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Sehnsucht - Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir

von Sr. Gertrud Meiser SAC


Wir stehen mitten in der Faschingszeit. Die Zeitungen berichten von Karnevalsvereinen, die in den verschiedenen Dörfern und Städten ihre Narrensitzungen abhalten. Jeden Abend können wir im Fernsehen auf verschiedenen Sendern Karnevalsitzungen anschauen. Viele Menschen - und auch ich - freuen sich auf diese fünfte Jahreszeit. Sie feiern in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude. Für mich kommt (nicht nur) in diesem Treiben und während dieser Zeit eine Sehnsucht nach Freude und nach Leben zum Vorschein. Und das ist das Stichwort: Sehnsucht nach mehr Leben, mehr Freude.

Sehnsucht, Hoffnung und Freude gehören zum menschlichen Leben. „Alles beginnt mit der Sehnsucht", so formuliert es die jüdische Dichterin Nelly Sachs treffend. Auf vielfache Weise finden wir diesen Satz bestätigt: in der Natur und im Leben eines jeden Menschen, in unserem ganz alltäglichen Leben und im Suchen und Fragen in Forschung und Wissenschaft.

Das Kind sehnt sich nach Geborgenheit. Der heranwachsende Jugendliche sehnt sich danach, von den Erwachsenen und seiner Umwelt ernst genommen zu werden. Der erwachsene Mensch sehnt sich nach einem Du, das seine Freuden und Leiden mit ihm teilt. Alle Menschen sehnen sich nach Anerkennung, Zärtlichkeit und Liebe.

Manchmal blitzt etwas in unserem Leben auf, was die Erfüllung dieser Sehnsucht ahnen lässt: eine tiefe Erfahrung von Glück und Freude, etwa bei der Begegnung mit einem anderen Menschen, von dem ich mich angenommen fühle, bei einem Erlebnis in der Natur, einem Musikstück, einem guten Gedanken: das sind Momente, Sternstunden, Festzeiten, die uns fühlen lasen, dass das Leben gut ist, so dass wir zum Augenblick sagen möchten: "Verweile doch, du bist so schön!" (Goethe in "Faust").

Weil Freude immer nur Stückwerk ist, weil Sehnsucht letztendlich immer unerfüllt bleibt, verweisen sie auf Gott. Von Augustinus stammt das Wort: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir. Denn auf dich hin hast du uns geschaffen" Mit diesem Wort  sagt Augustinus sehr viel über den Menschen aus - dass er nämlich ein Wesen der Sehnsucht ist und dass die Erfüllung des Menschen nur Gott sein kann. In die Sprache der Liebe übersetzt heißt das: Gott, ohne Dich kann ich nicht leben!

Augustinus hat auch den doppelsinnigen Satz geprägt: "Homo desiderium dei". Wer Latein kennt, weiß, dass man dies zweifach übersetzen kann: "Der Mensch ist Sehnsucht nach Gott" und: "Der Mensch ist die Sehnsucht Gottes!" Eine eigenartige Vorstellung: Gott sehnt sich nach dem Menschen, dem Werk seiner Hände. Die Bibel lässt an vielen Stellen etwas von dieser Sehnsucht Gottes nach dem Menschen durchleuchten. Vor allem aber wird ER in Jesus Christus selber Mensch, unterwirft sich den Gesetzen seiner Schöpfung, nimmt aktiv am Weltgeschehen teil, solidarisiert sich mit seinen Geschöpfen bis zur letzten Konsequenz. Gott sehnt sich nach den Menschen: Und der Menschen Sehnsucht ist Gott!

Das ist Grund zur Freude und Dankbarkeit. Eine Freude, die über den Aschermittwoch andauert. Eine Freude, die tiefer geht als das Faschingstreiben in diesen Tagen.


Über Sr. Gertrud Meiser SAC

Die Autorin ist Noviziatsleiterin der Pallottinerinnen und als Gemeindereferentin in der Gefängnisseelsorge in Limburg tätig.


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