Apollonia
Märtyrerin
Geboren:
? in Alexandria, Ägypten
Gestorben:
ca. 275 in Alexandria, Ägypten
Gedenktag:
9. Februar 2010
Zugegeben, welche Frau heißt heute noch Apollonia? Diesen Vornamen trug frau früher vor allem wohl in Bayern. Vielleicht gibt es dort heute noch Pollys oder Lonis, die sich dann eben auch von Apollonia ableiten. Vielleicht gibt es auch noch die eine oder andere Ordensfrau, die den Namen der Heiligen des 9. Februar trägt.
Ansonsten begegnet einem Apollonia nur noch auf dem kirchlichen Abreißkalender. Und in manchen Zahnarztpraxen. Auch jüngere Zahnärzte wissen noch, dass Apollonia ihre Schutzpatronin ist. Viele berühmte Maler haben sie im Lauf der Geschichte gemalt. Und die eine oder andere Replik schmückt hier und da eine Praxis oder das Wartezimmer. Beruhigend ist das Bild der hl. Apollonia meist nicht. Denn sie trägt gewöhnlich eine Zange in der Hand mit einem gezogenen Zahn. O je, denkt man sich, das kann ja heiter werden!
Wie aber kommt eine junge Frauengestalt im Heiligenkalender zu solch einem Attribut? Zugegeben, über die hl. Apollonia wissen wir herzlich wenig. Und ab der Zeit, da sie auch im Westen verehrt wurde, also ab dem 9. Jahrhundert, ist vieles legendenhaft. Am ältesten ist die Meinung, dass Apollonia als Christin im ägyptischen Alexandria lebte. Das ist nicht ungewöhnlich, denn in dieser Metropole des alten Römerreiches hatten sich schon früh christliche Gemeinden gebildet. In dieser Multi-Kulti-Stadt gab es viel Interesse an Religion und eben auch am jungen Christentum, das man ja zunächst als jüdische Splittergruppe ansah.
Es heißt, Kaiser Philipp, der Araber, sei eigentlich ein christenfreundlicher Mann gewesen. Aber einige christenfeindliche Leute in seinem Umfeld setzten sich durch und es kam 249 in Alexandrien zu einem Pogrom. Auch die junge Apollonia wurde verschleppt und gefoltert. Dabei schlug man ihr die Zähne aus. Bischof Dionysius von Alexandria berichtet dies alles in einem Brief an seinen Kollegen in Antiochia. Und er schreibt noch etwas, das die junge Kirche aufwühlte und lange beschäftigte. Die Folterer hielten Apollonia gefesselt und führten sie zu einem Feuer. Sie drohten ihr, sie in dieses Feuer zu werfen, wenn sie nicht ihrem Glauben abschwöre. Irgendwie konnte sich die Christin aus den Fesseln lösen und sprang selbst in das Feuer.
Augustinus und andere Theologen mussten gewandte Klimmzüge machen, um diesen De-facto-Selbstmord als freiwillig für Christus auf sich genommenen Tod zu erklären. Die einfachen Leute interessierte das alles nicht. Sie verehrten Apollonia als hilfreiche Heilige. Sie wurde für Zahnleiden und Zahnärzte zuständig. Die Legende schmückte ihr Leiden noch aus und erzählte, dass ihr die Zähne einzeln mit einer Zange rausgerissen wurden. (Zimperlich waren Folterer damals wie heute nicht.)
Andere erzählten, sie sei eine Königstochter gewesen. Und ein dritter Legendenstrang will wissen, sie sei die Schwester des hl. Diakons Laurentius gewesen. Wie auch immer, die Heilige gehört zu den vielen jungen Frauen, an denen sich im jungen Christentum die Verfolger regelrecht die Zähne ausbissen. Sie blieben trotz allen Drohungen und Verlockungen ihrem Glauben an Christus treu. Darum sind ihre Namen bis heute nicht vergessen. Darum sind ihnen Altäre, Kapellen und Kirchen geweiht. Sie sind Vorbilder an Mut und Fürsprecherinnen in der Not. Manchmal heißt diese Not Zahnweh. Zugegeben, heute vertrauen wir da eher auf Schmerzmittel und auf den Zahnarzt. Wenn der Zahnarzt auch noch ein Bild der hl. Apollonia in seiner Praxis hängen hat, dann ist dieses Vertrauen besonders angebracht.
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03.-05.09.2010
Bibliodrama im Pallotti-Haus in Wien
28.04.2010















