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... und trotzdem!

von Sr. Irene Weber SAC


Derzeit gibt es viele Schlagzeilen, die sich mit den Kirchen befassen. Da sind die schlimmen Missbrauchsfälle, die uns alle schockieren. Uns wird deutlich vor Augen geführt: Die Kirche ist menschlich und ihre Mitglieder machen Fehler. Da ist der Rücktritt von Bischöfin Käßmann. Leider! Ihre Entscheidung zeigt eines aber deutlich: ihre Klarheit und Konsequenz. Da könnte sich so manch einer etwas davon abschneiden.

Und trotzdem werden Frauen auch weiter in den Kirchen ihre Stimme erheben. Und trotzdem engagieren sich Menschen in Pfarrgemeinderäten. Und trotzdem schicken Eltern ihre Kinder auf kirchliche Schulen, denn dort wird wertvolle Erziehungsarbeit geleistet. Immer wenn die Kirche besonders schwach erscheint, spüre ich, dass ich zu ihr stehen möchte, dass sie bei allen Fehlern und allem Versagen meine Kirche ist - trotzdem!

Auch weltweit könnte man verzweifeln. Da waren die schlimmen Erdbeben in Haiti und in Chile. Noch schlimmer finde ich, dass man die Situation in Haiti ausnützt um z. B. Kinder zu stehlen, sei es für Adoptionen oder auch zu Missbrauchszwecken. Und trotzdem gibt es auch die Welle der Hilfsbereitschaft. Menschen, die konkret dort helfen und Menschen, die bereit sind zu spenden. Und trotzdem fangen die Menschen dort sofort wieder an aufzubauen. Vaclav Havel sagte einmal: „Hoffung ist im Gegensatz zum Optimismus nicht die Erwartung, dass alles gut geht, sondern das Engagement in der Gewissheit, dass es einen Sinn hat, egal wie es ausgeht."

Am meisten hat mich aber in der letzten Zeit ein Bild in den Nachrichten beschäftigt, das man nur ganz kurz gesehen hat. In einem Bericht vom amnesty international über die Hinrichtungen im Iran hat man das Bild eines jungen Oppositionsführers gesehen, der zum Tod verurteilt und ermordet wurde. Er steht da, hat den Strick des Henkers schon um den Hals und lächelt ein strahlendes Lächeln. In dem Bericht hieß es. Er habe sein Lächeln als Symbol der Freiheit bewusst gegen das Regime eingesetzt und gesagt „Was habt ihr Angst? Wenn es um die Freiheit geht, braucht ihr keine Angst zu haben."

Ich glaube, so ein Lächeln kann nicht bloß eine Waffe gegen das Regime sein. So ein Lächeln kommt aus tiefstem Herzen und ist nur jemandem möglich, der im Tiefsten weiß, dass es da einen gibt, der ihn trägt. Nur ein Mensch, der tief gläubig ist, kann angesichts eines gewaltsamen Todes so strahlend lächeln. Dieser junge Mann - ich habe seinen Namen nicht behalten - begleitet mich nun auf die Heiligen Tage und auf Ostern zu.

Da wird plötzlich so vieles unwesentlich, eigene Gebrechen und innerkirchliche Querelen. Was zählt ist das Leid der Menschen, ihre Sehnsucht nach Würde, nach Freiheit und Frieden und die Freude, Gottes Gegenwart ganz tief in mir zu spüren. Dann wird das Trotzdem zur Verheißung.


Über Sr. Irene Weber SAC

Die Autorin ist Theologin und Sozialpädagogin und leitet das MaZ-Programm der Pallottinerinnen.


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