Logo

Jeder muss sich verantwortlich fühlen

von P. Hans-Joachim Winkens SAC


Bei uns im Erzbistum Hamburg gibt es zurzeit ein Thema, dass sowohl Pfarrgemeinden als auch die Bistumsleitung beschäftigt und herausfordert: die Strukturreform. Jede deutsche Diözese hat das in irgendeiner Form mit unterschiedlichem Namen auf dem Tisch. Wir in Hamburg nennen es „Pastoraler Raum". Die anstehenden Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandswahlen Anfang November 2010 werden diesen Aspekt ebenfalls berücksichtigen.

Wer jetzt als Christ in den Gremien der Pfarreien aktiv mitmachen will und gewählt wird, wird sich zwangsläufig auch mit diesen Fragen beschäftigen müssen. Es geht um die Umgestaltung der bisherigen Pfarrgemeinden in die neue Strukturform des Pastoralen Raumes. Es geht um die Frage, wie sieht die Struktur unserer Kirche hier im Erzbistum Hamburg und anderswo in Deutschland in den nächsten Jahren aus.

Ich meine, dabei kommt es entscheidend auf die vielen Gemeindemitglieder an. Gerade in der heutigen Zeit braucht es mehr denn je die aktiven Laien. Es wird ein signifikantes Kennzeichen der Pastoralen Räume sein, dass das gemeindliche Leben und die Orte des Pastoralen Raumes vornehmlich durch Laien organisiert werden. Auf die Zusammenarbeit zwischen Priestern, Diakonen, allen hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern sowie den angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird es ankommen. Es wird ein ausgeprägtes Miteinander aller Kräfte in den Gemeinden nötig sein. Niemand kann allein der Kirche der Zukunft ein neues Gesicht geben.

Eduard Nagel, Schriftleiter der Zeitschrift „praxis gottesdienst", bringt es neben vielen interessanten Gedanken in der aktuellen August-Ausgabe auf den Punkt. Zusammenfassend sagt er: „Kirche ist und lebt da, wo Christen zusammenkommen, um miteinander Gottes Wort zu lesen und zu hören und miteinander zu beten. So einfach lässt sich ein Programm für die Zukunft der Kirche zusammenfassen".

In seinem Artikel analysiert Nagel, dass die derzeitigen Strukturreformen den Eindruck erwecken, dass es wesentlich darum geht, die notwendigen pastoralen Aufgaben auf die immer weniger werdenden Priester zu verteilen. Gerade im Vergleich zum viel stärker säkularisierten Frankreich, wo die Zahl der Priester im Verhältnis zu den Getauften weit geringer ist als bei uns, macht er deutlich, was man daraus lernen kann.

Er schreibt: „Wo auf die Gleichung gebaut wurde: Kirche ist da, wo ein Priester ist, sind heute die Kirchen geschlossen und ist oft nicht einmal mehr in der Nachbarschaft ein Schlüssel aufzutreiben ... Kirche lebt aber dort, wo - oft trotz materieller Armut - Menschen den Raum offen halten, vor Verfall bewahren, wo sie zum Beten zusammenkommen, einfache Blätter mit Informationen zu Kunstwerken und zum aktuellen Gemeindeleben anbieten, die - vielleicht seltene - Messfeier mit Liebe vorbereiten, Lektoren-, Gesangs- und gegebenenfalls Orgeldienst übernehmen, wo sie ... durch Präsenz von (ehrenamtlichen) Ansprechpartnern, durch Aushänge und Prospekte Zeugnis geben von dem Leben, das diese Gebäude ... erfüllt."

Vinzenz Pallotti spricht diesbezüglich vom Laienapostolat, zu dem alle berufen sind. Keine Frage: Es braucht in den Pastoralen Räumen vor allem Menschen, Christen, Gemeindemitglieder, die sich für ihre Kirche verantwortlich fühlen und ihren Teil mit persönlichem Engagement beitragen.


Über P. Hans-Joachim Winkens SAC

Der Autor ist Pfarrer der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Hamburg-Rahlstedt und als Rat Mitglied der Provinzleitung. Pater Winkens war vor der Union im Jahr 2007 der letzte Provinzial der Norddeutschen Pallottinerprovinz.


Ihre Meinung zu dieser Kolumne

Schreiben sie doch eine E-Mail an die Redaktion: kolumne@pallottiner.org


Weitere aktuelle Kolumnen

29. Januar 2012 Das Ziel nicht aus den Augen verlieren
von P. Adrian Willi SAC
lesen
22. Januar 2012 Das soll Pallotti sein?
von P. Peter Hinsen SAC
lesen
15. Januar 2012 Evangelisierung - Provokation bis heute
von P. Edward Fröhling SAC
lesen

Alle Kolumnen im Überblick

Weitere Aktionen