe, als es ohnehin schon der Fall sei. Gesellschaftlich betrachtet „funktioniert“ Weihnachten ja auch problemlos – (gerade weil) losgelöst vom christlichen Fundament.

Doch was, wenn wir uns mit dieser säkularen Entkoppelung nicht abfinden wollen? Was könnten dann „Christkinds starke Marken“ für uns Christen bedeuten? Übersetzt man „Marke“ mit Eigenschaft, Qualitätsmerkmal, Kennzeichen, Charakteristik, dann sind es doch gerade wir, die einiges in dieses Feld einzutragen haben – nicht selten konträr zur oberflächlich trivialen Waren- und Konsumlogik dieser Jahreszeit. Also, was zeichnet das Christkind aus? Für mich sind seine Eigenschaften treffend angedeutet in den Worten Lothar Zenettis:

Das Wort wird Fleisch:
In der Futterkrippe
wimmert ein Menschenkind
das ist die Stimme der Stimmen

Das Wort wird Fleisch:
Theorie wird Praxis
Verheißung wird wahr
der Traum wird Wirklichkeit

Das Wort wird Fleisch:
Allmacht wird Ohnmacht
die Liebe vermag alles
Gott ist ein Mensch

[Aus: Lothar Zenetti: Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Mainz 2000.]

Gott wird Mensch in Jesus Christus, die Freude über dieses Geschenk göttlicher Liebe ist das Geschenk, dass wir Weihnachten feiern. Keine noch so als „stark“ inszenierte Konsummarke und keine noch so elaborierte Kombination verschiedenster materieller Gegenstände kommt auch nur entfernt in den Dunstkreis dieser Verheißung. Frohe Botschaft lässt sich nicht kaufen, nicht plump konsumieren, ganz gleich wie viel wir monetär einzusetzen bereit sind. Die Botschaft der Menschwerdung Gottes ist alles andere als das Privileg materiell potenter Konsumenten – im Gegenteil. Nicht der üppig ausgestattete Palast im Herzen der Metropole, sondern die karge Krippe inmitten der Peripherie ist der Schauplatz göttlicher Liebe.

Doch die Einladung dieser gesellschaftlich bescheidenen aber göttlichen Verhältnisse anzunehmen, verändert das Leben unvergleichlich intensiver als jede noch so zwanghaft „mit Sinn“ aufgeladene Kaufentscheidung. Also besser auf eine üppig-materielle Ausschmückung des Festes verzichten? Einander nichts schenken und die eigene Dankbarkeit für Gottes Menschwerdung anders zum Ausdruck bringen, möglicherweise durch eine Spende zugunsten derer, die sich keine Gedanken darüber machen können, was sie wem zu welchem Preis schenken wollen?

Wie Sie Weihnachten feiern wollen – selbstverständlich treffen Sie diese Entscheidung für sich selbst und zusammen mit ihren Lieben. Für die verbleibende adventliche Vorbereitungszeit wünsche ich Ihnen ein frohes Abwägen und Entscheiden, mindestens den ein oder anderen Augenblick der Muße und Besinnung und in jedem Fall ein persönlich gelingendes Geschenk-Rezept.

Wie wollen Sie schenken? Wie beschenkt werden? Lernen Sie „Christkinds starke Marken“ kennen – in der Krippe von Betlehem!


Über P. Martin Neuhaus SAC

Der Autor war Kaplan in Friedberg und Vallendar und absolviert derzeit ein Aufbaustudium in theologischer Ethik an der Universität Freiburg.


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