Konzentration auf das lichte Moment
von Kerstin Frei UAC
„Die wir in Todes Schatten // So lang gesessen sind // Und kein Erleuchtung hatten, // In Gottes Sachen blind, // Und kunnten nichts verstehen, // Nicht Gnade noch Gericht, // Sehn über uns aufgehen // Anjetzt ein großes Licht; // Ein Licht, dadurch wir schauen // In Gottes Herz hinein, // Dass er in Zuvertrauen // Der Unsere nun will sein …“ (Simon Dach)
Weihnachten ist ein Lichtfest, ein Fest der Freude, des Staunens, der zarten Liebe zu Gottes Neugeborenem. Die Eltern merkten, dass etwas Besonderes vor sich geht, aber sie konnten es noch nicht deuten. Die Hirten und Engel und die 3 Weisen wussten es … dieses Fest lädt auch uns zur Besinnung ein, über die kleinen und großen Wunder um uns herum zu staunen.
Die Weihnachtsgeschichte erzählt aber auch von Flucht, von Bedrohung, Armut und Ausgestoßensein. Es ist keine „niedliche“ Erzählung. Wie ergeht es Menschen, die Weihnachten auf der Flucht oder im Krieg verbringen? Wie geht es „unseren“ SoldatInnen, die auch heute noch weltweit im Einsatz sind?
Kriege liegen diametral entgegengesetzt zur weihnachtlichen Botschaft der Menschwerdung Gottes; das Kommen des Reiches Gottes auf Erden unter uns Menschen… Kriege hingegen zerstören Mensch und Umwelt sowohl auf der Aggressor-Seite als auch auf der Verteidiger-Seite. Heutige Kriege verlaufen asymmetrisch – niemand weiß bald mehr, wer Täter, wer Opfer ist. Die Schatten der Folgen von Kriegen werden für alle Beteiligten immer länger.
Verdun, Stalingrad, Sarajewo, Mostar, Kabul sind einige unserer schattigen Orte, an denen Soldaten und neuerdings Soldatinnen getötet werden und selbst auch töten. Noch schattigere Erinnerungsorte sind Auschwitz-Birkenau, Dachau, Bergen-Belsen und und und ... hier, wo Menschen systematisch vernichtet wurden - übrigens auch Pallottiner! - auch von „unseren“ Soldaten. Oder Buchenwald – zuerst ein nationalsozialistisches KZ, dann ein Zwangsarbeitslager der DDR – wirft bis heute lange traumatische Schatten in die deutsch-deutsche Geschichte hinein.
Konzentrieren wir uns wieder auf das lichte Moment der Weihnacht – die Hoffnung auf eine neue Schöpfung, die darauf wartet anzubrechen. Dank dieser neuen Schöpfung können wir uns unseren Schatten stellen und auch unsere Gesellschaft erneuern – damit wir Frieden schaffen, nicht nur an Weihnachten.
Über Kerstin Frei UAC
Die Autorin ist Unio-Mitglied und Studienleiterin Interkulturelles / Lebenskunst / Literatur im Haus am Dom (Katholische Akademie des Bistums Limburg).
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