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Den Grund suchen und frei legen

von P. Reinhold Maise SAC


Auf der Zukunftswerkstatt vom 3. bis 6. Februar im Provinzialat in Friedberg fiel der Startschuss für die Arbeit der Initiativgruppe „Spirituelle Erneuerung". Diese Gruppe von Mitbrüdern soll den Prozess einer spirituellen Erneuerung der Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner in Deutschland und Österreich auf den Weg bringen und in die Gemeinschaft hinein tragen. (vgl. folgende Meldung)

Es ging im Rund der Mitbrüder zunächst um die Frage, was jeder unter Spiritueller Erneuerung versteht. Dabei fiel das Stichwort: Spirituelle Erneuerung hat etwas mit „zu Grunde gehen" zu tun.

„Zu Grunde gehen" bedeutet, was das Wort sagt: Den Grund suchen und frei legen, auf dem wir Pallottiner stehen, ihn neu sehen. Die Quellen neu erschließen, aus denen wir leben und wirken wollen. Das heißt, Vinzenz Pallotti und seine Spiritualität im Heute neu verstehen und umsetzen. Das heißt, miteinander auf die Suche zu gehen, wie Leben und Arbeiten in Gemeinschaft in den veränderten Formen von Kirche und Gesellschaft möglich sein kann. Das heißt aber auch, diese Realitäten ernst zu nehmen und sie in das Suchen wesentlich zu integrieren.

Wir möchten in dem Prozess der spirituellen Erneuerung „auf den Grund gehen", um eben nicht „zugrunde" zu gehen und irgendwann schmerzlich zu erfahren: Wir Pallottiner sind in Deutschland und Österreich überflüssig, wir können nicht mehr, wir haben aber auch nichts mehr zu geben und zu sagen.

Die Fastenzeit kann auch eine Zeit der spirituellen Erneuerung, des „zu Grunde gehens" sein. Sie hat dafür selbstredende Vorbilder in der Heiligen Schrift. Das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste und ging dabei „auf den Grund". Sie wurden sich wieder ihres Ursprungs bewusst, woher sie kommen, wem sie das Leben verdanken, auf wen sie sich verlassen können: Gott. So kommen sie in das gelobte Land.

Jesus ging 40 Tage in die Wüste und ging dabei „auf den Grund". Er wurde versucht und angefragt und musste sich entscheiden. Das konnte er, weil er den Grund, woher er kommt, woraus und wofür er leben und wirken will, (wieder) klar vor Augen hatte: Gott.

Wer sich auf den Weg der 40 Tage durch die Fastenzeit macht, kann sich und seinem Leben auch wieder „auf den Grund gehen". Darin liegt die Chance dieser Zeit: Wieder neu zu entdecken, wer ich bin, woraus ich lebe, wofür ich leben will. Ich bin eingeladen, „zu Grunde zu gehen", um wieder neu entscheiden zu können, was tut mir gut und was schadet mir und meinem Leben. Mir ist angeboten, den Grund meines Lebens wieder neu zu suchen, freizulegen und neu auf ihm aufzubauen: Gott.

„Zu Grunde gehen" ist nicht leicht. Denn es braucht die Bereitschaft, mich selbst kritisch zu betrachten und mich auch dem Urteil anderer auszusetzen. Es bedeutet, mir einzugestehen, dass manches in meinem Leben schief läuft und der Korrektur bedarf. Ich möchte mich verändern wollen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ich mich selbst und mein Wirken „zugrunde richte".

Ich wünsche nicht nur uns Pallottinern, dass wir durch den Prozess der Spirituellen Erneuerung „zu Grunde gehen", alte Lebensquellen neu erschließen und so miteinander ins Gelobte Land einziehen können. Ich wünsche allen, die nicht nur so dahin leben wollen, dass sie immer wieder „zu Grunde gehen" und so bewusst und beschwingt ihr Leben leben. Und das nicht nur in der Fastenzeit.


Über P. Reinhold Maise SAC

Der Autor ist Spiritual im Noviziat der Pallottiner in Salzburg und begleitet zudem Interessenten auf dem Weg in die Gemeinschaft.


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