Wo gehöre ich hin?
von P. Roman Fries SAC
Geht es Ihnen nicht auch manchmal so, dass Sie sich diese Frage stellen: „Wo gehöre ich hin, wo ist mein Platz?" Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann fällt mir auf, dass mich diese Frage nach dem richtigen Platz in meinem Leben immer wieder beschäftigt hat.
In der Rückschau kann ich sagen, dass es nicht einfach ist, diese Entscheidung für mich alleine zu treffen. Denn ich lebe nicht irgendwo alleine, sondern war und bin immer eingebunden in größere Lebenszusammenhänge. Die Frage bleibt also: Wo ist in der Familie mein Platz, im Verein, im Freundeskreis, im Beruf, im Kloster, in der Partnerschaft, in der Kirche?
Es ist nicht einfach, den richtigen Platz im Leben zu finden. Denn wenn ich meine, meinen Platz gefunden zu haben, dann ist er vielleicht schon von jemand anderem besetzt. Es soll aber auch Menschen geben, die genau wissen wo ihr Platz ist. Wo sie hingehören. Und diese Plätze werden nicht selten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt. Die Plätze, die übrig bleiben, sind dann für die anderen bestimmt.
Ich kann mich an solche Menschen in meinem Leben erinnern, die mir genau sagten, wo mein Platz ist. Kann es sein, dass in jedem von uns auch Teile dieser Ellbogenmentalität enthalten sind oder wir selbst Opfer wurden?
Im Evangelium des 22. Sonntags im Jahreskreis erlebt Jesus auch Menschen, die scheinbar genau wissen wo ihre Ehrenplätze bei einer Hochzeit sind. Er gibt ihnen ein Sprichwort mit auf den Weg. „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht werden." Was will Jesus uns mit diesem Sprichwort sagen?
Ich glaube, Jesus drückt damit seine Grundhaltung im Leben aus. Die Grundhaltung der dienenden Liebe. Vielleicht klingt in diesem Zusammenhang das Wort „Erniedrigung" zu negativ. Es meint im Grunde, dem anderen in Liebe zu begegnen und bei der Platzsuche nicht rücksichtslos zu sein, nicht meinen Vorteil zu suchen. „Ich bin unter euch wie der, der bedient" (LK 22,27).
Ich verstehe seine Grundhaltung oder Lebenseinstellung so: Egal in welchen Lebenszusammenhängen ich mich auch befinden mag, ich werde es zulassen müssen, dass mir mein Platz zugewiesen wird. Diesen mir zugewiesenen Platz kann ich aber nur dann annehmen, wenn ich eine Atmosphäre des Miteinanders spüre, wo Liebe, Vertrauen und gegenseitige Achtung den Raum erfüllen.
Als „Glaubende" kann uns eine Hilfe sein, auf Gott zu schauen und den Platz zu finden und einzunehmen den er mir gibt. Im Gebet, in der Feier der Eucharistie und im Hören auf sein Wort habe ich meinen Platz gefunden. Und Sie vielleicht auch? Wenn ja, dann geben wir doch auch den Menschen einen „Platz", die uns brauchen und für die wir uns verantwortlich fühlen.
Über P. Roman Fries SAC
Der Autor wurde in diesem Jahr zum Priester geweiht und ist noch bis zum Jahresende in der Pfarreiengemeinschaft in Neusäß tätig.
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