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Ulrich

Bischof von Augsburg


Geboren:
890 in Wittislingen bei Dillingen

Gestorben:
4. Juli 973 in Augsburg

Gedenktag:
4. Juli

Heute würde man diese Episode, wenn sie denn je so stattgefunden hat, eher belächeln. Damals nahm man das sehr ernst. Denn Glaube braucht Formen, sonst ist er nicht erlebbar und nicht lebbar. Ulrich war von 923 bis 973 Bischof von Augsburg. Er war vielleicht einer der bedeutendsten und einflussreichsten Bischöfe, die Deutschland je hatte. Er stammte aus vornehmem Haus. Er hatte eine gute Schulbildung; acht Jahre hatte er auf der Klosterschule St. Gallen studiert.


Als persönlicher Freund von Kaiser Otto I. wundert es nicht, dass er sein Amt in großer Treue zu König und Reich ausübte. Das hieß nicht, dass er die Einmischung von Fürsten in kirchliche Angelegenheiten duldete. Einen großen Namen machte er sich in der Verteidigungspolitik. Im 10. Jahrhundert litt Süddeutschland stark unter den ständigen Ungarneinfällen. Plünderungen zerstörten Leben und Wirtschaft. 926 ließ Ulrich um Augsburg starke Stadtmauern bauen. Das war eine große Hilfe. Und am 10. August 955 ist es ihm zu verdanken, dass die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld geschlagen wurden. Kaiser Otto stand als Sieger da; vermutlich bekam Ulrich und Augsburg daraufhin als Dank das Münzrecht.


Man täte dem Mann unrecht, ihn nur als Politiker zu sehen. Damals hatten die Bischöfe im Reich wie selbstverständlich auch eine politische Rolle in ihren Bistümern. Ulrich gab diese nach und nach ab. 972 wollte er sogar das Bischofsamt abgeben; aber die Synode von Ingelheim ließ das nicht zu – eine Geste höchster Wertschätzung. Immer stärker widmete er sich seinen geistlichen und pastoralen Aufgaben. Viermal pilgerte er nach Rom. Was heute bei den Bischöfen eine eher kirchenpolitische Angelegenheit ist, das war damals noch reine Verehrung der Apostelgräber, bei aller Gemeinschaft mit dem Nachfolger des hl. Petrus.


Ulrich hat sich besonders nach der Schlacht auf dem Lechfeld dafür eingesetzt, dass Schulen und Klöster wiederaufgebaut bzw. gegründet wurden, dass die Landwirtschaft wieder aufblühte, dass den Armen und Kranken geholfen wurde. Das war ihm ein ganz persönliches Anliegen. Dafür gibt es viele Belege, auch für seine persönliche sehr bescheidene Lebensführung. Deshalb wurde auch nach seinem Tod am 4. Juli 973 rasch sehr verehrt, sein Grab in Augsburg eine Wallfahrtsstätte. Das ist sie bis heute, besonders in der jährlichen Ulrichswoche. Die Gottesdienste und Veranstaltungen dieser Woche zeigen auch, dass Glaube erlebte Gemeinschaft und eben auch Formen braucht. Solche Formen stiften Identität und das Gefühl von Zusammengehörigkeit.


Der Hl. Ulrich wird dargestellt als Bischof mit einem Fisch. Dahinter steckt die Legende: Ulrich habe einem Boten als Dank ein gutes Stück Braten, das noch vom Vorabend auf seiner Tafel lag, mitgegeben. Der Bote wollte seinem Auftraggeber den Frevel zeigen, denn es war Freitag. Als der die eingepackte Gabe aufwickelte, kam ein Fisch zum Vorschein. Wer weiß genau, was hinter der Geschichte steckt? Ulrich war sicherlich Neid und Missgunst ausgesetzt. Nicht alle seine Zeitgenossen werden glücklich gewesen sein, wie klug er als Politiker und Bischof handelte und wie geachtet er bei Kaiser und Volk war. Dass man ihm mit einem Stück Fleisch am Freitag denunzieren konnte, zeigt, wie ernst man früher das so genannte Freitagsgebot nahm.


Das Leben des hl. Ulrich zeigt also, dass Glaube nie allein Sache von Gefühl und Gemüt ist und nie allen Gebet, sondern immer auch Tat. Da ist zuallererst die Nächstenliebe. Da sind verbindliche Formen in der Kirche, die das Gemeinsame und das Miteinander ausmachen, die Halt geben und Heimat. Und da ist auch der Ruf, ja die Pflicht zur politischen Einflussnahme, wenn es um den Frieden und um das Wohl der Menschen geht.  


P. Alexander Holzbach (in der aktuellen Sommer-Ausgabe KA+das zeichen)  


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