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Heiterer Blick auf eine ernsthafte Zeit

von fr. Rainer Autsch SAC


„Am Aschermittwoch ist alles vorbei", so möchte es uns ein Karnevalsschlager weismachen. Aber „Alles" ist mit dem Aschermittwoch nicht vorbei! Der Karneval - Ja, diese Zeit ist erst einmal wieder vorbei. Aber mit dem Aschermittwoch begann eine neue Zeit, eine andere Zeit, die Fastenzeit. Auch wenn diese Zeit bereits vor mehr als einer Woche begann und die Karnevalszeit längst vorbei ist, so lohnt es sich doch, einen heiteren Blick auf eine ernsthafte Zeit zu werfen.

Wer sich an seinen „Haupt- und Seitenaltären" ärgert und plagt, der könnte den Begriff Fastenzeit wörtlich nehmen. Bis zum Karsamstag, an dem die Fastenzeit zu Ende geht, halten Sie die jahrhundertealte „F.-d.-H.-Diät" der Kirche. Spätestens an Ostern erfahren Sie die Auferstehung eines neuen Lebensgefühls. Von einem in geistiger wie körperlicher Hinsicht heiligen Schwergewichtler, dem hl. Thomas von Aquin, wird gesagt, dass er nach der Fastenzeit auf seinem Bauchfell knien konnte. Vielleicht sind Sie ja ähnlich begabt wie er. Es steht Ihnen selbstverständlich frei es auszuprobieren.

Heutzutage gibt es viele Formen von Mediensucht. Es scheint: Wir haben den Kanal schon lange zu voll! Vergleichen Sie doch einmal ihren Zeitaufwand für Gebet und Gottesdienst mit dem für Fernsehen und Computern. 10:1 fürs Fernsehen gegen Gott? Etwas weniger Fernsehen und/oder Computern könnte etwas mehr Aufmerksamkeit für familiäre Sorgen und etwas mehr Weitsicht für Gottes Sorge um uns Menschen bewirken. Auch so lässt sich heilsam fasten!

Wie steht es um unserem Alkohol- und Nikotinkonsum? Wieviel Euro geben wir im Jahr, im Monat, am Tag für diese Suchtmittel aus? Ich bin davon überzeugt, gäbe man das Geld weltweit für die so genannte Dritte Welt, gäbe es keine Dritte Welt dieser Art mehr. Ein bisschen weniger Benebelung und Vernebelung könnte uns die Sinne öffnen für die wirklich wichtigen Dinge dieser Welt und uns Klarheit geben für Gottes Absicht mit uns.

Eines noch scheint mir wichtig zu sein beim Fasten: die Glaubwürdigkeit! Man kann nicht die eigenen Kinder beim Verzicht auf Süßigkeiten anfeuern und selbst abends sein „Fläschchen nuckeln". Man kann tagsüber nicht unter Bewunderung fasten und abends, wenn es niemand mehr sieht, ein Doppelleben am Kühlschrank führen.

Machen Sie (wir) also ganze Sachen, etwa nach der Regel der hl. Theresa von Avila: „Wenn tanzen, dann tanzen, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn fasten, dann fasten."


Über fr. Rainer Autsch SAC

Der Autor ist Diakon und absolviert derzeit sein Pastoraljahr in der Pfarrei St. Konrad in Augsburg/Bärenkeller. 


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